Der Insol­venz­plan und die Dar­stel­lung began­ge­ner Insol­venz­straf­ta­ten

Wer­den in den dar­stel­len­den Teil des Insol­venz­plans die vom Schuld­ner began­ge­nen Insol­venz­straf­ta­ten (§§ 283 bis 283c StGB) nicht auf­ge­nom­men, ist die Bestä­ti­gung des Plans nur zu ver­sa­gen, wenn der Plan auf eine Unter­neh­mens­fort­füh­rung abzielt.

Der Insol­venz­plan und die Dar­stel­lung began­ge­ner Insol­venz­straf­ta­ten

Der Min­dest­in­halt des dar­stel­len­den Teils eines Insol­venz­plans ist nicht in das freie Belie­ben des Plan­ver­fas­sers gestellt. Ob zu den nach § 220 Abs. 2 InsO gebo­te­nen Anga­ben auch die Mit­tei­lung von Ver­fah­ren wegen Insol­venz­straf­ta­ten des Schuld­ners gehö­ren, bestimmt sich danach, ob die­se Anga­ben für die Ent­schei­dung der Gläu­bi­ger über die Zustim­mung zum Plan erheb­lich sind. Beab­sich­tigt der Schuld­ner nicht, das Unter­neh­men fort­zu­füh­ren, ist es nicht gebo­ten, etwai­ge Insol­venz­straf­ta­ten im Plan auf­zu­füh­ren.

Nach § 220 Abs. 2 InsO muss der dar­stel­len­de Teil eines Insol­venz­plans alle Anga­ben zu den Grund­la­gen und den Aus­wir­kun­gen des Plans ent­hal­ten, die für die Ent­schei­dung der Gläu­bi­ger über die Zustim­mung zum Plan und für des­sen gericht­li­che Bestä­ti­gung erheb­lich sind 1. Danach sind alle die­je­ni­gen Anga­ben uner­läss­lich, wel­che die Gläu­bi­ger für ein sach­ge­rech­tes Urteil über den Insol­venz­plan, gemes­sen an ihren eige­nen Inter­es­sen, benö­ti­gen 2. Der Gesetz­ge­ber hat durch die wei­te For­mu­lie­rung der Vor­schrift ledig­lich auf eine für alle Fäl­le ver­bind­li­che Vor­ga­be ver­zich­tet und die Ent­schei­dung, wel­che Anga­ben die Gläu­bi­ger benö­ti­gen, für jeden Ein­zel­fall zunächst dem Plan­ver­fas­ser und sodann gemäß § 231 Abs. 1 Nr. 1, § 250 Nr. 1 InsO dem Insol­venz­ge­richt über­tra­gen 3. Das ändert aber nichts dar­an, dass ein gewis­ser Grund­be­stand an Infor­ma­tio­nen im dar­stel­len­den Teil grund­sätz­lich ent­hal­ten sein muss und nur aus­nahms­wei­se ent­fal­len darf 4.

Die Ver­wen­dung des Wor­tes "soll" in § 220 Abs. 2 InsO bedeu­tet nicht, dass die gefor­der­ten Anga­ben fakul­ta­tiv sind 5. Dass einer vom Wort­laut her als Soll­be­stim­mung aus­ge­stal­te­ten Rege­lung in der Insol­venz­ord­nung eine zwin­gen­de Bedeu­tung zukom­men kann, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits in ande­rem Zusam­men­hang ent­schie­den 6. Auch die Vor­schrift des § 220 Abs. 2 InsO ist nach ihrem Sinn und Zweck als zwin­gen­de Rege­lung zu lesen 7.

Die unter­las­se­ne Mit­tei­lung der Insol­venz­straf­ta­ten ist hier jedoch, so der Bun­des­ge­richts­hof, nicht als erheb­li­cher Ver­stoß anzu­se­hen, der einer Bestä­ti­gung des Insol­venz­plans ent­ge­gen­steht. Was unter einem wesent­li­chen Punkt im Sin­ne des § 250 Nr. 1 InsO zu ver­ste­hen ist, wird vom Gesetz nicht aus­drück­lich erläu­tert. Ein wesent­li­cher Ver­stoß in die­sem Sin­ne liegt stets dann vor, wenn es sich um einen Man­gel han­delt, der Ein­fluss auf die Annah­me des Insol­venz­plans gehabt haben könn­te 8.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Beschluss vom 19. Mai 2009 9 im Hin­blick auf den Ver­sa­gungs­grund des § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO bereits ver­neint, dass der Schuld­ner im Insol­venz­plan im Ein­zel­nen die Grün­de dar­zu­le­gen hat, aus denen ein Gläu­bi­ger die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung bean­tra­gen könn­te. Eine der­ar­ti­ge Pflicht stün­de mit der den Gläu­bi­ger gemäß § 251 Abs. 2, § 290 Abs. 2, § 297 Abs. 2 InsO tref­fen­den Dar­le­gungs- und Beweis­last nicht in Ein­klang. Ob die­se Erwä­gun­gen auch hin­sicht­lich des hier in Rede ste­hen­den Ver­sa­gungs­grun­des des § 290 Abs. 1 Nr. 1 InsO zu gel­ten haben, hat der Bun­des­ge­richts­hof im ange­führ­ten Beschluss aus­drück­lich offen gehal­ten 10. Die Fra­ge ist dif­fe­ren­zie­rend danach zu beant­wor­ten, ob der Plan auf eine Liqui­da­ti­on des Unter­neh­mens oder über­tra­gen­de Sanie­rung oder aber auf eine Unter­neh­mens­fort­füh­rung abzielt.

