Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren – und der mate­ri­el­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch

Im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren ist ein mate­ri­el­ler Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch nur zu berück­sich­ti­gen, wenn über Bestand und Höhe des Anspruchs kein Streit besteht. Ansons­ten ist er in die­sem Ver­fah­ren nicht zu prü­fen.

Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren – und der mate­ri­el­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch

Ein pro­zes­sua­ler Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch, des­sen ver­ein­fach­ter Gel­tend­ma­chung das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 104 ZPO dient, steht den Beklag­ten nur hin­sicht­lich der Kos­ten der Ver­tre­tung bei den Gerichts­ter­mi­nen in dem vor­aus­ge­gan­ge­nen Kla­ge­ver­fah­ren zu. Nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO kann die (teil­wei­se) obsie­gen­de Par­tei von der (teil­wei­se) unter­le­ge­nen Par­tei im Umfang der in der Kos­ten­grund­ent­schei­dung fest­ge­leg­ten Erstat­tungs­pflicht Ersatz der zur Rechts­ver­fol­gung oder – wie hier – Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Kos­ten ver­lan­gen.

Dage­gen ist ein mate­ri­ell­recht­li­cher Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht zu berück­sich­ti­gen und des­halb auch nicht zu prü­fen. Ihn müss­ten die Beklag­ten geson­dert ein­kla­gen.

Die Fra­ge ist aller­dings umstrit­ten. Teil­wei­se wird ange­nom­men, ein mate­ri­ell­recht­li­cher Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch sei im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen 1. Nach ande­rer Ansicht, der das Beschwer­de­ge­richt folgt, ist das nicht der Fall 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det die Fra­ge im zwei­ten Sin­ne.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind mate­ri­ell­recht­li­che Ein­wän­de gegen den pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen; viel­mehr sind die­se vor­ran­gig mit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gel­tend zu machen 3. Die Fest­stel­lung zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ger Tat­sa­chen und die Ent­schei­dung kom­pli­zier­ter Rechts­fra­gen ist in die­sem Ver­fah­ren nicht vor­ge­se­hen und man­gels der dafür not­wen­di­gen ver­fah­rens­recht­li­chen Instru­men­te auch nicht sinn­voll mög­lich 4. Nur Ein­wän­de, die kei­ne Tat­sa­chen­auf­klä­rung erfor­dern und sich mit den im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ohne wei­te­res klä­ren las­sen, kön­nen aus­nahms­wei­se auch im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren erho­ben und beschie­den wer­den 5. Dem­entspre­chend ist auch die Auf­rech­nung im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nur zu berück­sich­ti­gen, wenn über den Bestand und die Höhe der Gegen­for­de­rung und die Auf­rech­nungs­la­ge kein Streit besteht 6. Für die Berück­sich­ti­gung eines mate­ri­el­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren gilt nichts ande­res.

Der im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall von den Beklag­ten gel­tend gemach­te mate­ri­el­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch ist danach nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig. Ohne Tat­sa­chen­auf­klä­rung lässt sich hier nur fest­stel­len, dass der Klä­ger eine teil­wei­se unbe­grün­de­te Kla­ge erho­ben hat. Die Erhe­bung einer nicht oder nur teil­wei­se begrün­de­ten Kla­ge allein löst indes­sen nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kei­nen mate­ri­ell­recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch aus; es hat viel­mehr mit der Kos­ten­fol­ge der §§ 91, 92 und 97 ZPO sein Bewen­den 7. Dass er unab­hän­gig hier­von Pflich­ten ver­letzt und dadurch einen Scha­dens­er­satz­an­spruch aus­ge­löst hat 8 oder dass er woh­nungs­ei­gen­tums­recht­lich zur Tra­gung von Kos­ten ver­pflich­tet ist 9, hat der Klä­ger nicht ein­ge­räumt. Die­se Fra­ge lässt sich des­halb nur in einem ordent­li­chen Kla­ge­ver­fah­ren klä­ren. Sie ist dar­um im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht zu prü­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Mai 2014 – V ZB 102/​13

  1. KG, NJW-RR 1989, 329, 330; OLG Frank­furt/​Main, WuM 1990, 457, 458; LG Nürn­berg-Fürth, ZWE 2010, 282 f.; Riecke/​Schmid/​Abramenko, WEG, 3. Aufl., § 50 Rn. 7; wohl auch Nie­den­führ in Niedenführ/​Kümmel/​Vandenhouten, WEG, 10. Aufl., § 28 Rn. 221[]
  2. OLG Koblenz, NJW-RR 2002, 719; OLG Bran­den­burg, Jur­Bü­ro 2009, 143, 144; LG Köln, ZWE 2012, 59; Zöller/​Herget, ZPO, 30. Aufl., § 104 Rn. 21 Stich­wort ‚mate­ri­ell­recht­li­cher Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch‘[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 8; und vom 09.12 2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718 Rn. 9[]
  4. BGH, Beschluss vom 23.03.2006 – V ZB 189/​05, NJW 2006, 1962 Rn. 4[]
  5. BGH, Beschluss vom 23.03.2006 – V ZB 189/​05, aaO; BGH, Beschlüs­se vom 22.11.2006 – IV ZB 18/​06, NJW-RR 2007, 422 Rn. 9; und vom 09.12 2009 – XII ZB 79/​06, NJW-RR 2010, 718 Rn. 10[]
  6. Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 104 Rn. 9[]
  7. BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 133/​08, BGHZ 179, 238 Rn. 12 mwN[]
  8. dazu BGH, Urteil vom 16.01.2009 – V ZR 133/​08, BGHZ 179, 238 Rn. 17 und Beschluss vom 17.10.2013 – V ZB 28/​13 10[]
  9. dazu BGH, Beschluss vom 17.11.2011 – V ZB 134/​11, NJW 2012, 1152 Rn. 9[]