Frei­stel­lung von steu­er­li­chen Nach­tei­len – und die Wahr­schein­lich­keit ihres Ein­tritts

Die gericht­li­che Fest­stel­lung einer Ver­pflich­tung zur Frei­stel­lung des Anle­gers von steu­er­li­chen Nach­tei­len ist unzu­läs­sig, wenn der Anle­ger die Wahr­schein­lich­keit des Ein­tritts steu­er­li­cher Nach­tei­le nicht nach­voll­zieh­bar vor­ge­tra­gen hat.

Frei­stel­lung von steu­er­li­chen Nach­tei­len – und die Wahr­schein­lich­keit ihres Ein­tritts

Die Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht setzt die Mög­lich­keit des Scha­den­ein­tritts vor­aus. Bei rei­nen Ver­mö­gens­schä­den, die vor­lie­gend in Rede ste­hen, hängt die Zuläs­sig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge von der hin­rei­chen­den Wahr­schein­lich­keit eines auf die Ver­let­zungs­hand­lung zurück­ge­hen­den Scha­den­ein­tritts ab 1.

Gegen­stand des Fest­stel­lungs­be­geh­rens kön­nen nur sol­che steu­er­li­chen Nach­tei­le sein, die nicht aus der Ein­kom­mens­be­steue­rung der Ersatz­leis­tun­gen resul­tie­ren. Denn die­se Nach­tei­le sind bereits bei der Bemes­sung der Ersatz­leis­tun­gen auf­grund pau­scha­li­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se der steu­er­li­chen Vor- und Nach­tei­le im Rah­men der Vor­teils­aus­glei­chung zu berück­sich­ti­gen 2.

Zu dar­über hin­aus­ge­hen­den steu­er­li­chen Nach­tei­len hat der Anle­ger im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall aber nichts vor­ge­tra­gen. Sein Vor­brin­gen beschränkt sich auf die­se all­ge­mei­ne Behaup­tung, ohne auch nur ansatz­wei­se dar­zu­le­gen, dass sol­che wei­te­ren steu­er­li­chen Schä­den im kon­kre­ten Fall wahr­schein­lich sei­en. Auch soweit der Anle­ger vor­ge­tra­gen hat, es bestün­den steu­er­li­che Risi­ken im Hin­blick auf einen ent­gan­ge­nen Gewinn oder eine Nut­zungs­her­aus­ga­be, feh­len jeg­li­che Aus­füh­run­gen dazu, dass und war­um die­ser Umstand wahr­schein­lich zu steu­er­li­chen Nach­tei­len füh­ren wer­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2016 – XI ZR 254/​15

  1. BGH, Urtei­le vom 24.01.2006 – XI ZR 384/​03, BGHZ 166, 84 Rn. 27 mwN; vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 73; und vom 15.03.2016 – XI ZR 122/​14, WM 2016, 780 Rn. 43[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 01.03.2011 – XI ZR 96/​09, WM 2011, 740 Rn. 8 f.; vom 04.02.2014 – XI ZR 398/​12, BKR 2014, 200 Rn. 23 mwN; und vom 15.03.2016 – XI ZR 122/​14, WM 2016, 780 Rn. 44 ff.[]