Abwei­chen von der gefes­tig­ten Recht­spre­chung

Eine Zulas­sung der Revi­si­on ist nicht allein des­halb gebo­ten, weil ande­re Ober­lan­des­ge­rich­te als das Beru­fungs­ge­richt ver­ein­zelt von einer gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs abwei­chen, ohne die­se Abwei­chung zu begrün­den.

Abwei­chen von der gefes­tig­ten Recht­spre­chung

Damit ist einer der in § 543 Abs. 2 ZPO genann­ten Grün­de, die Revi­si­on zuzu­las­sen, nicht gege­ben.

Besteht eine gefes­tig­te höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung, gibt es eine Leit­li­nie, an der sich ande­re Gerich­te ori­en­tie­ren kön­nen und es gibt kei­nen Klä­rungs­be­darf mehr. Allein der Umstand, dass Ober­lan­des­ge­rich­te ver­ein­zelt die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht berück­sich­ti­gen, erfor­dert die Zulas­sung der Revi­si­on nicht, wenn es nichts zusätz­lich zu klä­ren gibt. Ein zusätz­li­cher Klä­rungs­be­darf kann dadurch ent­ste­hen, dass die­je­ni­gen Ober­lan­des­ge­rich­te, die dem Bun­des­ge­richts­hof nicht fol­gen, dafür beach­tens­wer­te Argu­men­te ent­wi­ckeln, mit denen sich der Bun­des­ge­richts­hof noch nicht aus­rei­chend aus­ein­an­der­ge­setzt hat 1.

So liegt es hier nicht: Die zitier­ten Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­rich­te set­zen sich mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs in dem hier inter­es­sie­ren­den Punkt nicht aus­ein­an­der. Das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt Jena 2 zitiert zwar die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 14. Janu­ar 1999 3, befasst sich jedoch nicht mit der Fra­ge, ob die Ver­trags­stra­fe für die End­ter­mi­ne einer eige­nen Inhalts­kon­trol­le zugän­gig ist. Glei­ches gilt für die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg 4. Auch die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Naum­burg 5 erwähnt nicht die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, wobei nach dem Inhalt der Ent­schei­dung offen bleibt, ob über­haupt eine Ver­trags­stra­fe für die Über­schrei­tung des Fer­tig­stel­lungs­ter­mins gel­tend gemacht wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2013 – VII ZR 371/​12

  1. Musielak/​Ball, ZPO, 10. Aufl., § 543 Rn. 5a; Münch­Komm-ZPO/Krü­ger, 4. Aufl., § 543 Rn. 7[]
  2. Thü­rO­LG BauR 2003, 1416[]
  3. BGH, Urteil vom 14.01.1999 – VII ZR 73/​98[]
  4. OLG Nürn­berg, BauR 2010, 1591 = NZBau 2010, 566[]
  5. OLG Naum­burg, NZBau 2012, 237[]