Gesamt­schuld­ner – und die Haf­tung im Innen­ver­hält­nis

Ist ein Gesamt­schuld­ner aus Gefähr­dungs­haf­tung zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, gilt der Grund­satz, dass im Innen­ver­hält­nis Gesamt­schuld­ner zu glei­chen Tei­len haf­ten, nicht. Der­je­ni­ge, der wegen erwie­se­nen Ver­schul­dens haf­tet, soll im Innen­ver­hält­nis gegen­über dem­je­ni­gen, der nur aus Gefähr­dung haf­tet, den gan­zen Scha­den tra­gen.

Gesamt­schuld­ner – und die Haf­tung im Innen­ver­hält­nis

So das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, die aus über­ge­gan­ge­nem Recht den Beklag­ten wegen der Fol­gen eines Unfal­les auf Gesamt­schuld­ner­aus­gleich in Anspruch genom­men hat. Die Klä­ge­rin hat mit ihrer vor dem Land­ge­richt Koblenz erho­be­nen Kla­ge fest­ge­stellt wis­sen wol­len, dass der Beklag­te im Innen­ver­hält­nis der Gesamt­schuld­ner in Höhe von min­des­tens 50 % haf­te. Die­ses Begeh­ren hat vor dem Land­ge­richt Koblenz kei­nen Erfolg gehabt und das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz hat nun die Ent­schei­dung bestä­tigt.

Wäh­rend eines Reit­tur­niers hat sich ein Unfall ereig­net, der bereits Gegen­stand eines vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zes­ses war. In jenem Vor­pro­zess war fest­ge­stellt wor­den, dass sich das Pferd des Beklag­ten wäh­rend eines Tur­niers nachts aus sei­ner Box befreit und sodann in der Stall­gas­se frei bewegt hat­te, wor­auf das Pferd eines ande­ren Tur­nier­teil­neh­mers wegen der ent­stan­de­nen Unru­he über die Boxen­wand gestie­gen war und sich ver­letzt hat­te. Die Pfer­de hat­ten in mobi­len Boxen gestan­den, die von der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin der hie­si­gen Klä­ge­rin gelie­fert und auf­ge­stellt wor­den waren. Im Vor­pro­zess war das Gericht zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass die Lie­fe­ran­tin der Boxen und der hie­si­ge Beklag­te dem Eigen­tü­mer des ver­letz­ten Pfer­des gesamt­schuld­ne­risch zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet sind. Die Lie­fe­ran­tin der Boxen haf­te, weil die Kon­struk­ti­on der Boxen man­gel­haft gewe­sen sei und damit eine Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht vor­lie­ge. Der hie­si­ge Beklag­te haf­te als Tier­hal­ter, da sein Pferd das Stei­gen des ande­ren Pfer­des aus­ge­löst habe.

Der Eigen­tü­mer des ver­letz­ten Pfer­des hat zwi­schen­zeit­lich Ansprü­che in sechs­stel­li­ger Höhe bei der Klä­ge­rin als Haft­pflicht­ver­si­che­rin der Boxen­lie­fe­ran­tin ange­mel­det. Die Klä­ge­rin hat mit ihrer vor dem Land­ge­richt Koblenz erho­be­nen Kla­ge fest­ge­stellt wis­sen wol­len, dass der Beklag­te im Innen­ver­hält­nis der Gesamt­schuld­ner in Höhe von min­des­tens 50 % haf­te. Nach­dem sie dort mit ihrem Begeh­ren erfolg­los geblie­ben ist [1], hat die Klä­ge­rin ihr Ziel mit der Beru­fung wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass zwar Gesamt­schuld­ner im Regel­fall unter­ein­an­der zu glei­chen Tei­len haf­ten. Wer­de also der eine vom Geschä­dig­ten auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men, schul­de der ande­re ihm den hälf­ti­gen Aus­gleich. Abwei­chen­des gel­te jedoch, wenn ein Gesamt­schuld­ner wegen Ver­schul­dens und der ande­re, wie z.B. hier der Beklag­te als Tier­hal­ter, ledig­lich aus Gefähr­dungs­haf­tung zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet sei. Nach der Wer­tung des Gesetz­ge­bers (§ 840 Abs. 3 BGB) sol­le der­je­ni­ge, der, wie die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin der Klä­ge­rin, wegen erwie­se­nen Ver­schul­dens haf­tet, im Innen­ver­hält­nis zu dem­je­ni­gen, der nur aus Gefähr­dung haf­tet, den gan­zen Scha­den tra­gen. Der Beklag­te schul­de daher der Klä­ge­rin im Innen­ver­hält­nis kei­nen Aus­gleich.

Die Klä­ge­rin hat auf den Hin­weis des Ober­lan­des­ge­richts ihre Beru­fung zurück­ge­nom­men.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 27. Novem­ber 2019 – 8 U 1800/​19

  1. LG Koblenz, Urteil vom 05.09.2019 – 4 O 290/​18[]