Die Tele­kom, ihr drit­ter Bör­sen­gang und die Fol­gen

Die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) muss Auf­wen­dun­gen der Deut­schen Tele­kom AG erset­zen, die die­ser nach dem soge­nann­ten "drit­ten Bör­sen­gang" durch den Abschluss eines Ver­gleichs ent­stan­den sind; die Tele­kom hat­te sich mit Sam­mel­klä­gern in den USA im Zusam­men­hang mit die­sem Bör­sen­gang ver­gleichs­wei­se geei­nigt. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof. Ob auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land der Tele­kom zum Ersatz der Auf­wen­dun­gen ver­pflich­tet ist, muss noch geklärt wer­den.

Die Tele­kom, ihr drit­ter Bör­sen­gang und die Fol­gen

Die Akti­en der Tele­kom, die aus der Umwand­lung des frü­he­ren Son­der­ver­mö­gens der Deut­schen Bun­des­post in ein Unter­neh­men pri­va­ter Rechts­form her­vor­ge­gan­gen ist, hielt zunächst voll­stän­dig die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Ende März 2000 war sie direkt noch zu 43,18% und über die in ihrem Mehr­heits­be­sitz befind­li­che KfW zu wei­te­ren 21,6% betei­ligt. Mit­te Juni 2000 ver­äu­ßer­te die KfW im Rah­men des soge­nann­ten "drit­ten Bör­sen­gangs" aus ihrem Besitz auf dem natio­na­len und inter­na­tio­na­len Kapi­tal­markt 200 Mil­lio­nen Akti­en der Tele­kom an Pri­vat­an­le­ger, auch in den USA. Dort wur­den in einer Sam­mel­kla­ge Pro­spekt­haf­tungs­an­sprü­che gegen die Klä­ge­rin wegen angeb­li­cher Feh­ler des Ver­kaufs­pro­spekts gel­tend gemacht. Auf­grund eines im Janu­ar 2005 geschlos­se­nen Ver­gleichs zahl­te die Klä­ge­rin an die Sam­mel­klä­ger 120 Mio. US-$. Mit der Kla­ge ver­langt sie von den Beklag­ten Ersatz des Ver­gleichs­be­trags und der für die Rechts­ver­tei­di­gung auf­ge­wand­ten Kos­ten in Höhe von ins­ge­samt 112.585.552,79 €.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Bonn hat die Kla­ge der Tele­kom dem Grun­de nach für gerecht­fer­tigt erklärt 1, das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat sie auf die Beru­fung der beklag­ten KfW abge­wie­sen 2.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Tele­kom hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof sah in der mit dem öffent­li­chen Ange­bot in den USA ver­bun­de­nen Über­nah­me der Pro­spekt­ver­ant­wor­tung und des dar­aus fol­gen­den Haf­tungs­ri­si­kos eine nach § 57 AktG ver­bo­te­ne Ein­la­gen­rück­ge­währ der Tele­kom an ihre Aktio­nä­rin, die KfW, gese­hen. Die in der Über­nah­me des Pro­spekt­haf­tungs­ri­si­kos lie­gen­de Leis­tung der Akti­en­ge­sell­schaft an ihre Aktio­nä­rin ist durch kei­nen voll­wer­ti­gen Gegen­an­spruch aus­ge­gli­chen wor­den. Die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau war daher nach § 62 Abs. 1 AktG ver­pflich­tet, die Klä­ge­rin wegen der ent­ge­gen § 57 AktG erlang­ten Ein­la­gen­rück­ge­währ von den mit der Sam­mel­kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­chen frei­zu­stel­len. Da sie die­ser Frei­stel­lungs­ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men ist, muss sie die Ver­gleichs­sum­me und die Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten erset­zen. Die Höhe des Anspruchs muss durch das Ober­lan­des­ge­richt, an das die Sache zurück­ver­wie­sen wor­den ist, noch geklärt wer­den. Ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land der Klä­ge­rin nach § 311 Abs. 1, § 317 AktG zum Ersatz ver­pflich­tet ist, hängt von der gleich­falls noch vom Ober­lan­des­ge­richt Köln zu tref­fen­den Fest­stel­lung ab, ob sie die Plat­zie­rung der Akti­en der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau in den USA ver­an­lasst hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Mai 2011 – II ZR 141/​09

  1. LG Bonn, Urteil vom 01.06.2007 – 1 O 552/​05[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 28.05.2009 – 18 U 108/​07[]