Der Anwalts und das Pro­zess­recht

Ein Rechts­an­walt muss die Geset­ze, ins­be­son­de­re die Bun­des­ge­set­ze, ken­nen, die in einer Anwalts­pra­xis gewöhn­lich zur Anwen­dung kom­men [1]. Im Hin­blick auf die Rege­lung des § 251 Satz 2 ZPO gilt dies umso mehr, als das Ruhen des Ver­fah­rens von den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin selbst bean­tragt wor­den ist.

Der Anwalts und das Pro­zess­recht

Es bedarf daher auch kei­ner Prü­fung, ob das Beru­fungs­ge­richt die Klä­ge­rin bzw. ihre Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten auf die Vor­schrift des § 251 Satz 2 ZPO aus­drück­lich hät­te hin­wei­sen müs­sen. Ein etwai­ges Ver­säum­nis des Beru­fungs­ge­richts wäre nicht geeig­net, das Ver­schul­den der Klä­ge­rin aus­zu­räu­men. Denn deren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te muss­ten die Rechts­la­ge ken­nen oder sich die­se Kennt­nis recht­zei­tig ver­schaf­fen. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn eine irri­ge Rechts­auf­fas­sung vom Gericht ver­an­lasst und hier­durch ein Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen wur­de [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2012 – XI ZB 8/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 09.07.1993 – V ZB 20/​93, NJW 1993, 2538, 2539 mwN[]
  2. vgl. BVerfG, NJW 2004, 2887, 2888; BGH, Urteil vom 15.12.2010 – XII ZR 27/​09, NJW 2011, 522 Rn. 30 ff. mwN; BGH, Beschluss vom 26.03.1996 – VI ZB 1/​96 und VI ZB 2/​96, NJW 1996, 1900, 1901[]