Orts­ter­mi­nen mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen – und die Kos­ten der Par­tei­en für die Vor- und Nachbereitung

Kos­ten, die einer Par­tei durch die Beauf­tra­gung von Hand­wer­kern zwecks Vorund Nach­be­rei­tung von Orts­ter­mi­nen mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen ent­stan­den sind, sind außer­ge­richt­li­che Kos­ten der Par­tei. Sie sind daher, sofern nichts ande­res ver­ein­bart wird, bei einer durch Pro­zess­ver­gleich ver­ein­bar­ten Kos­ten­auf­he­bung im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht zu erstatten.

Orts­ter­mi­nen mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen – und die Kos­ten der Par­tei­en für die Vor- und Nachbereitung

Haben die Pro­zess­par­tei­en die Kos­ten des Rechts­streits nach der Kos­ten­re­ge­lung im Ver­gleich gegen­ein­an­der auf­ge­ho­ben, ist die Bedeu­tung die­ser Rege­lung für die hier im Streit ste­hen­den Kos­ten, die die Beklag­te zur Vor- und Nach­be­rei­tung der Orts­ter­mi­ne mit dem Sach­ver­stän­di­gen auf­ge­wen­det hat, durch Aus­le­gung zu ermitteln.

Bei der Bestim­mung des Aus­le­gungs­maß­stabs ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren auf eine for­ma­le Prü­fung der Kos­ten­tat­be­stän­de und auf die Klä­rung ein­fa­cher Fra­gen des Kos­ten­rechts zuge­schnit­ten und infol­ge­des­sen dem Rechts­pfle­ger über­tra­gen ist. Die Klä­rung kom­pli­zier­ter mate­ri­ell-recht­li­cher Fra­gen ist in die­sem Ver­fah­ren nicht vor­ge­se­hen und man­gels der dafür not­wen­di­gen ver­fah­rens­recht­li­chen Instru­men­te auch nicht sinn­voll mög­lich1. Aus die­sem Grund ist im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren eine streng am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung gebo­ten. Der Par­tei­wil­le muss danach zumin­dest andeu­tungs­wei­se im Wort­laut der ver­gleichs­wei­se getrof­fe­nen Kos­ten­re­ge­lung zum Aus­druck gekom­men sein2. Dies führt in den for­ma­li­sier­ten, auf ver­ein­fach­te Prü­fung zuge­schnit­te­nen Mas­se­ver­fah­ren zu einer prak­ti­ka­blen Hand­ha­bung und ver­läss­li­chen Ergebnissen.

Nach die­sen Maß­stä­ben bedeu­tet eine Rege­lung, mit der die Kos­ten des Rechts­streits gegen­ein­an­der auf­ge­ho­ben wer­den, dass jede Par­tei ihre eige­nen Kos­ten allein und die Gerichts­kos­ten je zur Hälf­te trägt. Dies ent­spricht dem all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur, das der Rechts­tra­di­ti­on folgt und auch in § 92 Abs. 1 Satz 2 ZPO Ein­gang gefun­den hat3. Zu den Gerichts­kos­ten zäh­len nach all­ge­mei­ner Mei­nung – unter Bezug­nah­me auf § 1 Abs. 1 Satz 1 GKG – die Gerichts­ge­büh­ren und die Aus­la­gen des Gerichts. Aus­la­gen des Gerichts sind auch das von einem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen gel­tend gemach­te Hono­rar nach dem Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ‑ent­schä­di­gungs­ge­setz sowie des­sen gemäß § 12 JVEG zu erstat­ten­den beson­de­ren Auf­wen­dun­gen, wie zum Bei­spiel not­wen­di­ge Auf­wen­dun­gen für Hilfs­kräf­te, zu denen auch vom Sach­ver­stän­di­gen beauf­trag­te Hand­wer­ker gehö­ren4. Dage­gen zäh­len sons­ti­ge Auf­wen­dun­gen, die eine Par­tei für den Rechts­streit macht, zu den außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Par­tei5. Dies gilt unab­hän­gig davon, wel­chen Zweck die Par­tei mit den Auf­wen­dun­gen ver­folgt und ob die­se not­wen­dig sind. Danach sind Kos­ten, die einer Par­tei durch die Beauf­tra­gung von Hand­wer­kern zwecks Vor- und Nach­be­rei­tung von Orts­ter­mi­nen mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen ent­stan­den sind, nicht den Gerichts­kos­ten, son­dern den außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Par­tei zuzu­ord­nen6.

