Kon­klu­den­te Last­schrift­ge­neh­mi­gung

Zur Fra­ge der kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung einer Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­last­schrift muss­te der Bun­des­ge­richth­s­of erneut 1 Stel­lung neh­men: Jeden­falls im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr kann die Tat­sa­che, dass ein Kon­to­in­ha­ber nicht ein­ge­lös­te Last­schrif­ten durch kon­kre­te, nach­träg­li­che Über­wei­sun­gen aus­gleicht, im Ein­zel­fall für eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung zuvor gebuch­ter Last­schrif­ten spre­chen, durch deren Wider­ruf er sich auf leich­te­rem Weg hät­te Liqui­di­tät ver­schaf­fen kön­nen.

Kon­klu­den­te Last­schrift­ge­neh­mi­gung

Gleich­zei­tig erteilt der Bun­des­ge­richts­hof der Auf­fas­sung eine Absa­ge, wonach einem Ver­hal­ten des Kon­to­in­ha­bers kön­ne vor Ablauf von sechs Wochen nach Mit­tei­lung eines Rech­nungs­ab­schlus­ses der Erklä­rungs­wert einer Geneh­mi­gung nicht zukom­men, da die­se wegen Nr. 7 Abs. 4 Satz 2 Bank-AGB nur nach Ablauf die­ser Frist fin­giert wer­den kön­ne. Die­se Auf­fas­sung ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs mit dem Wort­laut die­ser Klau­sel nicht zu ver­ein­ba­ren. Danach gilt die Geneh­mi­gung "spä­tes­tens" als erteilt, wenn der Kun­de inner­halb der genann­ten Frist von sechs Wochen kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben hat. Die Rege­lung lässt die Mög­lich­keit einer frü­he­ren Geneh­mi­gung der Last­schrift durch den Schuld­ner zu, ohne dabei zwi­schen aus­drück­li­cher und kon­klu­den­ter Geneh­mi­gung zu unter­schei­den.

Der von der gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung ange­nom­me­ne Aus­schluss einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung berück­sich­tigt zudem nicht den von Nr. 7 Abs. 4 Bank-AGB ver­folg­ten Rege­lungs­zweck, mög­lichst früh­zei­tig den end­gül­ti­gen Bestand von Last­schrif­ten zu klä­ren. Dem wür­de es wider­spre­chen, ein Ver­hal­ten des Kon­to­in­ha­bers, mit dem die­ser erkenn­bar den Bestand einer Last­schrift­bu­chung bestä­tigt, vor Ablauf von sechs Wochen seit Mit­tei­lung des ent­spre­chen­den Rech­nungs­ab­schlus­ses nicht als kon­klu­den­te Geneh­mi­gung der Last­schrift anzu­se­hen. Last­schrift­bu­chun­gen kön­nen viel­mehr ohne Wei­te­res durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten auch vor die­sem Zeit­punkt geneh­migt wer­den 2.

Dem ent­spricht Nr. 7 Abs. 4 Satz 1 AGB, wonach der Kun­de Ein­wen­dun­gen gegen Belas­tungs­bu­chun­gen auf­grund von Last­schrif­ten nicht erst am Ende der sechs­wö­chi­gen Frist, son­dern "unver­züg­lich" zu erhe­ben hat. Eben­so ist der Kon­to­in­ha­ber nach Nr. 20 Abs. 1 Buchst. g AGB all­ge­mein gehal­ten, Ein­wen­dun­gen gegen Last­schrif­ten "unver­züg­lich" gel­tend zu machen. Bei sys­te­ma­ti­schem Ver­ständ­nis die­ser Klau­seln besteht nicht nur kein Wider­spruch zu der Rege­lung in Nr. 7 Abs. 4 Satz 2 AGB. Die genann­ten Klau­seln gehen viel­mehr über­ein­stim­mend davon aus, dass der Kon­to­in­ha­ber bereits vor Ablauf der eine Geneh­mi­gungs­fik­ti­on aus­lö­sen­den Frist nicht nur Ein­wen­dun­gen gegen die auf Last­schrif­ten beru­hen­den Buchun­gen unver­züg­lich zu erhe­ben hat, son­dern die­se Last­schrif­ten – auch kon­klu­dent – geneh­mi­gen kann.

