Nach­bes­se­rung einer Ver­mö­gens­aus­kunft bei Hartz IV-Bezug – und das Gut­ha­ben aus der Neben­kos­ten­ab­rech­nung

Einem Ver­lan­gen auf Nach­bes­se­rung einer Ver­mö­gens­aus­kunft gemäß § 802c ZPO fehlt das Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn der Gläu­bi­ger Aus­kunft über Erstat­tungs­for­de­run­gen für Betriebs- und Heiz­kos­ten ver­langt, die der Sozi­al­hil­fe­trä­ger für einen Emp­fän­ger von Leis­tun­gen nach dem SGB II an des­sen Ver­mie­ter geleis­tet hat. Ein sol­ches Aus­kunfts­be­geh­ren ist mut­wil­lig, weil die­se Ansprü­che nicht der Pfän­dung unter­lie­gen.

Nach­bes­se­rung einer Ver­mö­gens­aus­kunft bei Hartz IV-Bezug – und das Gut­ha­ben aus der Neben­kos­ten­ab­rech­nung

Für die Fra­ge, ob für ein Ver­lan­gen auf Nach­bes­se­rung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO in der seit dem 1.01.2013 gel­ten­den Fas­sung ein Rechts­schutz­be­dürf­nis besteht, gel­ten die schon für die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung nach § 807 ZPO aF aner­kann­ten Maß­stä­be fort.

Der Gläu­bi­ger kann danach die Nach­bes­se­rung einer Ver­mö­gens­aus­kunft ver­lan­gen, wenn der Schuld­ner ein äußer­lich erkenn­bar unvoll­stän­di­ges, unge­nau­es oder wider­sprüch­li­ches Ver­zeich­nis vor­ge­legt hat 1. Dazu muss aus dem Ver­mö­gens­ver­zeich­nis selbst ersicht­lich sein, dass die Anga­ben unvoll­stän­dig, unge­nau oder wider­sprüch­lich sind, oder der Gläu­bi­ger muss glaub­haft machen, dass der Schuld­ner im Ver­mö­gens­ver­zeich­nis ver­se­hent­lich unvoll­stän­di­ge oder unzu­tref­fen­de Anga­ben gemacht hat 2.

Für Maß­nah­men im Ver­fah­ren der Ver­mö­gens­aus­kunft fehlt jedoch aus­nahms­wei­se das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Gläu­bi­gers, wenn die Ver­mö­gens­lo­sig­keit des Schuld­ners von vorn­her­ein fest­steht und des­halb das Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen als mut­wil­lig oder schi­ka­nös anzu­se­hen ist 3. Hier­von ist nicht schon aus­zu­ge­hen, wenn sich das Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen auf eine For­de­rung bezieht, deren Pfänd­bar­keit unge­wiss ist. Die Pflicht zur Ver­mö­gens­of­fen­ba­rung erfasst nach ihrem Zweck nicht nur For­de­run­gen, deren Pfänd­bar­keit von vorn­her­ein zwei­fels­frei fest­steht 4. In Bezug auf Sachen bestimmt § 802c Abs. 2 Satz 4 ZPO, dass die Erklä­rungs­pflicht nur sol­che Sachen nicht erfasst, die gemäß § 811 Abs. 1 Nr. 1 und 2 ZPO der Pfän­dung offen­sicht­lich nicht unter­wor­fen sind. Danach unter­lie­gen auch Sachen, die nach § 811 Nr. 3 ff. ZPO an sich unpfänd­bar sind, der Aus­kunfts­pflicht 5. Für For­de­run­gen besteht kei­ne ver­gleich­ba­re Rege­lung. Grund­sätz­lich sind also auch unpfänd­ba­re Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de anzu­ge­ben, weil die Beur­tei­lung der Pfänd­bar­keit nicht Sache des Schuld­ners ist 6. Steht aller­dings die Unpfänd­bar­keit einer For­de­rung von vorn­her­ein fest, so fehlt es für ein auf die­se For­de­rung gerich­te­tes Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen des Gläu­bi­gers am Rechts­schutz­be­dürf­nis. Hier­von ist auch das Beschwer­de­ge­richt aus­ge­gan­gen.

