Frist­fa­xe und die Fris­ten­kon­trol­le

Zur Aus­gangs­kon­trol­le fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze bei Anwei­sung einer Über­sen­dung per Tele­fax hat sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof geäu­ßert. Dabei zeigt sich, dass zuviel Kon­trol­le des Fax­ver­sands – etwa durch Hin­ter­her­telo­fo­nie­ren, ob das Fax auch ange­kom­men ist – manch­mal auch nicht gut ist:

Frist­fa­xe und die Fris­ten­kon­trol­le

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs genügt ein Rechts­an­walt sei­ner Pflicht zur wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze regel­mä­ßig nur dann, wenn er sei­ne Ange­stell­ten anweist, nach einer Über­mitt­lung per Tele­fax anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen, ob die Über­mitt­lung voll­stän­dig und an den rich­ti­gen Emp­fän­ger erfolgt ist und erst danach die Frist im Fris­ten­ka­len­der zu strei­chen [1].

Dage­gen genügt die all­ge­mei­ne Wei­sung, die Frist erst nach tele­fo­ni­scher Rück­fra­ge bei dem Emp­fän­ger und Fer­ti­gung eines ent­spre­chen­den Ver­merks zu strei­chen, nicht den Anfor­de­run­gen an eine wirk­sa­me Aus­gangs­kon­trol­le. Die­se Anwei­sung ent­hält für den Fall, dass der Schrift­satz, wie hier, am letz­ten Tag der Frist nach Dienst­schluss dem Gericht über­mit­telt wer­den soll und eine tele­fo­ni­sche Bestä­ti­gung durch den Emp­fän­ger nicht mehr erfol­gen kann, kei­ne aus­rei­chen­den Vor­keh­run­gen zur Ver­mei­dung einer Frist­ver­säu­mung. Eine wirk­sa­me Aus­gangs­kon­trol­le kann in die­sem Fall nur durch den Aus­druck und die Über­prü­fung des Sen­de­pro­to­kolls erfol­gen. Aus den Beschlüs­sen des Bun­des­ge­richts­hofs vom 24. Janu­ar 1996 [2] und vom 2. Juli 2001 [3] ergibt sich nichts ande­res. In den dort ent­schie­de­nen Fäl­len bestan­den in den Büros der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten die all­ge­mei­nen Anwei­sun­gen, dass bei der Über­sen­dung fris­t­wah­ren­der Schrift­stü­cke per Tele­fax Fris­ten erst gelöscht wer­den durf­ten, wenn eine tele­fo­ni­sche Ein­gangs­be­stä­ti­gung des Adres­sa­ten vor­lie­ge. Der Fall, dass eine tele­fo­ni­sche Rück­fra­ge beim Emp­fän­ger vor Frist­ab­lauf auf­grund des­sen Geschäfts­zeit nicht mehr mög­lich war, lag jeweils nicht vor.

Eine all­ge­mei­ne Kanz­lei­an­wei­sung im Büro der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Antrags­geg­ne­rin, die Über­sen­dung des Schrift­sat­zes in sol­chen Fäl­len anhand des Aus­drucks und einer Kon­trol­le des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen und erst dann die Frist zu strei­chen, oder eine ent­spre­chen­de Ein­zel­an­wei­sung bestand nicht.

Dabei stellt sich auch nicht die grund­sätz­li­che Fra­ge, ob und inwie­weit ein Rechts­an­walt, der sei­nen Büro­be­trieb nach dem Qua­li­täts­ma­nage­ments­sys­tem DIN EN ISO 9001: 2008 orga­ni­siert hat, auf die Rich­tig­keit der dor­ti­gen Anwei­sun­gen ver­trau­en darf. Denn es liegt auf der Hand, dass ein Rechts­an­walt für die ord­nungs­ge­mä­ße Orga­ni­sa­ti­on sei­ner Kanz­lei selbst ver­ant­wort­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2010 – XII ZB 117/​10

  1. BGH, Beschlüs­se vom 14.05.2008 – XII ZB 34/​07, FamRZ 2008, 1515; vom 18.07.2007 – XII ZB 32/​07, FamRZ 2007, 1722, 1723; vom 10.05.2006 – XII ZB 267/​04, FamRZ 2006, 1104, 1105; vom 20. Juli 2005 – XII ZB 68/​05, FamRZ 2005, 1534; vom 13.02.2007 – VI ZB 70/​06, NJW 2007, 1690; und vom 22. Juni 2004 – VI ZB 14/​04, VersR 2005, 573[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.01.1996 – XII ZB 4/​96, FamRZ 1996, 1003[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.07.2001 – II ZB 28/​00, NJW-RR 2002, 60[]