Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und ihre Kom­pen­sa­ti­on

Zur Fest­le­gung der Kom­pen­sa­ti­on einer rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung ist es zwin­gend erfor­der­lich, dass das Tat­ge­richt die kon­kre­te Dau­er der rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung bestimmt 1.

Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und ihre Kom­pen­sa­ti­on

Dies ist schon des­halb erfor­der­lich, um dem Revi­si­ons­ge­richt eine Über­prü­fung der Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung zu ermög­li­chen.

Zur Beur­tei­lung einer ange­mes­se­nen Ver­fah­rens­dau­er hat es dabei die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen, so dass ins­be­son­de­re bei Wirt­schafts­straf­sa­chen auf­grund der Kom­ple­xi­tät des Fal­les eine län­ge­re Ver­fah­rens­dau­er als ange­mes­sen anzu­se­hen sein kann als bei weni­ger umfang­rei­chen oder schwie­ri­gen Ver­fah­ren 2.

Vor­lie­gend hat sich das Land­ge­richt jedoch auf die Fest­stel­lung beschränkt, dass die Ankla­ge vom 24.08.2012 am 29.08.2012 bei Gericht ein­ge­gan­gen und wegen vor­ran­gig zu bear­bei­ten­der Haft­sa­chen eine Vor­be­rei­tung der Haupt­ver­hand­lung erst ab März 2015 mög­lich gewe­sen sei. Dies genügt den Anfor­de­run­gen an eine kon­kre­te Fest­stel­lung des Aus­ma­ßes der Ver­zö­ge­rung nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2015 – 1 StR 389/​15

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2008 – GSSt 1/​07, NJW 2008, 860, 866[]
  2. vgl. Bar­t­he in KK-StPO, 7. Aufl., GVG § 198 Rn. 2[]