Im Streit­fall kann die Gläu­bi­ge­rin nach die­sen Maß­stä­ben kei­ne Ergän­zung der Ver­mö­gens­aus­kunft ver­lan­gen. Der Ver­weis auf eine mög­li­che For­de­rung des Schuld­ners auf Neben­kos­ten oder Kau­ti­ons­rück­zah­lung ist inso­weit unbe­hel­flich.

Neben­kos­ten­rück­zah­lung

Das Ergän­zungs­ver­lan­gen ist nicht im Hin­blick auf einen Anspruch des Schuld­ners auf Neben­kos­ten­rück­zah­lung gerecht­fer­tigt.

Wegen des Anspruchs auf Neben­kos­ten­rück­zah­lung ist das Ergän­zungs­ver­lan­gen mut­wil­lig, weil die Unpfänd­bar­keit eines sol­chen Anspruchs von vorn­her­ein fest­steht.

Zwar unter­liegt der Anspruch auf Rück­erstat­tung nicht ver­brauch­ter Miet­ne­ben­kos­ten­vor­aus­zah­lun­gen, die im Rah­men lau­fen­der Zah­lun­gen nach SGB II durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger geleis­tet wer­den, nach der gesetz­li­chen Rege­lung in § 54 Abs. 4 SGB I grund­sätz­lich der Pfän­dung als Arbeits­ein­kom­men nach Maß­ga­be der Pfän­dungs­frei­gren­zen nach § 850c ZPO und der Regeln zum not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halt nach § 850f Abs. 1 Buchst. a ZPO 7. In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist jedoch aner­kannt, dass Betriebs- und Heiz­kos­ten­er­stat­tun­gen des Ver­mie­ters nicht der Pfän­dung gegen einen Bezie­her von Leis­tun­gen nach dem SGB II unter­lie­gen. Die­se Rück­zah­lun­gen von öffent­li­chen Leis­tun­gen min­dern nach § 22 Abs. 3 Halb­satz 1 SGB II die Leis­tun­gen des Fol­ge­mo­nats an den Hil­fe­emp­fän­ger. Wäre in die­sen Fäl­len die Pfän­dung zuläs­sig, so erfolg­te sie zu Las­ten öffent­li­cher Mit­tel, die dem Leis­tungs­be­zie­her das Exis­tenz­mi­ni­mum sichern sol­len. Dem Schuld­ner wür­den Mit­tel ent­zo­gen, die ihm der Staat aus sozia­len Grün­den mit Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe wie­der zur Ver­fü­gung stel­len müss­te. Dann aber ist die Zwangs­voll­stre­ckung als unzu­läs­sig anzu­se­hen, ohne dass es auf die vom Beschwer­de­ge­richt vor­ge­nom­me­ne ana­lo­ge Anwen­dung des § 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I ankommt 8. Da der Schuld­ner in der Ver­mö­gens­aus­kunft ange­ge­ben hat, dass die von einem Drit­ten geleis­te­ten Zah­lun­gen auf Neben­kos­ten nicht als Dar­le­hen erbracht wer­den, ist zudem aus­ge­schlos­sen, dass die Neben­kos­ten­zah­lun­gen infol­ge Rück­füh­rung des Dar­le­hens als aus eige­nen Mit­teln des Schuld­ners geleis­tet anzu­se­hen sind.

Steht die Unpfänd­bar­keit der For­de­rung, über die Aus­kunft begehrt wird, damit aus Rechts­grün­den fest, so besteht für das Aus­kunfts­ver­lan­gen der Gläu­bi­ge­rin kein Rechts­schutz­be­dürf­nis und es ist unbil­lig.

Zukünf­ti­ge Zah­lungs­an­sprü­che

Das Ergän­zungs­ver­lan­gen ist auch nicht im Hin­blick auf das Vor­brin­gen der Rechts­be­schwer­de erfolg­reich, der Gläu­bi­ge­rin müs­se durch Benen­nung des Ver­mie­ters die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, zukünf­ti­ge aus dem Miet­ver­hält­nis ent­stam­men­de Ansprü­che zu pfän­den, weil ange­sichts des Alters und Berufs des Schuld­ners davon aus­zu­ge­hen sei, dass er als­bald wie­der Arbeit fin­den wer­de und dann Miet­kau­ti­on und Neben­kos­ten auf­brin­gen kön­ne.

