Kein fes­ter Aus­gleich nach dem Squee­ze-Out

Der Bun­des­ge­richts­hofs hat in zwei Ver­fah­ren ent­schie­den, dass ein gegen Gewäh­rung einer ange­mes­se­nen Bar­ab­fin­dung aus der Gesell­schaft aus­ge­schlos­se­ner Min­der­heits­ak­tio­när die einem außen­ste­hen­den Aktio­när auf­grund eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags zuste­hen­de Aus­gleichs­zah­lung für ein zurück­lie­gen­des Geschäfts­jahr nicht mehr ver­lan­gen kann, wenn alle Akti­en der Min­der­heits­ak­tio­nä­re im Zeit­punkt der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung für die­ses Geschäfts­jahr mit Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses in das Han­dels­re­gis­ter bereits auf den Haupt­ak­tio­när über­ge­gan­gen sind.

Kein fes­ter Aus­gleich nach dem Squee­ze-Out

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len waren die Klä­ger Aktio­nä­re der Wel­la AG. Die­se hat­te sich 2004 in einem mit der Beklag­ten als herr­schen­dem Unter­neh­men abge­schlos­se­nen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag ver­pflich­tet, ihren Gewinn an die Beklag­te abzu­füh­ren. Nach dem Ver­trag schul­de­te die Beklag­te den übri­gen Aktio­nä­ren der Wel­la AG eine jähr­li­che Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 3,83 € je Vor­zugs­ak­tie. Der Aus­gleich soll­te jeweils am Tag nach der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG für das abge­lau­fe­ne Geschäfts­jahr fäl­lig wer­den, das vom 1. Juli eines Jah­res bis zum 30. Juni des Fol­ge­jah­res dau­er­te.

In der Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG vom 13./14. Dezem­ber 2005 wur­de die Über­tra­gung der Akti­en der Min­der­heits­ak­tio­nä­re auf die beklag­te Haupt­ak­tio­nä­rin gegen eine Bar­ab­fin­dung von 80,37 € je Stück­ak­tie beschlos­sen. Der Über­tra­gungs­be­schluss wur­de am 12. Novem­ber 2007 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen und am fol­gen­den Tag bekannt gemacht. Am 23. Janu­ar 2008 fand die ordent­li­che Haupt­ver­samm­lung der Wel­la AG für das Geschäfts­jahr 2006/​2007 statt.

Die Klä­ger haben unter ande­rem Zah­lung des Aus­gleichs für das Geschäfts­jahr 2006/​2007 ver­langt, einer der Klä­ger außer­dem antei­li­gen Aus­gleich bis zur Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses für das Geschäfts­jahr 2007/​2008. Das erst­in­stanz­lich mit den bei­den Kla­gen befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main hat die Beklag­te zur Zah­lung des Aus­gleichs für das Geschäfts­jahr 2006/​2007 ver­ur­teilt 1. In der Beru­fungs­in­stanz hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Kla­gen ins­ge­samt abge­wie­sen 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof bil­lig­te nun die Urtei­le des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt und wies Revi­sio­nen der Klä­ger zurück: Der Anspruch auf Zah­lung des Aus­gleichs für ein abge­lau­fe­nes Geschäfts­jahr ent­steht wie der Anspruch auf eine Divi­den­de, den der Aus­gleichs­an­spruch bei einem Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag ersetzt, jedes Jahr neu mit der ordent­li­chen Haupt­ver­samm­lung der abhän­gi­gen Gesell­schaft. Da die Klä­ger am Tag der Haupt­ver­samm­lung vom 23. Janu­ar 2008 infol­ge der Über­tra­gung der Akti­en auf die Beklag­te nach Ein­tra­gung des Über­tra­gungs­be­schlus­ses am 12. Novem­ber 2007 nicht mehr Aktio­nä­re der Wel­la AG waren, steht ihnen für das Geschäfts­jahr 2006/​2007 und antei­lig für das Geschäfts­jahr 2007/​2008 kein Aus­gleich zu.

Bun­des­ge­richts­hof Urtei­le vom 19. April 2011 – II ZR 237/​09 und II ZR 244/​09

  1. LG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 16.05.2008 – 3/​5 O 357/​07; und vom 25.07.2008 – 3/​5 O 95/​08[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urtei­le vom 29.09.2009 – 5 U 69/​08 und 5 U 107/​08[]