Die frei erfun­de­ne Vor­ver­mie­ter­be­schei­ni­gung

Die Vor­la­ge einer "frei erfun­de­nen" Vor­ver­mie­ter­be­schei­ni­gung stellt eine erheb­li­che Ver­let­zung (vor)vertraglicher Pflich­ten dar, die eine Ver­trags­fort­set­zung für den Ver­mie­ter unzu­mut­bar machen und somit eine frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­ti­gen kann.

Die frei erfun­de­ne Vor­ver­mie­ter­be­schei­ni­gung

Eine Pflicht­ver­let­zung ent­fällt nicht des­we­gen, weil die in dem For­mu­lar über das vor­an­ge­gan­ge­ne Miet­ver­hält­nis gestell­ten Fra­gen unzu­läs­sig gewe­sen wären und es dem Beklag­ten des­halb frei­ge­stan­den hät­te, inso­weit unwah­re Anga­ben zu machen. Fra­gen nach der Per­son und Anschrift des Vor­ver­mie­ters, der Dau­er des vor­an­ge­gan­ge­nen Miet­ver­hält­nis­ses und der Erfül­lung der miet­ver­trag­li­chen Pflich­ten sind – eben­so wie Fra­gen nach den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen – grund­sätz­lich geeig­net, sich über die Boni­tät und Zuver­läs­sig­keit des poten­ti­el­len Mie­ters ein gewis­ses Bild zu machen; es han­delt sich auch nicht um Fra­gen, die den per­sön­li­chen oder inti­men Lebens­be­reich des Mie­ters betref­fen und aus die­sem Grund unzu­läs­sig sein könn­ten.

Zwar hat der Mie­ter nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 kei­nen Anspruch gegen sei­nen bis­he­ri­gen Ver­mie­ter auf Aus­stel­lung einer Miet­schul­den­frei­heits­be­schei­ni­gung. Dies führt aber nicht dazu, dass der neue Ver­mie­ter vor Abschluss eines Miet­ver­tra­ges eine dies­be­züg­li­che Beschei­ni­gung vom Miet­in­ter­es­sen­ten nicht erbit­ten und die­ser eine sol­che Beschei­ni­gung fäl­schen dürf­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. April 2014 – VIII ZR 107/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 30.09.2009 – VIII ZR 238/​08, NJW 2010, 1135 Rn. 18 ff.[]