HWS-Schleu­der­trau­ma – und die Fra­ge der Unfall­ur­säch­lich­keit

Die Unfall­ur­säch­lich­keit einer HWS-Ver­let­zung kann auch auf Zeu­gen­aus­sa­gen gestützt wer­den [1].

HWS-Schleu­der­trau­ma – und die Fra­ge der Unfall­ur­säch­lich­keit

Dies gilt spä­tes­tens seit der Ent­schei­dung des BGH NJW 2013, 3634 umso mehr gilt, als der BGH in die­ser Ent­schei­dung selbst nach Ein­ho­lung eines bio­me­cha­ni­schen und medi­zi­ni­schen Gut­ach­tens gleich­wohl eine rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung von der Unfall­kau­sa­li­tät ent­spre­chen­der Ver­let­zun­gen allein gestützt auf die Basis von Zeu­gen­aus­sa­gen für zuläs­sig, ja sogar not­wen­dig erach­tet.

m übri­gen hält das Amts­ge­richt in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­dem mit einem für die Insas­sen kräf­tig spür­ba­rem Anstoß die Argu­men­ta­ti­on der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft – hier­zu die Beklag­te 2 zäh­lend – für absurd und lebens­fremd. Wären die von der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft gebets­müh­len­ar­tig vor­ge­brach­ten Behaup­tun­gen zutref­fend, gäbe es bei den Unfall­op­fern regel­mä­ßig Aber­tau­sen­de von Simu­lan­ten und über­emp­find­li­chen Mimo­sen, die sich im Inter­es­se eines – bei der­ar­ti­gen Ver­let­zun­gen eher beschei­de­nen – Schmer­zens­gel­des teil­wei­se wochen­lan­gen, anstren­gen­den und schmerz­haf­ten, jeden­falls läs­ti­gen Behand­lun­gen unter­zö­gen. Zutref­fend ist zwar, dass bei der­ar­ti­gen Ver­let­zun­gen übli­cher­wei­se kein durch bild­ge­ben­de Mit­tel dar­stell­ba­rer Befund fest­ge­stellt wer­den kann. Gleich­wohl han­delt es sich aber bei der­ar­ti­gen Ver­let­zun­gen um ein Mas­sen­phä­no­men nach Ver­kehrs­un­fäl­len. Selbst wenn der­ar­ti­ge Ver­let­zun­gen im Bereich der HWS oder Brust­wir­bel­säu­le ohne fest­stell­ba­ren orga­ni­schen Befund ent­ste­hen kön­nen, teil­wei­se auch ver­bun­den mit Belas­tun­gen, wel­che unter übli­chen All­tags­be­las­tun­gen lie­gen, so kommt es ent­schei­dend dar­auf an, dass der­ar­ti­ge Ver­let­zun­gen typisch bei plötz­li­chen, schock­ar­tig sich ereig­nen­den Vor­fäl­len, teil­wei­se angst­be­setzt, auf­tre­ten. Eine hier­mit ver­mut­lich in vie­len Fäl­len bei gerin­gen Geschwin­dig­kei­ten mit­wir­ken­de psy­chi­sche Ver­an­las­sung ist aber dem Schä­di­ger eben­falls zuzu­rech­nen [2].

Amts­ge­richt Mann­heim, Urteil vom 21. Juli 2014 – 10 C 399/​13

  1. so auch LG Mann­heim, Urteil vom 12.09.2013 – 10 S 101/​11[]
  2. ver­glei­che Palandt BGB 73. Auf­la­ge vor §249 Rn. 37 ff[]