Kei­ne zusätz­li­chen Anwalts­kos­ten in der Voll­stre­ckungs­er­in­ne­rung

Für die Erin­ne­rung gegen Voll­stre­ckungs­maß­nah­men fällt nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs für den die Voll­stre­ckung betrei­ben­den Rechts­an­walts kei­ne geson­der­te Gebühr nach RVG VV Nr. 3500 an.

Kei­ne zusätz­li­chen Anwalts­kos­ten in der Voll­stre­ckungs­er­in­ne­rung

Der Bun­des­ge­richts­hof 1 hat unter der Gel­tung von § 57 Abs. 1 Satz 1 BRAGO ent­schie­den, dass in der Zwangs­voll­stre­ckung durch die 3/10-Gebühr die gesam­te Tätig­keit des Rechts­an­walts abge­gol­ten wird, sofern sie die­sel­be Ange­le­gen­heit betrifft. In der Zwangs­voll­stre­ckung gilt jede Voll­stre­ckungs­maß­nah­me zusam­men mit den durch sie vor­be­rei­te­ten Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen bis zur Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers als eine Ange­le­gen­heit. Zu der jewei­li­gen Voll­stre­ckungs­maß­nah­me gehört auf Sei­ten des Schuld­ners die Erin­ne­rung, mit der er sich gegen die Art und Wei­se der Zwangs­voll­stre­ckung wen­det.

Der Gesetz­ge­ber hat in Art. 20 des hier maß­ge­ben­den Zwei­ten Jus­tiz­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes 2 das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz in § 19 Abs. 2 dahin­ge­hend geän­dert, dass als Nr. 2 ein­ge­fügt wur­de: "… die Erin­ne­rung nach § 766 der Zivil­pro­zess­ord­nung …,". Er hat dies damit begrün­det 3, dass die Tätig­keit im Ver­fah­ren über die Erin­ne­rung nach § 766 ZPO zum Rechts­zug gehö­re und kei­ne beson­de­re Gebühr aus­lö­se. Dies sei im Ent­wurf des Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes vom 5. Mai 2005 aus­weis­lich der Begrün­dung zu Art. 3 Nr. 3500 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses zum RVG 4 nicht bedacht wor­den. Daher sol­le nun­mehr aus­drück­lich gere­gelt wer­den, dass die Voll­stre­ckungs­er­in­ne­rung zur Voll­stre­ckungs­an­ge­le­gen­heit gehö­re.

Auf der Basis die­ses ein­deu­ti­gen gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens kommt ein ande­res Ver­ständ­nis der Vor­schrift nicht in Betracht. Die Lite­ra­tur 5 geht daher zu Recht davon aus, dass es bei Erin­ne­run­gen gegen eine Voll­stre­ckungs­maß­nah­me des Rechts­pfle­gers oder Gerichts­voll­zie­hers bei einer Ange­le­gen­heit der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me ver­bleibt. Der Wort­laut der §§ 15, 18, 19 RVG steht, so der BGH in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den wei­ter, einer Aus­le­gung der Vor­schrift mit die­sem Inhalt nicht ent­ge­gen. § 19 Abs. 2 Nr. 2 RVG stellt viel­mehr klar, dass die Erin­ne­rung zu den Voll­stre­ckungs­maß­nah­men nach § 18 Nr. 3 und 4 RVG gehört und § 18 Nr. 5 RVG inso­weit nicht anwend­bar ist.

Die Gläu­bi­ge­rin kann daher für das Erin­ne­rungs­ver­fah­ren kei­ne Gebühr nach RVG VV Nr. 3500 ver­lan­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Janu­ar 2010 – VII ZB 74/​09

  1. BGH, Beschluss vom 24.09.2004 – IXa ZB 115/​04, NJW-RR 2005, 78 = Rpfle­ger 2005, 53[]
  2. vom 22. Dezem­ber 2006, BGBl. I 2006, 3614[]
  3. BR-Drs. 550/​06 S. 118[]
  4. BT-Drs. 15/​1971, S. 218[]
  5. Gerol­d/­Schmidt-Mül­ler-Rabe, RVG, 18. Aufl., VV 3309, Rdn. 61 und VV 3500 Rdn. 15; Bischof in Bischof, RVG, 3. Aufl., § 19 Rdn. 70a; Han­sens, RVG Report 2009, 128 f.; a.A. ohne Begrün­dung, Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 30. Aufl., RVG, § 19 Rdn. 51 und 53[]