Prä­mi­en­be­rech­nung nach Hono­rar­vo­lu­men in der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung

Eine Klau­sel in einer Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für Archi­tek­ten, die die Ver­let­zung der Pflicht zu zutref­fen­den Anga­ben über die für die Bei­trags­hö­he maß­geb­li­chen Hono­rar­um­sät­ze durch eine Ver­trags­stra­fe in Höhe des fünf­fa­chen Betra­ges der dar­aus fol­gen­den Prä­mi­en­dif­fe­renz sank­tio­niert, benach­tei­ligt den Ver­si­che­rungs­neh­mer unan­ge­mes­sen und ist des­halb unwirk­sam.

Prä­mi­en­be­rech­nung nach Hono­rar­vo­lu­men in der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung

Es kann dabei für den Bun­des­ge­richts­hof offen blei­ben, ob die in Ziff. 6.2.3 i.V.m. Ziff. 5.2.3 VBHAI ver­ein­bar­te Rege­lung zum Nach­teil des Ver­si­che­rungs­neh­mers von den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen über die Gefah­rerhö­hung (§§ 23 ff. VVG a.F.) abweicht und des­halb nach § 34a VVG a.F. unwirk­sam ist.

Die Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung in Ziff. 6.2.3 VBHAI ist jeden­falls nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam, weil sie den Ver­si­che­rungs­neh­mer unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt.

Die Unwirk­sam­keit folgt aller­dings nicht schon dar­aus, dass die Ver­trags­stra­fen­ver­ein­ba­rung dem Ver­si­che­rungs­neh­mer in Ziff. 5.2.3 VBHAI die Pflicht auf­er­legt, auf Ver­lan­gen des Ver­si­che­rers Anga­ben zu sei­nen die Bei­trags­hö­he bestim­men­den Hono­rar­um­sät­zen zu machen, und eine Ver­let­zung die­ser Pflicht durch eine Ver­trags­stra­fe sank­tio­niert. Dies wird viel­mehr durch das legi­ti­me Inter­es­se der Klä­ge­rin gerecht­fer­tigt, ihre Ver­si­che­rungs­neh­mer zur Mit­wir­kung bei der Ermitt­lung der Berech­nungs­grund­la­gen des Prä­mi­en­an­spruchs anzu­hal­ten, auf die sie ange­wie­sen ist.

Unan­ge­mes­sen ist jedoch die Höhe der ver­ein­bar­ten Ver­trags­stra­fe. Eine Ver­trags­stra­fen­ver­ein­ba­rung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen muss trotz ihrer Druck- und Kom­pen­sa­ti­ons­funk­ti­on auch die Inter­es­sen des Ver­trags­part­ners aus­rei­chend berück­sich­ti­gen 1. Die Höhe einer ver­trags­mä­ßig aus­be­dun­ge­nen Ver­trags­stra­fe ist daher ins­be­son­de­re dann unan­ge­mes­sen, wenn die Sank­ti­on außer Ver­hält­nis zum Gewicht des Ver­trags­ver­sto­ßes und zu des­sen Fol­gen für den Ver­trags­part­ner steht 2. Ihre Höhe darf also nicht außer Ver­hält­nis zu dem mög­li­chen Scha­den gera­ten, der durch das mit der Ver­trags­stra­fe sank­tio­nier­te Ver­hal­ten des Kun­den aus­ge­löst wird 3.

Da sich die Fol­gen der hier in Rede ste­hen­den unrich­ti­gen Anga­ben dar­auf beschrän­ken, dass die Klä­ge­rin an der zutref­fen­den Berech­nung ihres Prä­mi­en­an­spruchs gehin­dert wird und ihr dadurch die Prä­mi­en­dif­fe­renz ent­ge­hen kann, darf die Höhe der in Ziff.06.02.3 VBHAI vor­ge­se­he­nen Ver­trags­stra­fe nicht außer Ver­hält­nis zu dem Prä­mi­en­vor­teil ste­hen, den der Ver­si­che­rungs­neh­mer sich durch sei­ne fal­schen Anga­ben erschleicht.

