Die feh­len­de inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit gegen einen Streit­ge­nos­sen

Ist eine Kla­ge gegen meh­re­re ein­fa­che Streit­ge­nos­sen erho­ben wor­den und fehlt es bezüg­lich eines von ihnen an der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te, kann er durch Teil­ur­teil aus dem Pro­zess ent­las­sen wer­den.

Die feh­len­de inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit gegen einen Streit­ge­nos­sen

Gemäß § 301 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat das Gericht die End­ent­schei­dung durch Teil­ur­teil zu erlas­sen, wenn von meh­re­ren in einer Kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­chen nur der eine oder nur ein Teil eines Anspruchs zur End­ent­schei­dung reif ist. § 301 ZPO dient der Beschleu­ni­gung, soll aber auch die Ein­heit­lich­keit und Wider­spruchs­frei­heit der Ent­schei­dung in ein und dem­sel­ben Rechts­streit gewähr­leis­ten [1].

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs darf ein Teil­ur­teil nur erge­hen, wenn die Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen ist; dabei ist auch die Mög­lich­keit einer abwei­chen­den Ent­schei­dung durch ein Rechts­mit­tel­ge­richt zu berück­sich­ti­gen [2]. Eine sol­che Gefahr besteht in der Regel bei einer Mehr­heit selb­stän­di­ger pro­zes­sua­ler Ansprü­che, wenn zwi­schen ihnen eine mate­ri­ell­recht­li­che Ver­zah­nung besteht oder die Ansprü­che pro­zes­su­al in ein Abhän­gig­keits­ver­hält­nis gestellt sind [3]. Eine mate­ri­ell­recht­li­che Ver­zah­nung kann bei sub­jek­ti­ver Kla­ge­häu­fung, aber auch bei objek­ti­ver Häu­fung inhalt­lich zusam­men­hän­gen­der Anträ­ge auf­tre­ten [4].

Ein Teil­ur­teil über die Kla­ge gegen einen von meh­re­ren ein­fa­chen Streit­ge­nos­sen ist daher in der Regel unzu­läs­sig, wenn die Mög­lich­keit besteht, dass es in dem­sel­ben Rechts­streit, auch im Instan­zen­zug, zu ein­an­der wider­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen kommt. Über ein Pro­zess­rechts­ver­hält­nis darf des­halb nicht vor­ab durch Teil­ur­teil ent­schie­den wer­den, wenn eine gemein­sa­me Beweis­auf­nah­me in Betracht kommt [5].

Zwar muss gegen­über ein­fa­chen Streit­ge­nos­sen grund­sätz­lich kei­ne ein­heit­li­che Ent­schei­dung getrof­fen wer­den. Eine Teil­ent­schei­dung ist aber nur zuläs­sig, wenn sie unab­hän­gig von der Ent­schei­dung über den rest­li­chen Ver­fah­rens­ge­gen­stand ist [6].

Eine mate­ri­ell­recht­li­che Ver­zah­nung, die einem Teil­ur­teil ent­ge­gen­ste­hen kann, kommt bei der Kla­ge gegen Ver­si­che­rungs­neh­mer und Haft­pflicht­ver­si­che­rer, die im Ver­hält­nis unter­ein­an­der ein­fa­che Streit­ge­nos­sen sind [7], regel­mä­ßig dann in Betracht, wenn um den Haf­tungs­grund gestrit­ten wird. Eine sol­che Ver­zah­nung hin­dert nicht stets den Erlass eines Teil­ur­teils, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn die Kla­ge wegen feh­len­der inter­na­tio­na­ler Zustän­dig­keit nicht gegen alle Streit­ge­nos­sen zuläs­sig ist. Dann besteht in aller Regel ein recht­lich anzus Bedürf­nis, den Streit­ge­nos­sen, bezüg­lich des­sen die Kla­ge bereits unzu­läs­sig ist, durch Teil­ur­teil aus dem Pro­zess zu ent­las­sen [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Febru­ar 2015 – VI ZR 279/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 12.01.1999 – VI ZR 77/​98, VersR 1999, 734 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, BGHZ 189, 79 Rn. 15; BGH, Urtei­le vom 17.01.2012 – X ZR 59/​11, BGHZ 193, 60 Rn. 8; vom 07.11.2006 – X ZR 149/​04, MDR 2007, 539; Beschluss vom 07.07.2010 – XII ZR 158/​09, ZIP 2010, 2410 Rn. 13[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, BGHZ 189, 79 Rn. 16[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 28.11.2003 – V ZR 123/​03, BGHZ 157, 133, 143[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.01.2012 – X ZR 59/​11, BGHZ 193, 60 Rn. 8; vom 19.12 2002 – VII ZR 176/​02, ZIP 2003, 594 f.[]
  6. BGH, Urteil vom 13.10.2008 – II ZR 112/​07, NJW 2009, 230 Rn. 8[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 10.07.1974 – IV ZR 212/​72, BGHZ 63, 51, 52 ff.[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 27.09.2013 – V ZR 232/​10, ZOV 2014, 16 Rn. 2, 8 ff.; Dress­ler in Beck­OK ZPO, § 61 Rn. 11 [Stand 1.01.2013]; Ren­sen in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl. § 301 Rn. 31[]