Krumme Gemüse-Geschäfte – ganz legal

Zu Monatsbeginn ging es bereits durch die Prese – die Gurken-Verordnung der EU ist aufgehoben, Salatgurken (Schlangengurken) dürfen jetzt auch krumm sein. Die hämische Berichterstattung zum Monatswechsel hatte einen einfachen Hintergrund: Die Gurken-Verordnung war – wohl nicht ganz zu unrecht – zum Symbol des bürokratischen Übereifers der Brüsseler Bürokratie geworden.

Nach der Zeit der Häme über Brüsseler Überregulierungen hier nun auch noch ein Blick von der juristischen Seite, denn nicht nur krummen Gurken, auch stark gekrümmten Karotten und anderem Gemüse steht in diesem Sommer juristisch nichts mehr entgehen:

Insgesamt wurden zum 1. Juli 2009 EU-Vorschriften über die Größe und Form von 26 Obst- und Gemüsesorten aufgehoben, die wie die Gurken-Verordnung (EWG) 1677/88, die Karotten-Verordnung (EG) 730/1999 und ähnliche Verordnungen für allerlei anderes Obst und Gemüse über Jahre Europas Supermarktregale geprägt und beispielsweise die bekannten „Güteklassen“ („Extra“, „Klasse I“, „Klasse II“) definiert haben

Die Vorschriften über maximale Krümmung und andere Form-Vorschriften sollten ursprünglich Lagerung und Transport der Produkte und indirekt auch deren Frische gewährleisten. Denn Gurken, die im Karton schön in Reih und Glied liegen, so seinerzeit die Überlegung der EU-Bürokraten, fügen sich gegenseitig keine Druckstellen zu, die schneller faulen könnten. Doch die Verordnungen sind zum Symbol der Regulierungswut der Brüsseler Bürokratie geworden und so hat die EU-Kommission sie nun – erstaunlicherweise gegen beträchtlichen Widerstand verschiedener Mitgliedsstaaten – abgeschafft.

Seit dem 1. Juli können viele Obst- und Gemüsesorten unabhängig von ihrer Form oder Größe verkauft werden. Insgesamt wurden Vermarktungsnormen für die 26 Obst- und Gemüsessorten aufgehoben:

Aprikosen,
Artischocken,
Spargel,
Auberginen,
Avocados,
Bohnen,
Rosenkohl,
Karotten,
Blumenkohl,
Kirschen,
Zucchini,
Gurken,
Champignons,
Knoblauch,
Haselnüsse in der Schale,
Kopfkohl,
Lauch,
Melonen,
Zwiebeln,
Erbsen,
Pflaumen,
Bleichsellerie,
Spinat,
Walnüsse in der Schale,
Wassermelonen und
Chicorée.

Von nun könnten also auch stark gebogene, kleinere oder anders aus der Reihe tanzende Karotten, Zucchini und anderes Gemüse mehr wieder den Weg in den Lebensmittelladen finden, die bisher entweder im Abfall oder in der Schweinemast landeten.

Für einige weitere Obst- und Gemüsesorten, namentlich für

Äpfel,
Zitrusfrüchte,
Kiwis,
Salate,
Pfirsiche und Nektarinen,
Erdbeeren,
Gemüsepaprika,
Tafeltrauben und
Tomaten

bestehen dagegen weiterhin die EU-Normen fort, allerdings können die Mitgliedsstaaten sie von der Anwendung der EU-Normen ausnehmen, sofern sie im Einzelhandel mit einer Etikettierung „zur Weiterverarbeitung bestimmtes Erzeugnis“ versehen sind.Es geht also immer noch nicht ganz ohne EU-Gemüse.

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