Der Apo­the­ker in der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft

Die Aus­übung des selb­stän­di­gen Berufs des Apo­the­kers stellt bei nur gut­ach­ter­li­cher und fach­lich bera­ten­der Tätig­keit die Aus­übung eines Frei­en Berufs im Sin­ne von § 1 Abs. 1 und Abs. 2 PartGG dar.

Der Apo­the­ker in der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft

Zwar fin­det sich der Beruf des Apo­the­kers nicht unter den aus­drück­lich benann­ten Bei­spie­len des § 1 Abs. 2 Satz 2 PartGG. Nach § 1 Abs. 2 Satz 2 PartGG ist aber auch die Aus­übung „ähn­li­cher Beru­fe” Aus­übung eines Frei­en Berufs im Sin­ne des Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­set­zes. Die selb­stän­di­ge Aus­übung des Berufs des Apo­the­kers stellt, jeden­falls dann, wenn kei­ne Apo­the­ke betrie­ben, son­dern eine gut­ach­ter­li­che und fach­lich bera­ten­de Tätig­keit aus­ge­übt wird, die Aus­übung eines sol­chen ähn­li­chen Berufs dar.

Der nur gut­ach­ter­lich und bera­tend aus­ge­üb­te Apo­the­ker­be­ruf ist den in § 1 Abs. 2 Satz 2 PartGG aus­drück­lich auf­ge­führ­ten Beru­fen als ein aka­de­mi­scher Heil­be­ruf ähn­lich. Die Ähn­lich­keit im Sin­ne die­ser Vor­schrift setzt vor­aus, dass der nicht aus­drück­lich genann­te Beruf mit einem der Kata­log­be­ru­fe in wesent­li­chen Punk­ten ver­gleich­bar ist, wobei auf die für die Frei­be­ruf­lich­keit typi­schen Merk­ma­le abzu­stel­len und ein wer­ten­der Ver­gleich anzu­stel­len ist1.

§ 1 Abs. 2 Satz 1 PartGG defi­niert die Frei­en Beru­fe als Beru­fe, die im All­ge­mei­nen auf der Grund­la­ge beson­de­rer beruf­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on oder schöp­fe­ri­scher Bega­bung die per­sön­li­che, eigen­ver­ant­wort­li­che und fach­lich unab­hän­gi­ge Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen höhe­rer Art im Inter­es­se der Auf­trag­ge­ber und der All­ge­mein­heit zum Inhalt haben. Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt auch der Beruf des Apo­the­kers, wenn er durch gut­ach­ter­li­che und fach­lich bera­ten­de Tätig­keit aus­ge­übt wird. Grund­la­ge ist eine Hoch­schul­aus­bil­dung; es wer­den per­sön­li­che, eigen­ver­ant­wort­li­che und fach­lich unab­hän­gi­ge Dienst­leis­tun­gen höhe­rer Art erbracht, die im Inter­es­se des Auf­trag­ge­bers und mit­tel­bar auch im Inter­es­se der All­ge­mein­heit (Volks­ge­sund­heit) lie­gen. Ähn­lich­keit in den wesent­li­chen Punk­ten besteht unter Berück­sich­ti­gung der hier rele­van­ten gut­ach­ter­li­chen und fach­lich bera­ten­den Berufs­aus­übung danach ins­be­son­de­re mit den ande­ren Heil­be­ru­fen, vor allem dem des Arz­tes, sowie mit dem des Han­del­s­che­mi­kers. Wei­ter besteht eine Nähe zum Beruf des haupt­be­ruf­li­chen Sach­ver­stän­di­gen.

Die­sem Ver­ständ­nis steht nicht ent­ge­gen, dass der Gesetz­ge­ber bewusst von der Auf­nah­me des Apo­the­ker­be­rufs in den Kata­log des § 1 Abs. 2 Satz 2 PartGG abge­se­hen hat, weil er, ohne die Frei­be­ruf­lich­keit des Apo­the­ker­be­rufs in Fra­ge stel­len zu wol­len, den berufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten Vor­rang ein­räu­men und der Vor­schrift des § 8 Apo­thG Rech­nung tra­gen woll­te, nach der eine Apo­the­ke von meh­re­ren nur in der Rechts­form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts oder einer offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft betrie­ben wer­den darf2. Zwar wird des­halb der Apo­the­ker auch vom Schrift­tum über­wie­gend nicht zu den part­ner­schafts­fä­hi­gen Beru­fen gezählt3. Gesetz­ge­ber und Schrift­tum stel­len hier­bei aber auf den Betrieb einer Apo­the­ke und nicht auf die gut­ach­ter­li­che und fach­lich bera­ten­de Tätig­keit eines Apo­the­kers ab. Jeden­falls für einen sol­chen Fall der nicht­ge­werb­li­chen Betä­ti­gung ist der Apo­the­ker als „ähn­li­cher Beruf” i.S.d. § 1 Abs. 2 Satz 2 PartGG anzu­se­hen, ohne dass die­ser Aus­le­gung der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le ent­ge­gen­stün­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – II ZB 7/​11

  1. Meilicke/​Lenz, PartGG, 3. Aufl., § 1 Rn. 75; Münch­Komm-BGB/Schä­fer, 6. Aufl., § 1 PartGG Rn. 66 ff.; vgl. auch BFH, BSt­Bl. – II 93, 100 mwN zu § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG
  2. vgl. Begr. RegE, BT-Drs. 12/​6152, S. 10
  3. Hirtz in Henssler/​Strohn, Gesell­schafts­recht, 2. Aufl., § 1 PartGG Rn. 25; Münch­Komm-BGB/­Schä­fer, 6. Aufl., § 1 PartGG Rn. 43, 79; Meilicke/​Lenz, PartGG, 3. Aufl., § 1 Rn. 36, 48; Zim­mer­mann in Michalski/​Römermann, PartGG, 4. Aufl., § 1 Rn. 57; aA Seibert/​Kilian, PartGG, § 1 Rn. 11: ähn­li­cher Beruf