Dar­lehns­ver­bind­lich­kei­ten einer Publi­kums-KG – Aus­schüt­tun­gen und Haf­tung der Anle­ger

Die Kom­man­di­tis­tin und Dar­lehns­ge­be­rin einer Publi­kums-KG ist nicht ver­pflich­tet, zunächst die KG in Anspruch zu neh­men, bevor sie ihre Dritt­gläu­bi­ger­for­de­rung gegen die Kom­man­di­tis­ten gel­tend macht.

Dar­lehns­ver­bind­lich­kei­ten einer Publi­kums-KG – Aus­schüt­tun­gen und Haf­tung der Anle­ger

Der Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft, der eine Dritt­gläu­bi­ger­for­de­rung gegen einen per­sön­lich haf­ten­den Mit­ge­sell­schaf­ter gel­tend macht, muss nicht zunächst die Gesell­schaft in Anspruch neh­men. Eine gene­rell nur sub­si­diä­re Haf­tung der Gesell­schaf­ter für Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft aus Dritt­ge­schäf­ten mit ande­ren Gesell­schaf­tern lässt sich aus der Treue­pflicht man­gels Schutz­be­dürf­tig­keit der Mit­ge­sell­schaf­ter nicht ablei­ten. Zwar ist anzu­er­ken­nen, dass ein Gesell­schaf­ter, wenn mög­lich nicht sein eige­nes Ver­mö­gen ein­set­zen soll, viel­mehr Gesell­schafts­schul­den vor allem aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen begli­chen wer­den sol­len. Der Mit­ge­sell­schaf­ter, der von dem Gesell­schaf­ter-Gläu­bi­ger in Anspruch genom­men wird, hat jedoch in der Regel nicht nur einen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch gegen die Gesell­schaft gemäß § 110 HGB, wenn er die Gesell­schafts­schuld begleicht. Er kann auch bereits auf­grund der dro­hen­den Inan­spruch­nah­me Frei­stel­lung ver­lan­gen 1. Ist die Gesell­schaft zur Zah­lung bereit und in der Lage, soll­te es somit gar nicht dazu kom­men, dass der Mit­ge­sell­schaf­ter auf sein pri­va­tes Ver­mö­gen zurück­grei­fen muss, selbst wenn sich der Gesell­schaf­ter-Gläu­bi­ger direkt an ihn wen­det. Kann oder will die Gesell­schaft ihre Schuld dage­gen nicht til­gen, wür­de der Gesell­schaf­ter auch unter grund­sätz­li­cher Annah­me der Sub­si­dia­ri­tät haf­ten 2.

Mit der Inan­spruch­nah­me der Kom­man­di­tis­ten ver­stößt die Klä­ge­rin auch sonst nicht gegen ihre gesell­schafts­recht­li­che Treue­pflicht. Die Klä­ge­rin muss ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht des­halb gegen­über den Kom­man­di­tis­ten auf ihre For­de­rung ver­zich­ten, weil ande­ren­falls das wirt­schaft­li­che Risi­ko des Fonds auf die­se abge­wälzt wür­de. Die Kom­man­di­tis­ten durf­ten nicht dar­auf ver­trau­en, ihre Aus­schüt­tun­gen end­gül­tig behal­ten zu dür­fen. Sie sind im Emis­si­ons­pro­spekt auf ihr Haf­tungs­ri­si­ko nach § 171 Abs. 1, § 172 Abs. 4 HGB hin­ge­wie­sen wor­den. Dass die Bank, die einen sol­chen Fonds auf­legt, nicht unei­gen­nüt­zig han­delt und ein gewähr­tes Dar­le­hen zurück­for­dern wird, ist zudem für den Anle­ger offen­sicht­lich. Nahe­lie­gend ist auch, dass die Bank dabei alle ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Schuld­ner in Anspruch neh­men wird. Der Pro­spekt ent­hält kei­nen Hin­weis dar­auf, dass die Klä­ge­rin anders zu behan­deln wäre als ande­re Dritt­gläu­bi­ger und nicht frei ent­schei­den dürf­te, wen sie in Anspruch nimmt 3.

  1. Goet­te in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 110 Rn. 33; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 128 Rn. 35 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 310/​12, ZIP 2013, 2305 Rn. 34[]
  3. vgl. im Übri­gen BGH, Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 310/​12, ZIP 2013, 05 Rn. 36 ff.[]