Die dem Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen­de Gesell­schafter­lis­te – in Alt­fäl­len

Die wegen einer Ver­än­de­rung im Sin­ne von § 8 EGGmbHG i.V.m. § 40 Abs. 1 Satz 1 GmbHG aF ein­zu­rei­chen­de Gesell­schafter­lis­te hat den Anfor­de­run­gen des § 40 Abs. 1 GmbHG in der Fas­sung vom 23.06.2017 zu genü­gen, wenn sie vor dem 26.06.2017 dem Han­dels­re­gis­ter zwar vor­ge­legt, dort aber noch nicht auf­ge­nom­men wur­de.

Die dem Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen­de Gesell­schafter­lis­te – in Alt­fäl­len

§ 40 Abs. 1 GmbHG ist durch Art. 14 des Geset­zes zur Umset­zung der Vier­ten EUGeld­wä­sche­richt­li­nie, zur Aus­füh­rung der EUGeld­trans­fer­ver­ord­nung und zur Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Zen­tral­stel­le für Finanz­trans­ak­ti­ons­un­ter­su­chun­gen vom 23.06.2017 1 mit Wir­kung ab dem 26.06.2017 geän­dert wor­den. Gemäß § 40 Abs. 1 Satz 2 GmbHG sind jetzt bei nicht in ein Regis­ter ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ten deren jewei­li­ge Gesell­schaf­ter unter einer zusam­men­fas­sen­den Bezeich­nung mit Name, Vor­na­me, Geburts­da­tum und Wohn­ort in die Gesell­schafter­lis­te auf­zu­neh­men.

Die Neu­re­ge­lung, deren Anfor­de­run­gen die von den Betei­lig­ten im hier ent­schie­de­nen Fall ein­ge­reich­te Gesell­schafter­lis­te nicht genügt, ist im vor­lie­gen­den Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren anzu­wen­den.

Maß­geb­lich für das Vor­lie­gen einer Rechts­ver­let­zung ist grund­sätz­lich das im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts gel­ten­de Recht. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat daher auch ein nach dem Erlass der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung in Kraft getre­te­nes Gesetz zu berück­sich­ti­gen, sofern es nach sei­nem zeit­li­chen Gel­tungs­wil­len das strei­ti­ge Rechts­ver­hält­nis erfasst 2.

Die Ände­rung des § 40 Abs. 1 GmbHG erfasst das hier im Streit ste­hen­de Rechts­ver­hält­nis.

Die Anwend­bar­keit der Neu­re­ge­lung rich­tet sich nach der hier­zu ergan­ge­nen Über­gangs­vor­schrift in § 8 EGGmbHG. Danach fin­den § 8 Abs. 1 Nr. 3 und § 40 Abs. 1 Satz 1 bis 3 GmbHG in der seit dem 26.06.2017 gel­ten­den Fas­sung auf Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung, die am 26.06.2017 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind, mit der Maß­ga­be Anwen­dung, dass die geän­der­ten Anfor­de­run­gen an den Inhalt der Lis­te der Gesell­schaf­ter erst dann zu beach­ten sind, wenn auf­grund einer Ver­än­de­rung nach § 40 Abs. 1 Satz 1 GmbHG in der vor dem 26.06.2017 gel­ten­den Fas­sung eine Lis­te ein­zu­rei­chen ist.

Aus dem Wort­laut der Über­gangs­vor­schrift ergibt sich nicht zwei­fels­frei, ob hin­sicht­lich des maß­ge­ben­den Zeit­punkts für die Anwend­bar­keit der Neu­re­ge­lung bei "Alt­ge­sell­schaf­ten" auf die eine Pflicht zur Ein­rei­chung einer Gesell­schafter­lis­te aus­lö­sen­de Ver­än­de­rung, auf die Ent­ste­hung der Pflicht zur (unver­züg­li­chen) Ein­rei­chung der Lis­te, auf die tat­säch­li­che Ein­rei­chung der Lis­te oder aber auf die Auf­nah­me der Lis­te in den Regis­ter­ord­ner abzu­stel­len ist.

In dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung heißt es zwar, wor­auf die Rechts­be­schwer­de unter Bezug­nah­me auf Gör­ner 3 hin­weist: "Für nach dem Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens am 26.06.2017 erst­mals erstell­te Lis­ten der Gesell­schaf­ter gel­ten die Anfor­de­run­gen an deren Aus­ge­stal­tung in der ab dem 26.06.2017 gel­ten­den Fas­sung" 4. Dar­aus ergibt sich aber kei­ne trenn­schar­fe Klar­stel­lung des für die Anwend­bar­keit der Neu­re­ge­lung maß­ge­ben­den Zeit­punkts, in dem Sin­ne, dass es auf den Vor­gang der Erstel­lung der Lis­te ankä­me. Dies folgt schon dar­aus, dass sich der zitier­te Satz auf erst­mals erstell­te Lis­ten und damit auf neu errich­te­te Gesell­schaf­ten bezieht. Die­se Gesell­schaf­ten unter­lie­gen aber nach dem inso­weit kla­ren Geset­zes­wort­laut unein­ge­schränkt den neu­en Anfor­de­run­gen an die Gesell­schafter­lis­te, wenn sie nach dem 26.06.2017 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den sind, mag auch die Gesell­schafter­lis­te frü­her erstellt wor­den sein. Denn die Über­gangs­re­ge­lung gilt aus­drück­lich nur für Gesell­schaf­ten, 26.06.2017 bereits in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind.

Nach dem Sinn und Zweck der Über­gangs­vor­schrift ist der Zeit­punkt maß­ge­bend, zu dem die Lis­te in den Regis­ter­ord­ner auf­ge­nom­men wird.

Im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung wird zur Begrün­dung der vor­ge­schla­ge­nen Über­gangs­re­ge­lung aus­ge­führt, für "Alt­lis­ten" gel­te, dass anläss­lich einer Ver­än­de­rung im Sin­ne des § 40 Abs. 1 GmbHG die Lis­te der Gesell­schaf­ter an die neu­en Anfor­de­run­gen anzu­pas­sen sei. Eine sol­che Anpas­sung sei auch dann erfor­der­lich, wenn eine sons­ti­ge Ver­än­de­rung ein­ge­tre­ten sei, die zur Ein­rei­chung einer neu­en Lis­te ver­pflich­te; in die­sem Fall sol­le die "bei Gele­gen­heit" die­ser Ver­än­de­rung erstell­te neue Lis­te ins­ge­samt an die Anfor­de­run­gen des neu­en § 40 Abs. 1 GmbHG ange­passt wer­den. Eine Pflicht zur Ände­rung bestehen­der Lis­ten, ohne dass eine Ver­än­de­rung im Sin­ne des § 40 Abs. 1 GmbHG ein­ge­tre­ten wäre, bestehe nicht 4.

Dem­nach waren im Wesent­li­chen Prak­ti­ka­bi­li­täts­er­wä­gun­gen dafür maß­ge­bend, nicht sämt­li­che "Alt­lis­ten" den Anfor­de­run­gen des § 40 Abs. 1 Satz 2 GmbHG nF zu unter­wer­fen, son­dern eine Anpas­sung an die neue Rechts­la­ge nur "bei Gele­gen­heit" einer Ver­än­de­rung zu ver­lan­gen, die ohne­hin die Erstel­lung und Ein­rei­chung einer neu­en Lis­te erfor­der­lich macht. Der damit ange­spro­che­ne Vor­gang, der die Gele­gen­heit zur Anpas­sung an die neue Rechts­la­ge bie­tet, ist erst mit der Auf­nah­me der neu­en Lis­te in den Regis­ter­ord­ner abge­schlos­sen. Die an eine Gesell­schafter­lis­te anknüp­fen­den Rechts­wir­kun­gen sind im Wesent­li­chen davon abhän­gig, dass die Lis­te im Han­dels­re­gis­ter auf­ge­nom­men wur­de (vgl. § 16 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1 GmbHG). Vor einer Auf­nah­me der Lis­te in den Regis­ter­ord­ner ist zudem eine Ände­rung oder Ergän­zung der Lis­te regel­mä­ßig mit über­schau­ba­rem Auf­wand mög­lich. Es wäre fer­ner nicht ver­ständ­lich, wenn eine vom Regis­ter­ge­richt aus ande­ren Grün­den ohne­hin als ergän­zungs­be­dürf­tig bean­stan­de­te Gesell­schafter­lis­te den Anfor­de­run­gen nach § 40 Abs. 1 Satz 2 GmbHG nF nicht genü­gen müss­te, weil die Lis­te schon vor dem 26.06.2017 ein­zu­rei­chen war bzw. ein­ge­reicht wur­de.