Zwar erstreckt sich die Aus­kunfts­pflicht nach § 802c ZPO wegen ihres Zwecks, dem Gläu­bi­ger eine Grund­la­ge für eine etwai­ge Voll­stre­ckung zu geben und ihm Kennt­nis von den­je­ni­gen Ver­mö­gens­stü­cken zu ver­schaf­fen, die mög­li­cher­wei­se sei­nem Zugriff im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung unter­lie­gen, auf künf­ti­ge For­de­run­gen, sofern der Rechts­grund und der Dritt­schuld­ner der For­de­rung im Zeit­punkt der Pfän­dung hin­rei­chend bestimmt sind 9.

Der Vor­trag der Gläu­bi­ge­rin, wegen einer güns­ti­gen beruf­li­chen Per­spek­ti­ve des Schuld­ners sei mit zukünf­ti­gen Erstat­tungs­an­sprü­chen zu rech­nen, ist jedoch erst­mals in der Rechts­be­schwer­de erfolgt und daher nicht zu berück­sich­ti­gen (§ 577 Abs. 2 Satz 4, § 559 Abs. 1 ZPO). Die­ser Vor­trag beinhal­tet eine Pro­gno­se, die in den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts kei­ne Grund­la­ge fin­det. Auf­grund der Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts besteht kein Anhalts­punkt für die Annah­me, dass dem Schuld­ner zukünf­tig Erstat­tungs­an­sprü­che gegen sei­nen Ver­mie­ter zuste­hen wer­den. Die Rechts­be­schwer­de macht auch nicht gel­tend, dass das Beschwer­de­ge­richt ent­spre­chen­den Vor­trag ver­fah­rens­feh­ler­haft über­gan­gen hat.

Rück­zah­lung der Miet­kau­ti­on

Eine Ergän­zung der Ver­mö­gens­aus­kunft im Hin­blick auf einen Anspruch auf Kau­ti­ons­rück­zah­lung kommt nicht in Betracht, weil die erteil­te Aus­kunft inso­weit weder unvoll­stän­dig noch unge­nau oder wider­sprüch­lich ist. Der Schuld­ner hat in der Ver­mö­gens­aus­kunft ange­ge­ben, dass anstel­le einer Miet­kau­ti­on das Job­cen­ter eine Bürg­schaft über­nom­men hat und ein Rück­for­de­rungs­an­spruch nicht besteht. Die­ser Aus­kunft ist klar zu ent­neh­men, dass dem Schuld­ner man­gels Leis­tung einer Miet­kau­ti­on kein Rück­zah­lungs­an­spruch zusteht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2016 – I ZB 74/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 04.10.2007 – I ZB 11/​07, NJW-RR 2008, 1163 Rn. 8; Beschluss vom 20.11.2008 – I ZB 20/​06, WM 2009, 1431 Rn. 13; Beschluss vom 03.02.2011 – I ZB 50/​10, NJW-RR 2011, 667 Rn. 7; Beschluss vom 12.01.2012 – I ZB 2/​11, MDR 2012, 606 Rn.20, jeweils noch zu § 807 ZPO aF; Voit in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 802d Rn. 13[]
  2. vgl. BGH, NJW-RR 2011, 667 Rn. 8 f.; Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 802d Rn. 16[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.2004 IXa ZB 14/​04, NJW 2004, 2905; Beschluss vom 20.11.2008 – I ZB 20/​06, WM 2009, 1431 Rn. 8[]
  4. BGH, WM 2009, 1431 Rn. 8[]
  5. vgl. MünchKomm-.ZPO/Eickmann, 4. Aufl., § 807 Rn. 41[]
  6. vgl. Münz­berg in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 807 Rn. 28[]
  7. vgl. BGH, WM 2009, 1431 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 25.10.2012 – VII ZB 31/​12, MDR 2013, 57 Rn. 11[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 20.06.2013 – IX ZR 310/​12, NJW 2013, 2819 Rn. 8; BSG, Urteil vom 16.10.2012 B 14 AS 188/​11 R, BSGE 112, 85 Rn.19 f.[]
  9. BGH, Beschluss vom 03.02.2011 – I ZB 2/​10, NJW-RR 2011, 851 Rn. 9 f.; Beschluss vom 12.01.2012 – I ZB 2/​11, MDR 2012, 606 Rn. 16, jeweils mwN[]
  10. vgl. BGH, IXa ZB 297/​03, B. v.19.05.2004[]