Das ist bei der hier ver­ein­bar­ten Ver­trags­stra­fe in fünf­fa­cher Höhe des fest­ge­stell­ten Bei­trags­un­ter­schieds jedoch der Fall.

Zwar ist es im Grund­satz sach­ge­recht, dass sich die Höhe der Ver­trags­stra­fe an der Höhe des Prä­mi­en­vor­teils ori­en­tiert, den ein Ver­si­che­rungs­neh­mer durch die unrich­ti­gen Anga­ben erzie­len kann. Die Ver­ein­ba­rung des fünf­fa­chen Betrags der Prä­mi­en­dif­fe­renz steht aber außer Ver­hält­nis zu dem mög­li­chen Scha­den des Ver­si­che­rers. Obwohl die­ser den Dif­fe­renz­bei­trag nach­er­he­ben kann, hät­te der Ver­si­che­rungs­neh­mer wor­auf das Beru­fungs­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat schon bei einem Anstieg der Jah­res­rech­nungs­sum­me von (nur) 20% eine Ver­trags­stra­fe in Höhe einer vol­len Jah­res­prä­mie zusätz­lich zu der ange­pass­ten Ver­si­che­rungs­prä­mie zu zah­len.

Ein abwei­chen­des Ergeb­nis folgt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on auch nicht mit Rück­sicht auf die ähn­li­che und nach Auf­fas­sung der Klä­ge­rin ver­gleich­ba­re Rege­lung des § 8 II 1 AHB, die eine Ver­trags­stra­fe in Höhe des drei­fa­chen Bei­trags­un­ter­schie­des vor­sieht. Im Schrift­tum ist bereits umstrit­ten, ob die­se Rege­lung im Ein­zel­fall ihrer­seits unan­ge­mes­sen sein kann. Über­wie­gend wird die Wirk­sam­keit die­ser Rege­lung zwar ohne Ein­schrän­kung bejaht 4; dage­gen wei­sen ande­re Autoren dar­auf hin, dass eine Ver­trags­stra­fe in Höhe des drei­fa­chen Bei­trags­un­ter­schie­des bei nur gerin­gem Ver­schul­den unter Umstän­den unan­ge­mes­sen sein kön­ne 5, oder wol­len die Ver­trags­stra­fe mög­li­cher­wei­se nur bis zum Dop­pel­ten der Prä­mi­en­dif­fe­renz als ange­mes­sen akzep­tie­ren 6. Ob den Beden­ken der letzt­ge­nann­ten Autoren zu fol­gen wäre, kann dahin­ste­hen. Eine Stra­fe in Höhe des fünf­fa­chen Betrags der Prä­mi­en­dif­fe­renz über­schrei­tet auch bei Berück­sich­ti­gung der nach Auf­fas­sung der Revi­si­on bestehen­den Vor­tei­le für den Ver­si­che­rungs­neh­mer, die die Gesamt­re­ge­lung ent­hal­ten soll, jeden­falls die Gren­ze der Ange­mes­sen­heit; dies begrün­det die Unwirk­sam­keit der Ver­ein­ba­rung nach § 307 Abs. 1 Satz 1BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Mai 2012 – IV ZR 87/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.01.2003 – VII ZR 210/​01, BGHZ 153, 311 unter II A 4 c dd[]
  2. BGH, Urteil vom 07.05.1997 – VIII ZR 349/​96, NJW 1997, 3233, 3234 unter II 2[]
  3. BGH, Urteil vom 07.05.1997 aaO[]
  4. so Voit/​Knappmann in Prölss/​Martin, 27. Aufl. aaO § 8 AHB Rn. 3; Schirmer/​Marlow aaO S. 791; Knapp­mann aaO S. 407; Litt­bar­ski, AHB § 8 Rn. 36 ff.[]
  5. Bruck/​Möller/​Johannsen, All­ge­mei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung 8. Aufl. Anm. E 22, E 23; Spä­te, AHB § 8 Rn. 16[]
  6. Prölss in Prölss/​Martin aaO § 27 Rn. 3a[]