Neu­grün­dung einer Unter­neh­mer­ge­sell­schaft durch Abspal­tung

Die Neu­grün­dung einer Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt) durch Abspal­tung ver­stößt gegen das Sach­ein­la­gen­ver­bot nach § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG.

Neu­grün­dung einer Unter­neh­mer­ge­sell­schaft durch Abspal­tung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall soll­te nach dem Spal­tungs­plan vom Ver­mö­gen der Rechts­be­schwer­de­füh­re­rin ein Betrag in Höhe von 1 € abge­spal­ten und auf die UG zur Neu­grün­dung über­tra­gen wer­den. Dies sah der Bun­des­ge­richts­hof jedoch als nicht zuläs­sig an: Die Abspal­tung eines Teils des Ver­mö­gens eines Rechts­trä­gers und die Über­tra­gung die­ses Teils zur Neu­grün­dung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung auf die­se stellt nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on zwin­gend eine Sach­grün­dung im Sin­ne des § 5 Abs. 4 GmbHG dar. Dies wird unter ande­rem dadurch deut­lich, dass nach § 138 UmwG bei der Spal­tung unter Grün­dung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung stets ein Sach­grün­dungs­be­richt ein­schließ­lich der Wert­nach­weis­un­ter­la­gen (§ 8 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG) erfor­der­lich ist.
Für die Unter­neh­mer­ge­sell­schaft als Rechts­form­va­ri­an­te der Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung gilt dies eben­so. Aus dem in § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG gere­gel­ten Ver­bot von Sach­ein­la­gen, das über § 135 Abs. 2 Satz 1 UmwG zur Anwen­dung kommt, folgt daher, dass eine Unter­neh­mer­ge­sell­schaft nicht durch Abspal­tung von einem ande­ren Rechts­trä­ger nach § 123 Abs. 2 Nr. 2 UmwG neu gegrün­det wer­den kann 1.

Der Wort­laut des § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG unter­schei­det nicht nach der Ent­ste­hungs­wei­se der Gesell­schaft. Auch die Ver­wei­sung in § 135 Abs. 2 Satz 1 UmwG ent­hält kei­ne ein­schlä­gi­ge Ein­schrän­kung. Über­zeu­gen­de sys­te­ma­ti­sche Anhalts­punk­te für eine Ver­drän­gung des Sach­ein­la­ge­ver­bots des § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG durch die umwand­lungs­spe­zi­fi­schen Ver­mö­gens­über­tra­gungs­for­men fin­den sich nicht. Das Sach­ein­la­gen­ver­bot nach § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG lässt weder die Son­der­re­ge­lun­gen für Umwand­lun­gen unbe­rührt 2 noch ste­hen die Spe­zi­al­vor­schrif­ten über die umwand­lungs­spe­zi­fi­sche Gesamt­rechts­nach­fol­ge der Anwen­dung von § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG auf die Abspal­tung zur Neu­grün­dung ent­ge­gen 3. Viel­mehr zeigt das in § 138 UmwG gere­gel­te Erfor­der­nis eines Sach­grün­dungs­be­richts bei der Spal­tung zur Neu­grün­dung einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung, dass die für die­se Gesell­schafts­form gel­ten­den Sach­grün­dungs­vor­schrif­ten zu beach­ten sind.

Die­se Sicht stimmt auch mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers über­ein. Nach der Begrün­dung zu § 5a Abs. 2 GmbHG wer­den Sach­ein­la­gen nicht für erfor­der­lich und des­halb für nicht zuläs­sig erach­tet. Da die Höhe der Bar­mit­tel nach dem tat­säch­li­chen Bedarf für die Anfangs­zeit nach der Grün­dung als Min­dest­stamm­ka­pi­tal pas­send gewählt wer­den kann, soll die­ses dann aber auch in bar ein­be­zahlt wer­den 4.

