Kün­di­gung einer feh­ler­haf­ten Gesell­schaft

Eine Kün­di­gung einer Gesell­schaft, die nach den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft als wirk­sam gilt, ist aus die­sem Gesichts­punkt nur dann wirk­sam, wenn sich der Kün­di­gen­de zumin­dest auch auf den Man­gel des Gesell­schafts­ver­tra­ges stützt.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind die Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft auch auf typi­sche oder aty­pi­sche stil­le Gesell­schaf­ten anwend­bar 1. Damit gilt die Gesell­schaft als wirk­sam zustan­de gekom­men, wenn sie trotz Wirk­sam­keits­män­geln beim Ver­trags­schluss in Voll­zug gesetzt wor­den ist und kein Aus­nah­me­fall vor­liegt, in dem die Grund­sät­ze nicht anwend­bar sind, wie etwa bei einem Ver­stoß gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot oder die guten Sit­ten 2. Für den Voll­zug der Gesell­schaft genügt bereits die Zah­lung der Ein­la­ge 3.

Kün­di­gung einer feh­ler­haf­ten Gesell­schaft

Danach ist die Gesell­schaft hier als wirk­sam zu behan­deln. Die Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft sind bei einem Ver­tre­tungs­man­gel anwend­bar. Die Gesell­schaft ist auch in Voll­zug gesetzt wor­den. Denn der Klä­ger hat sei­ne Ein­la­ge geleis­tet. Im Übri­gen hat er wenn auch gerin­ge Aus­schüt­tun­gen erhal­ten.

Die Kün­di­gung kann nach den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft begrün­det sein.

Ist der stil­le Gesell­schafts­ver­trag nach den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft als wirk­sam zu behan­deln, hat jeder Ver­trags­teil dann das Recht, den Ver­trag unter Beru­fung auf den Ver­trags­man­gel durch sofort wirk­sa­me Kün­di­gung nach § 234 Abs. 1 HGB, § 723 BGB zu been­den mit der Fol­ge, dass der stil­le Gesell­schaf­ter gege­be­nen­falls einen nach den gesell­schafts­recht­li­chen Regeln zu berech­nen­den Abfin­dungs­an­spruch hat 4 und dazu auch die Erstel­lung einer Aus­ein­an­der­set­zungs­bi­lanz ver­lan­gen kann. Dabei muss die frist­lo­se Kün­di­gung zumin­dest auch auf den Ver­trags­man­gel gestützt wer­den. Der Gesell­schaf­ter muss den Feh­ler "gel­tend machen" 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 23. Juli 2013 – II ZR 143/​12

  1. BGH, Urteil vom 21.03.2005 II ZR 140/​03, ZIP 2005, 753, 755; Urteil vom 26.09.2005 II ZR 314/​03, ZIP 2005, 2060, 2062[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.1986 II ZR 75/​85, BGHZ 97, 243, 250; Urteil vom 16.05.1988 II ZR 316/​87, NJW-RR 1988, 1379; Urteil vom 21.03.2005 II ZR 149/​03, ZIP 2005, 763, 764[]
  3. BGH, Urteil vom 29.11.2004 II ZR 6/​03, ZIP 2005, 254, 255[]
  4. BGH, Urteil vom 29.11.2004 II ZR 6/​03, ZIP 2005, 254, 255; Urteil vom 21.07.2003 II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 52 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.06.2000 – XI ZR 174/​99, ZIP 2000, 1430, 1432; H. P. Wes­ter­mann, ZIP 2002, 240, 243; eben­so für die BGBGe­sell­schaft Münch­Komm-BGB/Ul­mer, 5. Aufl., § 705 Rn. 345[]