Ört­li­che War­te­fris­ten für den zukünf­ti­gen Anwalts­no­tar

In den Gebie­ten des Anwalts­no­ta­ri­ats soll ein Anwalt in der Regel als Notar nur bestellt wer­den, wenn er bei Ablauf der Bewer­bungs­frist min­des­tens fünf Jah­re zur Rechts­an­walt­schaft zuge­las­sen war und seit min­des­tens drei Jah­ren ohne Unter­bre­chung in dem in Aus­sicht genom­me­nen Amts­be­reich haupt­be­ruf­lich als Rechts­an­walt tätig ist, § 6 Abs. 2 BNo­tO.

Ört­li­che War­te­fris­ten für den zukünf­ti­gen Anwalts­no­tar

Die­se ört­li­che War­te­frist nach § 6 Abs. 2 Nr. 2 BNo­tO ist nicht schon dann gewahrt, wenn der Rechts­an­walt seit mehr als drei Jah­ren Gesell­schaf­ter und Pro­ku­rist einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH ist, die in dem in Aus­sicht genom­me­nen Amts­be­reich eine Zweig­stel­le unter­hält.

Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lung in § 6 Abs. 2 Nr. 2 BNo­tO zieht der Bun­des­ge­richts­hof nicht in Zwei­fel [1]. Als Notar soll „in der Regel“ nur bestellt wer­den, wer die ört­li­che War­te­zeit ein­ge­hal­ten hat. Der Klä­ger erfüllt die ört­li­che War­te­zeit nicht. Die Stel­lung als Gesell­schaf­ter und die Tätig­keit als Pro­ku­rist in einer über­ört­li­chen Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH, die auch eine Zweig­stel­le im Amts­be­reich des zu beset­zen­den Nota­ri­ats hat, schafft für sich genom­men nicht schon die mit der Rege­lung in § 6 Abs. 2 Nr. 2 BNo­tO auch bezweck­te ört­li­che Ver­traut­heit des Bewer­bers mit den Gege­ben­hei­ten des ent­spre­chen­den Amts­ge­richts­be­zirks. Dass und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang der Klä­ger als Pro­ku­rist der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH auf­grund eige­ner Anwalts­tä­tig­keit vor dem Amts­ge­richt Müns­ter die not­wen­di­gen wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen für das von ihm ange­streb­te Nota­ri­at gelegt hat, ist durch den Vor­trag von Tat­sa­chen nicht hin­rei­chend belegt.

Das Regel­er­for­der­nis der Ein­hal­tung der ört­li­chen War­te­zeit ist der Aus­wahl unter den geeig­ne­ten Bewer­bern vor­ge­la­gert (§ 6 Abs. 3 BNo­tO). Wür­de allein die bes­se­re Eig­nung als sol­che genü­gen, um von dem Erfor­der­nis des § 6 Abs. 2 Nr. 2 BNo­tO abzu­se­hen, ver­lö­re es sei­ne eigen­stän­di­ge Bedeu­tung [2].

Bun­des­ge­richtgs­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2011 – NotZ(Brfg) 6/​10

  1. vgl. BVerfGE 110, 303, 322 ff.; BVerfG, DNotZ 2003, 375 f.[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.07.2006 – NotZ 13/​06, DNotZ 2007, 75, 77[]