Die Insol­venz des Gewer­be­raum­mie­ters – und der nicht insol­ven­te Mit­mie­ter

In der Insol­venz des Gewer­be­raum­mie­ters wirkt das Son­der­kün­di­gungs­recht des Insol­venz­ver­wal­ters auch gegen­über dem nicht insol­ven­tem Mit­mie­ter.

Die Insol­venz des Gewer­be­raum­mie­ters – und der nicht insol­ven­te Mit­mie­ter

Nach den Grund­sät­zen der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung been­det die auf einem insol­venz­recht­li­chen Son­der­kün­di­gungs­recht des Insol­venz­ver­wal­ters beru­hen­de Kün­di­gung das Miet­ver­hält­nis ins­ge­samt mit Wir­kung für und gegen sämt­li­che Betei­lig­te [1]. Die­se Auf­fas­sung wird in der Lite­ra­tur teil­wei­se eben­falls ver­tre­ten [2], teil­wei­se aber auch mit der Begrün­dung kri­ti­siert, § 109 InsO siche­re nur die Inter­es­sen der Mas­se – wofür es aus­rei­che, allein die Mas­se aus dem Miet­ver­hält­nis zu ent­las­sen [3]. Teil­wei­se wird das Miet­ver­hält­nis im Ver­hält­nis zu sämt­li­chen Betei­lig­ten nur dann als been­det ange­se­hen, wenn der wei­te­re Mie­ter nur die Mit­haf­tung für die durch den Mie­ter ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen hat über­neh­men, nicht aber gleich­be­rech­tig­ter Mie­ter hat sein sol­len [4].

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg sieht vor­lie­gend kei­nen Anlass, von der zu § 19 KO ergan­ge­nen ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung abzu­wei­chen und schließt sich ihr an. Zwar ist nicht zu ver­ken­nen, dass das Son­der­kün­di­gungs­recht aus § 109 Abs. 1 InsO dem Schutz der Mas­se dient. Dies zwingt aber nicht zu einer Betrach­tungs­wei­se, die allein die­sen Schutz­zweck im Blick hat. Eben­so wie unter Gel­tung der Vor­gän­ger­vor­schrift des § 19 KO ist näm­lich zu beach­ten, dass beson­de­re Bedeu­tung der Ein­heit­lich­keit des Miet­ver­hält­nis­ses zukommt, und dass die ver­trag­lich geschul­de­te Gebrauchs­über­las­sung der Miet­sa­che unteil­bar ist. Eben­so wie nach dem Bei­tritt des Beklag­ten zum Miet­ver­trag dem Insol­venz­schuld­ner und dem Beklag­ten der Gebrauch der Miet­flä­che zur Berufs­aus­übung nur ein­heit­lich hat gewährt wer­den kön­nen, konn­te das Miet­ver­hält­nis nur ein­heit­lich been­det wer­den. Eine Teil­kün­di­gung wäre unzu­läs­sig gewe­sen [5]. Die auf einer abwei­chen­den Beur­tei­lung der gege­be­nen Kon­stel­la­ti­on in der Lite­ra­tur fußen­den Angrif­fe der Beru­fung hält das Beru­fungs­ge­richt aus den aus­führ­li­chen und zutref­fen­den Grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung, auf die der Senat Bezug nimmt, für nicht durch­grei­fend.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 29. März 2012 – 8 U 78/​11

  1. s. zu der Kün­di­gung nach § 19 Satz 1 KO OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1987, 1369; OLG Cel­le, NJW 1974, 2012; RGZ 141, 391, 392[]
  2. s. Frank­fur­ter Kom­men­tar zur InsO/​Wegener, 6. Auf­la­ge 2011, § 109 Rn. 17; Mün­che­ner Kom­men­tar zum BGB-Byd­lin­ski, 5. Auf­la­ge 2007, § 425 Rn. 7; Braun/​Kroth, InsO, 4. Auf­la­ge 2010, § 109 Rn. 24; Ham­bur­ger Kom­men­tar zur InsO – Ahrend, 3. Auf­la­ge 2009, § 109 Rn.19[]
  3. Wolf/​Eckert/​Ball, Hand­buch des gewerb­li­chen Miet‑, Pacht- und Lea­sing­rechts, 10. Auf­la­ge 2009, Rn. 1589; Mün­che­ner Kom­men­tar zur InsO – Eckert, 2. Auf­la­ge 2007, § 109 Rn. 37 ff. mwN[]
  4. Lind­ner-Figu­ra/O­prée/Stell­mann, Geschäfts­raum­mie­te, 2. Auf­la­ge 2008, Kapi­tel 20 Rn. 68 ff. mwN[]
  5. s. nur Blank in Schmidt-Fut­te­rer, Miet­recht, 10. Auf­la­ge 2011, § 542 Rn. 87 mwN[]