Der ver­trag­lich gere­gel­te Anspruchs­weg­fall

Wird bei Abschluss eines Ver­tra­ges zugleich gere­gelt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Anspruch weg­fällt, der durch die­sen Ver­trag erst begrün­det wird, so betrifft die­se Rege­lung nicht die Auf­ga­be eines zuvor erwor­be­nen Rechts und steht daher einem Ver­zicht, an des­sen Fest­stel­lung stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sind 1, nicht gleich.

Der ver­trag­lich gere­gel­te Anspruchs­weg­fall

Aller­dings ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gera­de bei Erklä­run­gen, die als Ver­zicht, Erlass oder in ähn­li­cher Wei­se rechts­ver­nich­tend gewer­tet wer­den sol­len, das Gebot einer inter­es­sen­ge­rech­ten Aus­le­gung zu beach­ten und den der Erklä­rung zugrun­de­lie­gen­den Umstän­den beson­de­re Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Wenn fest­steht oder davon aus­zu­ge­hen ist, dass eine For­de­rung ent­stan­den ist, ver­bie­tet die­ser Umstand im All­ge­mei­nen die Annah­me, der Gläu­bi­ger habe sein Recht ein­fach wie­der auf­ge­ben wol­len. Selbst bei ein­deu­tig erschei­nen­der Erklä­rung des Gläu­bi­gers darf ein Ver­zicht des­halb nicht ange­nom­men wer­den, ohne dass bei der Fest­stel­lung zum erklär­ten Ver­trags­wil­len sämt­li­che Begleit­um­stän­de berück­sich­tigt wor­den sind 2.

Ein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt liegt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall indes nicht vor. Denn hier geht es nicht um die Aus­le­gung einer Erklä­rung, durch die ein zuvor erwor­be­nes Recht wie­der auf­ge­ge­ben wor­den sein soll. Der Anspruch der Klä­ge­rin auf Zah­lung der Betei­li­gungs­ra­ten wur­de nicht zeit­lich vor der im Gesell­schafts­ver­trag gere­gel­ten Begren­zung die­ses Anspruchs begrün­det; er war von Anfang an nach Maß­ga­be des Gesell­schafts­ver­tra­ges beschränkt. Somit befan­den sich die Klä­ge­rin und ihre Gesell­schaf­ter in dem für die Aus­le­gung maß­ge­ben­den Zeit­punkt des Bei­tritts der Beklag­ten gera­de nicht in der Lage eines Gläu­bi­gers, des­sen Wil­lens­er­klä­rung dar­auf zu prü­fen ist, ob er auf ein ihm bereits zuste­hen­des Recht ver­zich­tet. Fer­ner hat die Ein­stel­lung der Raten­zah­lun­gen nach der vom Beru­fungs­ge­richt befür­wor­te­ten Aus­le­gung nicht nur die für den Gesell­schaf­ter rein vor­teil­haf­te Fol­ge, kei­ne wei­te­ren Betei­li­gungs­ra­ten zah­len zu müs­sen. Viel­mehr wirkt sich die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­la­ge zugleich zum Nach­teil des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters aus.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2012 – II ZR 178/​10

  1. BGH, Urtei­le vom 15.01.2002 – X ZR 91/​00, WM 2002, 822, 824; und vom 07.03.2006 – VI ZR 54/​05, NJW 2006, 1511 Rn. 10[]
  2. vgl. u.a. BGH, Urtei­le vom 15.01.2002 – X ZR 91/​00, WM 2002, 822, 824; und vom 07.03.2006 – VI ZR 54/​05, NJW 2006, 1511 Rn. 10, jeweils m.w.N.[]