Reform des EU-Hygie­ne­rechts

Eben­falls neue Vor­schrif­ten gel­ten im Bereich der Lebens­mit­tel-Hygie­ne, in dem mit dem Gesetz zur Neu­ord­nung des Lebens­mit­tel- und des Fut­ter­mit­tel­rechts meh­re­re EU-Richt­li­ni­en in deut­sches Recht umge­setzt wur­den.

Reform des EU-Hygie­ne­rechts

Ein wich­ti­ger Teil­as­pekt der Lebens­mit­tel­si­cher­heit ist die Lebens­mit­tel­hy­gie­ne. Bestimm­te Erkran­kun­gen, wie zum Bei­spiel Sal­mo­nel­len­er­kran­kun­gen, ste­hen häu­fig im Zusam­men­hang mit Hygie­ne­maß­nah­men bezie­hungs­wei­se Hygie­ne­män­geln. Gene­rell gilt, nur siche­re Lebens­mit­tel in Ver­kehr zu brin­gen. Das schließt die Ein­hal­tung bestimm­ter Hygie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel ein. Die­se betref­fen zum Bei­spiel alle Fra­gen des Verderbs, Tem­pe­ra­tur- und Licht­ein­flüs­se, Fremd­ge­rü­che und ande­re.

Durch zahl­rei­che pro­dukt­spe­zi­fi­sche Richt­li­ni­en, Ergän­zungs­richt­li­ni­en, Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen und Ent­schei­dun­gen war schon seit Jah­ren sowohl auf euro­päi­scher als auch auf den jewei­li­gen natio­na­len Ebe­nen ein Fle­cken­tep­pich an Hygie­ne­re­ge­lun­gen ent­stan­den, der unüber­sicht­lich, unzu­sam­men­hän­gend und hin­sicht­lich des Detail­lie­rungs­gra­des und der Rege­lungs­tie­fe an ein­zel­nen Stel­len unzeit­ge­mäß war. Des­halb soll­te das gemein­schaft­li­che Hygie­ne­recht mit dem Ziel der Moder­ni­sie­rung und Kon­so­li­die­rung einer grund­le­gen­den Reform unter­zo­gen wer­den.

Nach einem mehr­jäh­ri­gen kom­ple­xen Bera­tungs – und Ände­rungs­pro­zess des "Hygie­ne­pa­kets" wur­de im April 2004 in Form von drei EU-Ver­ord­nun­gen nebst Auf­he­bungs­richt­li­nie das neue Hygie­ne­recht auf Gemein­schafts­ebe­ne erlas­sen. Die Ver­ord­nun­gen tra­ten bereits am 20. Mai 2004 in Kraft und sind ab 1. Janu­ar 2006 anzu­wen­den.

Mit den Ver­ord­nun­gen wer­den vor allem die zu errei­chen­den Zie­le im Bereich der Lebens­mit­tel­si­cher­heit fest­ge­legt. Die Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer sind selbst dafür ver­ant­wort­lich, ent­spre­chen­de Sicher­heits­maß­nah­men zu ergrei­fen, um die gesund­heit­li­che Unbe­denk­lich­keit ihrer Erzeug­nis­se zu gewähr­leis­ten. Dabei geht es um alle Stu­fen der Her­stel­lung, von der Pri­mär­pro­duk­ti­on bis zum Ver­kauf an den End­ver­brau­cher.

Die so genann­te Pri­mär­pro­duk­ti­on umfasst die Gewin­nung pflanz­li­cher und tie­ri­scher Pri­mär­er­zeug­nis­se ein­schließ­lich Ern­te, Jagd, Fisch­fang, Mel­ken sowie sämt­li­cher Stu­fen der tie­ri­schen Erzeu­gung vor dem Schlach­ten. Ernäh­rungs­fra­gen oder Aspek­te der Zusam­men­set­zung und der Lebens­mit­tel­qua­li­tät fal­len nicht dar­un­ter.

Im Ein­zel­nen han­delt es sich um fol­gen­de Rechts­nor­men:

  • Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/​2004 über Lebens­mit­tel­hy­gie­ne: Sie stellt die gene­rel­le Basis­re­ge­lung der Lebens­mit­tel­hy­gie­ne für alle Betrie­be in sämt­li­chen Berei­chen der Lebens­mit­tel­ket­te ein­schließ­lich Urpro­duk­ti­on dar. Sie gilt auch für die bis­lang geson­dert und abschlie­ßend gere­gel­ten Berei­che unter ande­rem der Fleisch‑, Fisch‑, Milch und Eier­ver­ar­bei­tung.
  • Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 mit spe­zi­fi­schen Lebens­mit­tel­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs: Die­se Ver­ord­nung ent­hält im not­wen­di­gen Umfang spe­zi­fi­sche Hygie­ne­vor­schrif­ten für Betrie­be, die Lebens­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs ver­ar­bei­ten; sie gilt ergän­zend zur all­ge­mei­nen Hygie­never­ord­nung. Die Ver­ord­nung gilt für unver­ar­bei­te­te Erzeug­nis­se tie­ri­schen Ursprungs sowie für Lebens­mit­tel, die als "Ver­ar­bei­tungs­er­zeug­nis­se" aus der Erst­ver­ar­bei­tung unver­ar­bei­te­ter tie­ri­scher Erzeug­nis­se her­vor­ge­hen.
  • Ver­ord­nung (EG) Nr. 854/​2004 mit beson­de­ren Vor­schrif­ten für die amt­li­che Über­wa­chung von zum mensch­li­chen Ver­zehr bestimm­ten Erzeug­nis­sen tie­ri­schen Ursprungs: Die Ver­ord­nung beschreibt all­ge­mein die Grund­sät­ze der amt­li­chen Über­wa­chung, regelt die Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen der zustän­di­gen Über­wa­chungs­be­hör­den bei Betriebs­zu­las­sun­gen, Betriebs­über­prü­fun­gen und Ertei­lung des Iden­ti­täts­kenn­zei­chens sowie die Ver­fah­ren in Bezug auf die Ein­fuhr.

Ziel der Reform des EU-Hygie­ne­rechts war es, das gemein­schaft­li­che Hygie­ne- und Vete­ri­när­recht zusam­men­zu­fas­sen. Gleich­zei­tig wur­de durch Ein­be­zug der Land­wirt­schaft der "Farm-to-Fork-Ansatz", die Rück­ver­folg­bar­keit von Lebens- und Fut­ter­mit­teln "vom Stall bis zum Tel­ler", in allen Produktions‑, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen unter Berück­sich­ti­gung der Grund­sät­ze und Grund­be­grif­fe der EU-Basis-Ver­ord­nung ver­wirk­licht.

In Deutsch­land erfolg­te die Umset­zung der neu­en Anfor­de­run­gen vor allem durch das Gesetz zur Neu­ord­nung des Lebens­mit­tel- und des Fut­ter­mit­tel­rechts, wel­ches am 6. Sep­tem­ber in Kraft trat.