Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss – und das RA-Micro-For­mu­lar

Ein mit­hil­fe der RA-Micro-Soft­ware erstell­ter Antrag auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses kann nicht mit der Begrün­dung, er sei wegen der Ver­wan­dung des RA-Micro-For­mu­lars nicht form­ge­recht ein­ge­reicht wor­den, als unzu­läs­sig zurück­ge­wie­sen wer­den.

Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss – und das RA-Micro-For­mu­lar

Das von der Rechts­an­walts­soft­ware RA-Micro bereit­ge­stell­te Antrags­for­mu­lars stimmt nicht voll­stän­dig mit dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV 1 über­ein: Auf sämt­li­chen Sei­ten des Antrags­for­mu­lars feh­len zum Teil die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV vor­ge­ge­be­nen Text­li­ni­en. Zudem wei­chen in eini­gen Berei­chen die Schrift­grö­ße, die Abmes­sun­gen der auf den ein­zel­nen Sei­ten vor­ge­ge­be­nen Rah­men sowie der ein­zel­nen Zei­len, die Grö­ße der Ankreuz­käst­chen sowie die Zei­len­ab­stän­de und Zei­len­um­brü­che von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ab. Das For­mu­lar ist zudem in schwarz­weiß gehal­ten und weist nicht die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV vor­ge­se­he­nen grün­far­bi­gen Ele­men­te auf.

Der Antrag ist jedoch nicht des­halb form­un­wirk­sam, weil sich die Gläu­bi­ge­rin eines Antrags­for­mu­lars bedient hat, das bezüg­lich des Lay­outs von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV abweicht.

Gemäß § 829 Abs. 4 Satz 1 ZPO wird das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes For­mu­la­re für den Antrag auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses ein­zu­füh­ren. Soweit nach Satz 1 For­mu­la­re ein­ge­führt sind, muss sich der Antrag­stel­ler ihrer bedie­nen, § 829 Abs. 4 Satz 2 ZPO. Am 1.09.2012 ist die Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung in Kraft getre­ten 2. Nach deren § 2 Nr. 2, § 3 ist für Anträ­ge auf Erlass eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses seit dem 1.03.2013 ver­bind­lich das in Anla­ge 2 zur Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung vor­ge­ge­be­ne Antrags­for­mu­lar zu nut­zen. Für den bis zum 1.03.2013 kei­nem Form­zwang unter­lie­gen­den Pfän­dungs­an­trag gel­ten seit­dem stren­ge For­man­for­de­run­gen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, 3 sind die den For­mu­larzwang regeln­den Nor­men nach Sinn und Zweck dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass auch die Nut­zung sol­cher For­mu­la­re mög­lich ist, die im Lay­out gerin­ge, für die zügi­ge Bear­bei­tung des Antrags nicht ins Gewicht fal­len­de Ände­run­gen ent­hal­ten.

Weicht – wie hier – ein Antrags­for­mu­lar von dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ledig­lich in den Maßen der Rah­men, in der Schrift­grö­ße, in der Lini­en­di­cke und län­ge, in den Zei­len­um­brü­chen und abstän­den oder in sons­ti­gen Lay­out­ele­men­ten ab, die den Auf­bau des For­mu­lars nicht ver­än­dern, so wird die Antrags­be­ar­bei­tung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt hier­durch nicht beein­träch­tigt. Der Rechts­pfle­ger fin­det bei der Bear­bei­tung des For­mu­lars die erfor­der­li­chen Anga­ben in der übli­chen Rei­hen­fol­ge vor.

Uner­heb­lich ist auch, dass das von der Gläu­bi­ge­rin ver­wen­de­te Antrags­for­mu­lar nicht die in dem For­mu­lar gemäß Anla­ge 2 zu § 2 Nr. 2 ZVFV ent­hal­te­nen grün­far­bi­gen Ele­men­te auf­weist. Die far­bi­ge Gestal­tung der For­mu­la­re dient nicht in ers­ter Linie dem Ziel, die Voll­stre­ckungs­ge­rich­te zu ent­las­ten, son­dern hat den Zweck, dem Antrag­stel­ler das Aus­fül­len des For­mu­lars zu erleich­tern 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Febru­ar 2014 – VII ZB 42/​13

  1. Ver­ord­nung über For­mu­la­re für die Zwangs­voll­stre­ckung (Zwangs­voll­stre­ckungs­for­mu­lar-Ver­ord­nung – ZVFV), BGBl. 2012 I, S. 1822, 1827[]
  2. BGBl. I 2012, 1822[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.02.2014 – VII ZB 39/​13[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.2014 – VII ZB 39/​13[]