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Die­se streng am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung der Kos­ten­re­ge­lung, die nach for­ma­len Kri­te­ri­en unter­schei­det, ob es sich um Gerichts­kos­ten oder um Kos­ten der Par­tei han­delt, ist im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zutref­fend. Eine hier­von abwei­chen­de Inter­pre­ta­ti­on der Kos­ten­re­ge­lung lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beschwer­de­ge­richts auch nicht auf den Gesichts­punkt der Kos­ten­ge­rech­tig­keit stüt­zen. Die Erwä­gun­gen zur Gleich­be­hand­lung der Fäl­le, in denen die Auf­wen­dun­gen für die Vor- und Nach­be­rei­tung der Orts­ter­mi­ne von dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen erbracht wer­den, und der Fäl­le, in denen die­se von der Par­tei erbracht wer­den, über­zeu­gen nicht. Für eine sach­ge­rech­te Kos­ten­ver­tei­lung bedarf es einer sol­chen Gleich­be­hand­lung nicht. Viel­mehr wür­de mit der vom Beschwer­de­ge­richt befür­wor­te­ten gene­rel­len Zuord­nung der zur Vor- und Nach­be­rei­tung der Orts­ter­mi­ne mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen ent­stan­de­nen Kos­ten der Par­tei zu den Gerichts­kos­ten der Inhalt einer nach all­ge­mei­nem Ver­ständ­nis ein­deu­ti­gen Kos­ten­re­ge­lung geän­dert, ohne dass hier­für eine Not­wen­dig­keit besteht. Denn die Par­tei­en eines Ver­gleichs haben es selbst in der Hand, die Kos­ten­tra­gung ihren Inter­es­sen gemäß zu regeln und bei­spiels­wei­se die Ver­tei­lung bestimm­ter Par­tei­kos­ten je zur Hälf­te zu ver­ein­ba­ren, wenn ihnen dies sach­ge­recht erscheint. Der Hin­weis des Beschwer­de­ge­richts auf eine nicht der Gestal­tungs­frei­heit der Par­tei­en unter­lie­gen­de gericht­li­che Kos­ten­grund­ent­schei­dung recht­fer­tigt eben­falls kein ande­res Ergeb­nis. Denn auch inso­weit haben es die Par­tei­en in der Hand, das Gericht auf Umstän­de hin­zu­wei­sen, die für die Ent­schei­dung von Bedeu­tung sein kön­nen. Es besteht damit letzt­lich kein Grund, von dem am Wort­laut ori­en­tier­ten all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis der getrof­fe­nen Kos­ten­re­ge­lung abzuweichen.

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Danach sind die Kos­ten, die der Beklag­ten im Streit­fall durch die Beauf­tra­gung von Hand­wer­kern zwecks Vor- und Nach­be­rei­tung von Orts­ter­mi­nen mit dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen ent­stan­den sind, nicht den Gerichts­kos­ten zuzu­ord­nen. Es han­delt sich viel­mehr um außer­ge­richt­li­che Kos­ten der Beklag­ten, die auf der Grund­la­ge der ver­ein­bar­ten Kos­ten­auf­he­bung nicht zu erstat­ten sind.

Kon­kre­te Anhalts­punk­te dafür, dass die Par­tei­en die im Ver­gleich getrof­fe­ne Kos­ten­re­ge­lung – abwei­chend von dem all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis – über­ein­stim­mend dahin ver­stan­den haben, dass die hier im Streit ste­hen­den Kos­ten der Beklag­ten als Gerichts­kos­ten ein­zu­ord­nen und von den Par­tei­en je zur Hälf­te zu tei­len sei­en, oder dass der Ver­gleich hin­sicht­lich die­ser Kos­ten eine plan­wid­ri­ge Lücke ent­hält, die in die­ser Wei­se zu schlie­ßen sei, sind weder fest­ge­stellt noch vor­ge­tra­gen. Es kann daher dahin­ste­hen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein nicht im Wort­laut des Ver­gleichs zum Aus­druck kom­men­der Par­tei­wil­le durch (ergän­zen­de) Aus­le­gung im Rah­men des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens über­haupt zu ermit­teln wäre7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Febru­ar 2021 – VII ZB 55/​18

  1. vgl. BAG, Beschluss vom 30.06.2015 – 10 AZB 17/​15, NJW 2015, 2606 8; BGH, Beschluss vom 14.05.2014 – XII ZB 539/​11 Rn. 7 m.w.N., NJW 2014, 2287[]
  2. vgl. MünchKommZPO/​Schulz, 6. Aufl., § 98 Rn. 14, § 103 Rn. 1, § 104 Rn. 62; OLG Koblenz, Beschluss vom 21.09.2015 – 14 W 585/​15, NJW-RR 2016, 448 3; OLG Hamm, Beschluss vom 28.04.1989 – 23 W 152/​89, Jur­Bü­ro 1989, 1421 3[]
  3. vgl. näher dazu BGH, Beschluss vom 03.04.2003 – V ZB 44/​02, BGHZ 154, 351 12 ff.; Zöller/​Herget, ZPO, 33. Aufl., § 92 Rn. 1; MünchKommZPO/​Schulz, 6. Aufl., § 92 Rn. 13[]
  4. vgl. KV 9005 der Anla­ge 1 zu § 3 Abs. 2 GKG[]
  5. vgl. Zöller/​Herget, ZPO, 33. Aufl., vor § 91 Rn. 1; Musielak/​Voit/​Flockenhaus, ZPO, 17. Aufl., vor § 91 Rn. 4 f.; MünchKommZPO/​Schulz, 6. Aufl., § 92 Rn. 13[]
  6. vgl. OLG Koblenz, Beschluss vom 21.05.2004 – 14 W 356/​04, MDR 2004, 1025, Rn. 4 f., sowie Beschluss vom 28.06.2004 – 5 W 397/​04, NZBau 2004, 556, 556 f.; MünchKommZPO/​Schulz, 6. Aufl., § 91 Rn. 149[]
  7. vgl. dazu BAG, Beschluss vom 30.06.2015 – 10 AZB 17/​15, NJW 2015, 2606 8[]

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