Hoch­klet­tern auf der Was­ser­rut­sche

Kommt es durch die Miss­ach­tung von grund­le­gen­den und jeder­mann ein­leuch­ten­den Regeln bei der Benut­zung einer Was­ser­rut­sche zu einem Bade­un­fall, so haf­tet man für die dadurch erlit­te­nen Schä­den eines ande­ren Bade­gas­tes.

Hoch­klet­tern auf der Was­ser­rut­sche

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Besu­chers eines Frei­zeit­ba­des, der im Aus­lauf­be­reich von unten in eine Was­ser­rut­sche geklet­tert ist und damit deren Aus­lauf blo­ckiert hat, so dass es zu einem Unfall gekom­men ist. Der Unfall ereig­ne­te sich in einem Frei­zeit­bad im Land­kreis Neu­wied im Febru­ar 2006. Der Klä­ger nutz­te ord­nungs­ge­mäß eine Was­ser­rut­sche, die so steil ver­lief, dass der Benut­zer nahe­zu im frei­en Fall unten ankam. Das Aus­lauf­be­cken im Kel­ler des Bades war nach bei­den Sei­ten hin durch Absperr­git­ter mit einer Glas­fül­lung gesi­chert. Zudem befand sich am Ende noch ein Dreh­kreuz, das sich bestim­mungs­ge­mäß nur in eine Rich­tung dre­hen ließ und damit ein Betre­ten des Aus­lauf­be­ckens ver­hin­dern soll­te. Die bei­den 38- bzw. 34-jäh­ri­gen Beklag­ten, die das Frei­zeit­bad zum ers­ten Mal besuch­ten, folg­ten einer im Hal­len­bad­be­reich ange­brach­ten Beschil­de­rung mir der Auf­schrift „Schatz­in­sel“ und gelang­ten so in den Raum mit den Aus­lauf­be­cken. Sie stie­gen in das Aus­lauf­be­cken und krab­bel­ten sodann in die Röh­re. Nach ihrem Vor­trag waren sie sich über die Bedeu­tung der Röh­ren nicht im Kla­ren. In die­sem Moment rutsch­te der Klä­ger die Steil­rut­sche hin­un­ter und prall­te mit vol­ler Wucht auf die Beklag­te. Alle Betei­lig­ten ver­letz­ten sich bei dem Vor­fall. Bereits das Land­ge­richt Koblenz stell­te die unein­ge­schränk­te Haf­tung der Beklag­ten fest.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz hät­ten die Beklag­ten bei der Benut­zung der Rut­sche grund­le­gen­de und jeder­mann ein­leuch­ten­de Regeln und Sicher­heits­vor­keh­run­gen miss­ach­tet. Durch das Blo­ckie­ren des Rut­schen­aus­laufs hät­ten sie fahr­läs­sig die Kör­per­ver­let­zung des Klä­gers ver­ur­sacht.

Für die erheb­li­chen und auch dau­er­haf­ten Schä­den am rech­ten Knie hält das Ober­lan­des­ge­richt ein Schmer­zens­geld in Höhe von 5.000,- € für ange­mes­sen. Die Fol­gen des Bruchs des äuße­ren Schien­bein­kop­fes und des Knor­pel­scha­dens füh­ren dau­er­haft zu einer erheb­li­chen Bewe­gungs­be­ein­träch­ti­gung des Klä­gers. Nach noch­ma­li­ger sach­ver­stän­di­ger Begut­ach­tung zu den Ver­let­zungs­fol­gen änder­te das Ober­lan­des­ge­richt in die­sem Punkt die Ent­schei­dung des Land­ge­richts ab, das die Ver­let­zung für fol­gen­los ver­heilt gehal­ten und daher nur ein Schmer­zens­geld von 3.000,- € zuge­spro­chen hat­te.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 21. Juni 2012 – 2 U 271/​11