Anschluss­be­ru­fung – und ihre Begründung

Soweit der Anschluss­be­ru­fungs­klä­ger eine von dem Erst­ur­teil aus­ge­hen­de Beschwer bekämpft, sind nach § 524 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 bis 4 ZPO an die Begrün­dung der Anschluss­be­ru­fung die glei­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an die Begrün­dung der Beru­fung1.

Anschluss­be­ru­fung – und ihre Begründung

Danach muss die Anschluss­be­ru­fungs­be­grün­dung die bestimm­te Bezeich­nung der im Ein­zel­nen anzu­füh­ren­den Grün­de der Anfech­tung ent­hal­ten2.

Da die Begrün­dung in einem sol­chen Fall erken­nen las­sen soll, aus wel­chen tat­säch­li­chen und/​oder recht­li­chen Grün­den der Anschluss­be­ru­fungs­klä­ger das ange­foch­te­ne Urteil für unrich­tig hält, hat die­ser die­je­ni­gen Punk­te recht­li­cher Art dar­zu­le­gen, die er als unzu­tref­fend ansieht, und dazu die Grün­de anzu­ge­ben, aus denen er die Feh­ler­haf­tig­keit jener Punk­te und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung her­lei­tet3.

Beson­de­re for­ma­le Anfor­de­run­gen für die Bezeich­nung der Umstän­de, aus denen sich nach Ansicht des Anschluss­be­ru­fungs­klä­gers die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit erge­ben (§ 524 Abs. 3 iVm § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO), bestehen grund­sätz­lich nicht. Glei­ches gilt für die Bezeich­nung der kon­kre­ten Anhalts­punk­te, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen im ange­foch­te­nen Urteil begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebie­ten (§ 524 Abs. 3 iVm § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 ZPO).

Ins­be­son­de­re ist es ohne Bedeu­tung, ob die Aus­füh­run­gen des Anschluss­be­ru­fungs­klä­gers schlüs­sig, hin­rei­chend sub­stan­ti­iert und recht­lich halt­bar sind. Die Anschluss­be­ru­fungs­be­grün­dung muss ledig­lich auf den kon­kre­ten Streit­fall zuge­schnit­ten sein. Dazu gehört, soweit das erst­in­stanz­li­che Urteil ange­grif­fen wer­den soll, eine aus sich her­aus ver­ständ­li­che Anga­be, wel­che bestimm­ten Punk­te des ange­foch­te­nen Urteils der Anschluss­be­ru­fungs­klä­ger aus wel­chem Grund bekämpft4.

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Bei meh­re­ren Streit­ge­gen­stän­den oder einem teil­ba­ren Streit­ge­gen­stand muss sich die Rechts­mit­tel­be­grün­dung grund­sätz­lich auf alle Tei­le der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung erstre­cken, hin­sicht­lich derer eine Abän­de­rung bean­tragt ist; andern­falls ist das Rechts­mit­tel für den nicht begrün­de­ten Teil unzu­läs­sig5. Eine ein­heit­li­che Begrün­dung genügt nur, wenn sich der Angriff gegen einen Rechts­grund rich­tet, der in dem ange­grif­fe­nen Urteil hin­sicht­lich aller Ansprü­che als durch­grei­fend ange­se­hen wor­den ist6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Janu­ar 2021 – III ZR 127/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 12.04.1995 – XII ZR 104/​94, FamRZ 1995, 1138, 1139; RGZ 153, 101, 104 f; Ball in Musielak/​Voit, ZPO, 17. Aufl., § 524 Rn. 21[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 166/​14, NJW 2015, 3040 Rn. 11[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – IX ZB 104/​15, NJW-RR 2016, 1269 Rn. 7 mwN[]
  4. st. Rspr.: zB BGH, Beschluss vom 26.02.2015 – III ZB 30/​14 11; BGH, Beschlüs­se vom 07.06.2018 – I ZB 57/​17, NJW 2018, 2894 Rn. 5; und vom 14.07.2016 aaO; jew. mwN[]
  5. zB BGH, Beschluss vom 29.11.2017 – XII ZB 414/​17, FamRZ 2018, 283 Rn. 9; Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 166/​14, NJW 2015, 3040 Rn. 11 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 28.02.2007 – V ZB 154/​06, NJW 2007, 1534 Rn. 12; Urtei­le vom 27.09.2000 – XII ZR 281/​98, NJW-RR 2001, 789, 790; und vom 27.01.1994 – I ZR 326/​91, NJW 1994, 2289, 2290 mwN[]