Aus dem mit der Ein­füh­rung der Unter­neh­mer­ge­sell­schaft ver­folg­ten Ziel, eine Gesell­schafts­form mit erheb­lich redu­zier­tem Stamm­ka­pi­tal als Ein­stiegs­form für Exis­tenz­grün­der anzu­bie­ten 5, ist wei­ter zu schlie­ßen, dass das Sach­ein­la­gen­ver­bot jeden­falls auch der Beschleu­ni­gung und Ver­ein­fa­chung der Grün­dung dient. Es sol­len Bewer­tungs- und Kapi­tal­auf­brin­gungs­pro­ble­me ver­mie­den wer­den, die durch Sach­ein­la­gen bei Neu­grün­dun­gen ent­ste­hen kön­nen. Die­ser Zweck erfasst – ganz unab­hän­gig davon, ob die­se Pro­ble­me nur im Inter­es­se einer beschleu­nig­ten und ver­ein­fach­ten Grün­dung der neu­en Rechts­form 6 oder eben­falls im Inter­es­se der Gläu­bi­ger 7 ver­mie­den wer­den sol­len – auch die Situa­ti­on der Neu­grün­dung durch Abspal­tung mit dem nach § 138 UmwG zwin­gen­den Erfor­der­nis der Auf­stel­lung eines Sach­grün­dungs­be­richts.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. April 2011 – II ZB 9/​10

  1. so auch die über­wie­gen­de Mei­nung in der Lite­ra­tur, vgl. Teich­mann in Lutter/​Win­ter, UmwG, 4. Aufl., § 124 Rn. 2; Pries­ter in Lutter/​Winter, UmwG, 4. Aufl., § 138 Rn. 3; Gün­del in Keßler/​Kühn­ber­ger, UmwG, 2009, § 138 Rn. 6; Klumpp in HK-UmwG, § 136 Rn. 9; Heck­schen in Widmann/​Mayer, UmwG, Stand: Sep­tem­ber 2008, § 1 Rn. 48.10; ders., Das MoMiG in der nota­ri­el­len Pra­xis, 2009, Rn. 228, 243; Münch­Komm-GmbH­G/­Rie­der, 2010, § 5a Rn. 52; Schä­fer in Bork/​Schäfer, GmbHG, 2010, § 5a Rn. 39; Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 19. Aufl., § 5a Rn. 17; Michalski/​Miras, GmbHG, 2. Aufl., § 5a Rn. 13; Roth in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 6. Aufl., § 5a Rn. 30; Wicke, GmbHG, 2008, § 5a Rn. 17; Riemenschneider/​Freitag in Priester/​Mayer, Mün­che­ner Hand­buch des Gesell­schafts­rechts, Bd. 3, 2009, § 8a Rn. 15; Vogt in Müller/​Winkeljohann, Beck´sches Hand­buch der GmbH, 2009, § 18 Rn. 47; Meis­ter, NZG 2008, 767, 768; Hei­ne­mann, NZG 2008, 820, 822; Tet­tin­ger, Der Kon­zern 2008, 75, 77; Römermann/​Passarge, ZIP 2009, 1497, 1500; Ber­nin­ger, GmbHR 2010, 63, 69[]
  2. so aber Lut­ter in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 17. Aufl., § 5a Rn. 33; Ulmer/​Paura, GmbHG, Erg.Band, 2010, § 5 a Rn. 73 f.; Henn­richs, NZG 2009, 1161, 1163 f.[]
  3. aA H. Röh­richt, Die Anwen­dung der gesell­schafts­recht­li­chen Grün­dungs­vor­schrif­ten bei Umwand­lun­gen, 2009, S. 96; Gas­tey­er, NZG 2009, 1364, 1367 f.[]
  4. vgl. Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf des MoMiG, BT-Drucks. 16/​6140, S. 32[]
  5. BT-Drucks. 16/​6140, S. 31[]
  6. so zB Bay­er in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 17. Aufl., § 19 Rn. 59; Henn­richs, NZG 2009, 1161, 1162[]
  7. so zB Pries­ter in Lutter/​Winter, UmwG, 4. Aufl., § 138 Rn. 3; Schä­fer in Bork/​Schäfer, GmbHG, 2010, § 5a Rn. 20[]