Im Übri­gen spricht die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Neu­re­ge­lung des § 40 Abs. 1 GmbHG dafür, die in der Über­gangs­vor­schrift aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät vor­ge­nom­me­ne Ein­schrän­kung der Anpas­sungs­pflicht eng aus­zu­le­gen. Zu der Neu­fas­sung des § 40 Abs. 1 GmbHG führt der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung aus, die Vor­schrift ste­he im Zei­chen der Ver­stär­kung der Trans­pa­renz der Gesell­schafter­lis­te, was vor allem aus Grün­den der Geld­wä­sche­prä­ven­ti­on wich­tig sei 5. Dies ent­spricht den Zie­len der Richt­li­nie (EU) 2015/​849 des Euro­päi­schen Par­la­ments und Rates vom 20.05.2015 zur Ver­hin­de­rung der Nut­zung des Finanz­sys­tems zum Zwe­cke der Geld­wä­sche und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung 6, deren Umset­zung das Ände­rungs­ge­setz vom 23.06.2017 dient. Nach Art. 30 Abs. 1 der Richt­li­nie haben die Mit­glied­staa­ten dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die in ihrem Gebiet ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ten oder sons­ti­gen juris­ti­schen Per­so­nen ange­mes­se­ne, prä­zi­se und aktu­el­le Anga­ben zu ihren wirt­schaft­li­chen Eigen­tü­mern, ein­schließ­lich genau­er Anga­ben zum wirt­schaft­li­chen Inter­es­se, ein­ho­len und auf­be­wah­ren müs­sen. Mit die­ser Ziel­set­zung wäre es nicht zu ver­ein­ba­ren, die Ver­pflich­tung zur Erhe­bung grund­sätz­lich für not­wen­dig gehal­te­ner Anga­ben ohne trif­ti­gen Grund ein­zu­schrän­ken.

Nach all­dem kommt es für die hier zu tref­fen­de Ent­schei­dung nicht mehr dar­auf an, ob bereits nach § 40 Abs. 1 GmbHG aF die Not­wen­dig­keit bestand, in die Gesell­schafter­lis­te einer GmbH, der eine (namens­füh­ren­de) GbR als Gesell­schaf­te­rin ange­hört, auch die Gesell­schaf­ter der GbR auf­zu­neh­men 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2018 – II ZB 12/​16

  1. BGBl. I 2017, 1822, 1863 f.[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.02.1993 XII ZB 134/​92, BGHZ 121, 305, 317; Bumil­ler in Bumiller/​Harders/​Schwamb, FamFG, 11. Aufl., § 72 Rn. 6; Unger/​Roßmann in SchulteBunert/​Weinreich, FamFG, 5. Aufl., § 72 Rn. 7; Müt­her in Bork/​Jacoby/​Schwab, FamFG, 2. Aufl., § 72 Rn. 6[]
  3. in Rowedder/​SchmidtLeithoff, GmbHG, 6. Aufl., § 40 Rn. 3a[]
  4. BT-Drs. 18/​11555, S. 175[][]
  5. BT-Drs. 18/​11555, S. 173[]
  6. ABl. EU L 141 S. 73[]
  7. dafür mit beach­tens­wer­ten Grün­den: Scheuch, GmbHR 2014, 568, 574; Wach­ter, GmbHR 2016, 1090, 1091; Münch­Komm-GmbH­G/Herr­ler, 2. Aufl., § 8 Rn. 22; Schä­fer in Henssler/​Strohn, GesR, 3. Aufl., § 8 GmbHG Rn. 5; Bay­er in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 19. Aufl., § 8 Rn. 4; ders., GmbHR 2012, 1, 2; Scholz/​Seibt, GmbHG, 12. Aufl., § 40 Rn. 17; Ulmer/​Casper in Ulmer/​Habersack/​Löbbe, GmbHG, 2. Aufl., § 8 Rn. 8; MHLS/​Terlau, GmbHG, 3. Aufl., § 40 Rn. 8; SchmidtLeit­hoff in Rowedder/​SchmidtLeithoff, GmbHG, 6. Aufl., § 8 Rn. 6; Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 21. Aufl., § 8 Rn. 7; Wicke, GmbHG, 3. Aufl.2016, § 8 Rn. 4; Win­ter in Gehrlein/​Born/​Simon, GmbHG, 3. Aufl., § 40 Rn. 8; Krafka/​Kühn, Regis­ter­recht, 10. Aufl., Rn. 1101; Laut­ner, DNotZ 2011, 643, 650; a.A. Noack in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 21. Aufl., § 40 Rn. 10; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 8. Aufl., § 40 Rn. 9; Heckschen/​Glombik, GmbHR 2013, 1009, 1016; Link, RNotZ 2009, 193, 203[]