Inter­na­tio­na­le Per­sön­lich­keits­ver­let­zun­gen im Inter­net

Inter­net­sei­ten haben nun ein­mal die tech­nisch beding­te Eigen­schaft, bei­na­he über­all auf der Welt abruf­bar zu sein. Doch begrün­det die­se Abruf­bar­keit auch eine Zustän­dig­keit der Gerich­te jedes die­ser Län­der für eine Kla­ge auf Unter­las­sung die­ser Ver­öf­fent­li­chun­gen? Und wel­ches Recht ist für die­sen Unter­las­sungs­an­spruch anwend­bar, das Recht des Ver­öf­fent­li­chungs­staa­tes oder das Recht des Staa­tes, in dem der Abruf erfolg­te (also prak­tisch das Recht jeden Staa­tes)? Die­se Fra­gen hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hofs mit einem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten wei­ter gereicht.

Inter­na­tio­na­le Per­sön­lich­keits­ver­let­zun­gen im Inter­net

In dem beim Bun­des­ge­richt­hof rechts­hän­gi­gen Rechts­streit geht es – wie­der ein­mal um den Mord am dem Schau­spie­ler Wal­ter Sedl­mayr im Jahr 1990. Der Klä­ger wur­de im Jahr 1993 zusam­men mit sei­nem Bru­der wegen Mor­des an dem Schau­spie­ler Wal­ter Sedl­mayr zu einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt. Sein Bru­der wur­de im August 2007 nach 16 Jah­ren auf Bewäh­rung aus der Haft ent­las­sen, der Klä­ger im Janu­ar 2008 eben­falls.

Er ver­langt nun von einem in der Repu­blik Öster­reich geschäfts­an­säs­si­gen Zei­tungs­ver­lag, es zu unter­las­sen, über ihn im Zusam­men­hang mit der Tat unter vol­ler Namens­nen­nung zu berich­ten. Der beklag­te Ver­lag hielt auf sei­ner Inter­net­sei­te bis zum 18. Juni 2007 eine auf den 23. August 1999 datier­te, von einem ande­ren Anbie­ter über­nom­me­ne Mel­dung zum frei­en Abruf durch die Öffent­lich­keit bereit. Dar­in hieß es unter Nen­nung des Vor- und Zuna­mens des Klä­gers wie sei­nes Bru­ders wahr­heits­ge­mäß unter ande­rem, bei­de wen­de­ten sich nun­mehr, neun Jah­re nach dem Mord, mit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ihre Ver­ur­tei­lung wegen der Tat.

Die Kla­ge hat­te vor dem erst­in­stanz­lich zustän­di­gen Land­ge­richt Ham­burg Erfolg [1] und auch die Beru­fung des öster­rei­chi­schen Ver­la­ges wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zurück­ge­wie­sen [2].

Mit der vom Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt der beklag­te Ver­lag sei­nen Antrag auf Abwei­sung der Kla­ge wei­ter. Der Bun­des­ge­richts­hof beschloss nun, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und die Sache dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten vor­zu­le­gen. Im Wege der Vor­ab­ent­schei­dung soll vom Euro­päi­schen Gerichts­hof die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der Gerich­te für Unter­las­sungs­kla­gen gegen Inter­net­ver­öf­fent­li­chun­gen von Anbie­tern geklärt wer­den, die in einem ande­ren Mit­glied­staat nie­der­ge­las­sen sind.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Euro­päi­schen Gerichts­hof fer­ner die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob sich der gel­tend gemach­te Unter­las­sungs­an­spruch gemäß dem Her­kunfts­land­prin­zip der e‑com­mer­ce-Richt­li­nie nach öster­rei­chi­schem Recht rich­tet oder die­ser Anspruch nach deut­schem Recht zu beur­tei­len ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2009 – VI ZR 217/​08

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 18.01.2008 – 324 O 548/​07[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 29.07.2008 – 7 U 22/​08[]