Beacht­li­che Stim­men in der Lite­ra­tur beja­hen eine Pflicht zur Offen­ba­rung von straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lun­gen nach den §§ 283283c StGB nur dann, wenn nach dem Insol­venz­plan der Schuld­ner selbst oder bei einer juris­ti­schen Per­son deren organ­schaft­li­cher Ver­tre­ter das Unter­neh­men fort­füh­ren sol­len. Dann könn­ten frü­he­re Straf­ta­ten erheb­li­che Beden­ken gegen sei­ne Zuver­läs­sig­keit wecken und zugleich Zwei­fel an den Erfolgs­aus­sich­ten des Plans begrün­den 11. Damit ori­en­tiert sich das Schrift­tum an der im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren aus Grün­den der Straf­fung des Geset­zes 12 ent­fal­le­nen Rege­lung des § 260 RegE­In­sO, die die­se Unter­schei­dung bereits vor­sah.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält die­sen Stand­punkt für zutref­fend. Bei einer Unter­neh­mens­fort­füh­rung durch den bis­he­ri­gen Unter­neh­mens­lei­ter steht zwin­gend die Eig­nung des Schuld­ners für eine der­ar­ti­ge Auf­ga­be im Vor­der­grund. Hier­zu gehört ins­be­son­de­re des­sen Zuver­läs­sig­keit. Bei einem Unter­neh­mer, der wegen Insol­venz­straf­ta­ten ver­ur­teilt wor­den ist, erscheint es zumin­dest sehr zwei­fel­haft, ob er für eine Unter­neh­mens­fort­füh­rung die erfor­der­li­che Eig­nung auf­weist. Es han­delt sich mit­hin um eine Anga­be, die für die Ent­schei­dungs­bil­dung der Gläu­bi­ger, ob sie dem Plan ihre Zustim­mung ertei­len, von wesent­li­cher Bedeu­tung ist. Ist nach dem Plan kei­ne Unter­neh­mens­fort­füh­rung vor­ge­se­hen, kommt der Anga­be dage­gen in der Regel kei­ne tra­gen­de Bedeu­tung zu. Soweit sie im Hin­blick auf den Ver­sa­gungs­grund des § 290 Abs. 1 Nr. 1 InsO doch rele­vant sein könn­te, ist zu beach­ten, dass die Annah­me einer umfas­sen­den Infor­ma­ti­ons­pflicht des Schuld­ners mit der grund­sätz­lich den Gläu­bi­ger gemäß § 251 Abs. 2, § 290 Abs. 2, § 297 Abs. 2 InsO tref­fen­den Dar­le­gungs- und Beweis­last nicht zu ver­ein­ba­ren ist 13.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2011 – IX ZB 37/​08

  1. BGH, Beschluss vom 19.05.2009 – IX ZB 236/​07, WM 2009, 1336 Rn. 27[]
  2. BGH, Beschluss vom 03.12.2009 – IX ZB 30/​09, ZIP 2010, 341 Rn. 3; vom 15.07.2010, aaO Rn. 44; Uhlenbruck/​Maus, InsO, 13. Aufl., § 220 Rn. 1; Haarmeyer/​Wutzke/​Förster, Hand­buch zur Insol­venz­ord­nung, 3. Aufl, Kap. 9 Rn. 40[]
  3. vgl. FK-InsO/Jaf­fé, 6. Aufl., § 220 Rn. 3[]
  4. Bork, ZZP 1996, 473, 476; Uhlenbruck/​Maus, aaO; HK-InsO/Fless­ner, 6. Aufl., § 250 Rn. 1, 3[]
  5. so aber Otte in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, Stand 2005, § 220 Rn. 12; Hmb­Komm-InsO/­Thies, 3. Aufl., § 220 Rn. 5[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 17.02.2005 – IX ZB 176/​03, BGHZ 162, 181, 183 f; vom 10.02.2011, WM 2011, 839 Rn. 10[]
  7. BGH, Beschluss vom 19.05.2009, aaO Rn. 27[]
  8. BGH, Beschluss vom 03.12.2009, aaO Rn. 3; LG Ber­lin ZIn­sO 2005, 609, 611; NZI 2005, 335, 337; Bähr/​Landry in Mohrbutter/​Ringstmeier, Hand­buch der Insol­venz­ver­wal­tung, 8. Aufl., § 14 Rn. 174; HK-InsO/Fless­ner, aaO, § 250 Rn. 5; Hmb­Komm-InsO/­Thies, aaO, § 250 Rn. 7; Münch­Komm-InsO/­Sinz, 2. Aufl., § 250 Rn. 7; Uhlenbruck/​Lüer, InsO, 13. Aufl., § 250 Rn. 5[]
  9. BGH, Beschluss vom 19.05.2009 – IX ZB 236/​07, aaO[]
  10. BGH, Beschluss vom 19.05.2009, aaO Rn. 26[]
  11. Münch­Komm-InsO/Ei­len­ber­ger, aaO, Rn. 9; Otte in Kübler/​Prütting/​Bork, aaO, § 220 Rn. 12; Bähr/​Landry, aaO Rn.19; FKInsO/​Jaffé, aaO § 220 Rn. 43; BKInsO/​Breutigam, Stand 2010, § 220 InsO, Rn. 31[]
  12. vgl. BT-Drucks. 12/​7302 S. 182 zu Nr. 138[]
  13. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.2009, aaO Rn. 27[]