Hof­er­ben und die Geschwis­ter

Geschwis­ter von Hof­er­ben müs­sen nicht immer leer aus­ge­hen, wie eine aktu­el­le Ent­schei­dung des Land­wirt­schafts­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg zeigt, der jetzt hat ent­schie­den, dass Pacht- und Nut­zungs­ent­gel­te, die ein Hof­er­be für Wind­ener­gie­an­la­gen auf sei­nem Grund­stück erzielt, nach­ab­fin­dungs­pflich­tig sind.

Hof­er­ben und die Geschwis­ter

Das OLG hat­te über einen Fall zu ent­schei­den, in dem eine Antrag­stel­le­rin von ihrer Schwes­ter, die Hof­er­bin nach dem Tod des gemein­sa­men Vaters gewor­den war, eine Nach­ab­fin­dung von rund 98.000,- € ver­lang­te. Die Hof­er­bin hat­te im Jahr 2001 eine Teil­flä­che des geerb­ten Hofes für die Errich­tung von Wind­ener­gie­an­la­gen gegen ein erheb­li­ches jähr­li­ches Ent­gelt einer Wind­ener­gie-Gesell­schaft für eine Lauf­zeit bis Ende 2026 zur Ver­fü­gung gestellt. Die Antrag­stel­le­rin hielt die Ein­nah­men der Schwes­ter hier-aus für nach­ab­fin­dungs­pflich­tig. Der Land­wirt­schafts­se­nat des OLG gab ihr dem Grun­de nach Recht.

Recht­li­cher Hin­ter­grund des Fal­les ist fol­gen­der: Nach der vor allem in Nord­deutsch­land gel­ten­den Höfe­ord­nung (HöfeO) wird ein Hof „geschlos­sen“, d.h. unge­teilt an einen Hof­er­ben ver­erbt. Die wei­chen­den Erben, meist die Geschwis­ter des Erb­las­sers, bekom­men nur eine ver­gleichs­wei­se gerin­ge, am Ein­heits­wert ori­en­tier­te Abfin­dung und ste­hen wesent­lich schlech­ter da als bei einer Ver­er­bung nach all­ge­mei­nem Recht.

Mit die­ser Rege­lung der HöfeO sol­len leis­tungs­fä­hi­ge, unge­teil­te land­wirt­schaft­li­che Be-trie­be erhal­ten und der Hof­er­be vor hohen Abfin­dun­gen, die den Bestand des Betrie­bes beein­träch­ti­gen könn­ten, geschützt wer­den. Zum Aus­gleich bestimmt § 13 HöfeO, dass der Hof­er­be bei einer Ver­äu­ße­rung des Hofes inner­halb von zwan­zig Jah­ren die wei­chen-den Erben am erziel­ten Erlös betei­li­gen und nach all­ge­mei­nem Erbrecht abfin­den muss. In die­sen Fäl­len kann der höfe­recht­li­che Zweck, einen leis­tungs­fä­hi­gen Betrieb zu erhal­ten, nicht erreicht wer­den. Es kommt dann zu erheb­li­chen Nach­zah­lun­gen an die wei­chen­den Erben und auch an Pflicht­teils­be­rech­tig­te. Der Ver­äu­ße­rung des Hofes steht es gleich, wenn der Hof oder Tei­le davon „auf ande­re Wei­se als land­wirt­schaft­lich“ genutzt wer­den.

Die­se letz­te Vor­aus­set­zung ist nach der noch nicht rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung des Land­wirt­schafts­se­na­tes auch dann erfüllt, wenn der Hof­er­be sei­ne Flä­chen zum Bau von Wind­ener­gie­an­la­gen zur Ver­fü­gung stellt und dar­aus Ein­nah­men erzielt. Als Fol­ge muss er die wei­chen­den Erben an die­sen lau­fen­den Ein­nah­men ent­spre­chend ihrer Erb­quo­te betei­li­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg Beschluss vom 15. August 2008 – 10 W 2/​08