Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­ti­ier­te Kla­ge­ver­tei­di­gung

Eine Par­tei genügt bei einem zur Rechts­ver­tei­di­gung gehal­te­nen Sach­vor­trag ihren Sub­stan­ti­ie­rungs­pflich­ten bereits dann, wenn sie Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, das von der Gegen­sei­te gel­tend gemach­te Recht als nicht bestehend erschei­nen zu las­sen. Uner­heb­lich ist dabei, wie wahr­schein­lich die Dar­stel­lung ist und ob sie auf eige­nem Wis­sen oder auf einer Schluss­fol­ge­rung aus Indi­zi­en beruht.

Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­ti­ier­te Kla­ge­ver­tei­di­gung

Genügt das Par­tei­vor­brin­gen die­sen Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung, kann der Vor­trag wei­te­rer Ein­zel­tat­sa­chen nicht ver­langt wer­den. Viel­mehr hat der Tatrich­ter als­dann in die Beweis­auf­nah­me ein­zu­tre­ten und dabei, soweit es auf spe­zi­fi­sche Fach­kun­de ankommt, die beweis­erheb­li­chen Streit­fra­gen einem Sach­ver­stän­di­gen zu unter­brei­ten 1. Der Pflicht zur Sub­stan­ti­ie­rung ist nur dann nicht genügt, wenn die unter Beweis gestell­ten Tat­sa­chen so unge­nau bezeich­net sind, dass das Gericht auf­grund ihrer Dar­stel­lung nicht beur­tei­len kann, ob die Behaup­tung über­haupt erheb­lich ist, also die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der dar­an geknüpf­ten Rechts­fol­ge erfüllt sind 2, oder sie aufs Gera­te­wohl, das heißt ins Blaue hin­ein auf­ge­stellt und – mit ande­ren Wor­ten – aus der Luft gegrif­fen sind. Bei der Annah­me von Will­kür in die­sem Sin­ne ist aller­dings Zurück­hal­tung gebo­ten; in der Regel wird sie sich nur beim Feh­len jeg­li­cher tat­säch­li­cher Anhalts­punk­te recht­fer­ti­gen las­sen 3. Kann eine Par­tei man­gels eige­ner Kennt­nis der in Rede ste­hen­den natur­wis­sen­schaft­li­chen oder tech­ni­schen Zusam­men­hän­ge nur bestimm­te Ver­mu­tun­gen als Behaup­tung in den Rechts­streit ein­füh­ren, liegt daher kei­ne unzu­läs­si­ge Aus­for­schung vor 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2012 – I ZR 81/​10

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 11.05.2010 – VIII ZR 212/​07, NJW-RR 2010, 1217 Rn. 10 f.; Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 157/​09, NJW 2011, 844 Rn. 25, jeweils mwN[]
  2. BGH, NJW-RR 2010, 1217 Rn. 11 mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 23.04.1991 – X ZR 77/​89, NJW 1991, 2707, 2709; MünchKomm-.ZPO/Prütting, 3. Aufl., § 284 Rn. 78; Musielak/​Foerste, ZPO, 8. Aufl., § 284 Rn. 18, jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 10.01.1995 – VI ZR 31/​94, NJW 1995, 1160, 1161; MünchKomm-.ZPO/Prütting aaO, jeweils mwN[]