Schließ­lich stüt­zen Nr. 7 Abs. 4 Satz 1 und Nr. 20 Abs. 1 Buchst. g, Abs. 2 AGB nicht die wei­te­re Annah­me, die AGB knüpf­ten an die Tat­sa­che, dass der Kon­to­in­ha­ber vor Ablauf der Sechs­wo­chen­frist Ein­wen­dun­gen gegen Belas­tungs­bu­chun­gen nicht erhebt, aus­schließ­lich die Rechts­fol­ge eines Scha­dens­er­satz­an­spru­ches. Zwar ord­net Nr. 20 Abs. 2 AGB nach schuld­haf­ter Ver­let­zung von Sorg­falts­pflich­ten, zu denen auch die Pflicht zur unver­züg­li­chen Bean­stan­dung unbe­rech­tig­ter Last­schrif­ten gehört (Nr. 20 Abs. 1 Buchst. g AGB), eine Haf­tung des Bank­kun­den für dadurch ent­stan­de­ne Schä­den an. Einen Anhalt dafür, dass damit zugleich die Mög­lich­keit einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung sol­cher Last­schrif­ten aus­ge­schlos­sen sein soll, ent­hält die­se Klau­sel jedoch nicht. Das gilt umso mehr für Nr. 7 Abs. 4 AGB, der eine aus­drück­li­che Rege­lung zur Haf­tung des Kon­to­in­ha­bers auf Scha­dens­er­satz nicht ent­hält. Auch die­se Klau­sel steht mit­hin einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung von Last­schrif­ten durch den Kon­to­in­ha­ber nicht ent­ge­gen.

Damit kön­nen weder der Kon­to­in­ha­ber noch das kon­to­füh­ren­de Kre­dit­in­sti­tut davon aus­ge­hen, das Ver­hal­ten des Kon­to­in­ha­bers wer­de vor Ablauf der Sechs­wo­chen­frist kei­ne den Bestand der Last­schrift betref­fen­den Rechts­fol­gen aus­lö­sen 3.

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall betref­fen sämt­li­che strei­ti­ge Last­schrif­ten regel­mä­ßi­ge, schon seit Jah­ren bestehen­de Ver­bind­lich­kei­ten der Schuld­ne­rin, die bereits seit meh­re­ren Jah­ren zu den glei­chen Ter­mi­nen ein­ge­zo­gen wur­den. Die Schuld­ne­rin hat in der Ver­gan­gen­heit kei­ner die­ser Last­schrif­ten wider­spro­chen. Danach sind die strei­ti­gen Last­schrif­ten von der Schuld­ne­rin durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten geneh­migt wor­den. Jeden­falls im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr, in dem Last­schrift­bu­chun­gen von dem Kon­to­in­ha­ber im All­ge­mei­nen zeit­nah nach­voll­zo­gen wer­den, besteht bei regel­mä­ßi­gen Last­schrif­ten aus lau­fen­den Geschäfts­be­zie­hun­gen, denen der Schuld­ner nie­mals wider­spro­chen hat, mit des­sen Kennt­nis von einem neu­en in der Höhe nicht wesent­lich abwei­chen­den Last­schrift­ein­zug nach einer ange­mes­se­nen Über­le­gungs­frist bei der kon­to­füh­ren­den Bank die berech­tig­te Erwar­tung, auch die­se Belas­tungs­bu­chung sol­le Bestand haben 4.

Zudem hat die Schuld­ne­rin nach Kennt­nis von den streit­ge­gen­ständ­li­chen Last­schrift­bu­chun­gen und vor Erklä­rung des Wider­spruchs durch den vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter drei wei­te­re, man­gels Kon­to­de­ckung nicht ein­ge­lös­te Last­schrif­ten durch zwei Über­wei­sun­gen aus­ge­gli­chen. Dies recht­fer­tigt aus Sicht der Beklag­ten als kon­to­füh­ren­der Bank eben­falls die Über­zeu­gung, vor­an­ge­hen­de Last­schrift­bu­chun­gen sei­en von der Schuld­ne­rin als Kon­to­in­ha­be­rin abschlie­ßend akzep­tiert wor­den, da sie sich andern­falls auf leich­te­rem Wege Liqui­di­tät hät­te ver­schaf­fen kön­nen, indem sie älte­ren, ihrer Ansicht nach unbe­rech­tig­ten Belas­tungs­bu­chun­gen wider­spricht 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2011 – XI ZR 171/​09

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546[]
  2. sie­he BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 43; vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 16; und vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 15[]
  3. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 43; und vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 17[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 48, vom 30.09.2010 – IX ZR 178/​09, WM 2010, 2023 Rn. 13 und vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 21[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 20[]