Tele­fon­wer­bung bei Gewer­be­trei­ben­den

Unge­be­te­ne Tele­fon­wer­bung ist auch gegen­über Gewer­be­trei­ben­den ver­bo­ten. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof noch­mals bestä­tigt. Der BGH hat­te über die Kla­ge eines Wett­be­werbs­ver­ban­des gegen ein Unter­neh­men zu ent­schei­den, das als Ver­mitt­ler von Auf­trä­gen tätig ist und mit Hand­werks­un­ter­neh­men im Wege der Tele­fon­wer­bung in Kon­takt getre­ten war.

Tele­fon­wer­bung bei Gewer­be­trei­ben­den

Die Beklag­te ver­mit­telt und koor­di­niert Bau­vor­ha­ben zwi­schen Bau­her­ren und deren Pla­nungs­bü­ros einer­seits sowie Bau­un­ter­neh­men ande­rer­seits. Mit ihren Part­ner­un­ter­neh­men schließt sie for­mu­lar­mä­ßig vor­be­rei­te­te Ver­trä­ge, durch die sich die Hand­wer­ker zur Zah­lung einer Pro­vi­si­on für jeden ver­mit­tel­ten Bau­auf­trag und dane­ben zur Ein­mal­zah­lung eines vier­stel­li­gen Betra­ges ver­pflich­ten. Die Geschäfts­kon­tak­te zu ihren poten­ti­el­len Ver­trags­part­nern bahnt die Beklag­te grund­sätz­lich über das Tele­fon an.

Der Klä­ger hat hier­in eine unzu­läs­si­ge Tele­fon­wer­bung gese­hen. Das Beru­fungs­ge­richt hat sich anders als das Land­ge­richt, das die Kla­ge abge­wie­sen hat­te die­ser Auf­fas­sung ange­schlos­sen und die Beklag­te ver­ur­teilt, es zu unter­las­sen, Tele­fon­wer­bung zu betrei­ben, ohne dass ein vor­he­ri­ges Ein­ver­ständ­nis des Adres­sa­ten besteht oder aber zumin­dest Umstän­de vor­lie­gen, auf­grund deren das Ein­ver­ständ­nis mit einer sol­chen Kon­takt­auf­nah­me ver­mu­tet wer­den kann.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Kla­ge­an­trag für nicht hin­rei­chend bestimmt erach­tet. Er hat des­halb das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Der Klä­ger, der bis­lang von der Zuläs­sig­keit sei­nes Kla­ge­an­trags aus­ge­hen konn­te, hat damit Gele­gen­heit, einen hin­rei­chend bestimm­ten Kla­ge­an­trag zu stel­len.

In der Sache hat der Bun­des­ge­richts­hof die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts gebil­ligt, dass die bean­stan­de­te Tele­fon­wer­bung weder dem tat­säch­li­chen noch dem mut­maß­li­chen Wil­len des ange­ru­fe­nen Hand­werks­un­ter­neh­mens ent­spricht. Bei einem Gewer­be­trei­ben­den kön­ne zwar regel­mä­ßig ein mut­maß­li­ches Inter­es­se an einer tele­fo­ni­schen Kon­takt­auf­nah­me durch poten­ti­el­le Kun­den ver­mu­tet wer­den. Von einem sol­chen Inter­es­se kön­ne aber nicht aus­ge­gan­gen wer­den, wenn die Kon­takt­auf­nah­me dem Ange­bot der eige­nen Leis­tung des Anru­fen­den dient. Dies gel­te grund­sätz­lich auch dann, wenn das an den Gewer­be­trei­ben­den her­an­ge­tra­ge­ne Ange­bot auf dem Gebiet lie­ge, auf dem der Gewer­be­trei­ben­de selbst als Anbie­ter auf­tre­te. Bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die erfor­der­li­che mut­maß­li­che Ein­wil­li­gung als gege­ben anzu­se­hen sei, sei im Übri­gen nicht nur auf die Art der Wer­bung, son­dern auch auf deren Inhalt abzu­stel­len. Nicht zu bean­stan­den sei daher auch die Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts, ein objek­tiv ungüns­ti­ges Ange­bot kön­ne ein Indiz für das Feh­len der mut­maß­li­chen Ein­wil­li­gung sein. Da das vom Klä­ger begehr­te Ver­bot allein zu einer Beschrän­kung in der Wahl des Medi­ums bei der Wer­bung füh­re, ver­let­ze es auch kei­ne Grund­rech­te der Beklag­ten.

Bun­des­ge­richts­hof – Urteil vom 16. Novem­ber 2006 – I ZR 191/​03