Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Insol­venz­ver­wal­ter kön­nen als Par­tei kraft Amtes Pro­zess­kos­ten­hil­fe erhal­ten, wenn die Kos­ten aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen und den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten auf­zu­brin­gen, § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Soweit Mas­seun­zu­läng­lich­keit besteht, so dass die Kos­ten der geplan­ten Rechts­ver­fol­gung nicht gemäß § 116 Satz 1 Nr. 1 Halb­satz 1 ZPO aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se auf­ge­bracht wer­den kön­nen 1, setzt die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe vor­aus, dass es den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten auf­zu­brin­gen.

Zuzu­mu­ten sind Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten nur sol­chen Betei­lig­ten, wel­che die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und deren zu erwar­ten­der Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch das Eigen­in­ter­es­se sowie das Pro­zess­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei einem Erfolg der Rechts­ver­fol­gung deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen als Vor­schuss auf­zu­brin­gen­den Kos­ten 2. Bei die­ser Abwä­gung sind ins­be­son­de­re eine zu erwar­ten­de Quo­ten­ver­bes­se­rung im Fal­le des Obsie­gens, das Pro­zess- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko und die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen 3.

Dem Insol­venz­ver­wal­ter ist auch nicht des­halb Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu gewäh­ren, weil die ein­zi­ge Gläu­bi­ge­rin, der die Auf­brin­gung der Pro­zess­kos­ten zuge­mu­tet wer­den kann, dies zuvor bereits abge­lehnt hat. Denn es ist im Fall des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO bedeu­tungs­los, ob die Gläu­bi­ger zur Auf­brin­gung der Pro­zess­kos­ten bereit sind 4. Es ent­spricht dem Wil­len des Gesetz­ge­bers, Pro­zess­kos­ten­hil­fe in den­je­ni­gen Fäl­len aus­zu­schlie­ßen, in wel­chen hin­ter der Par­tei kraft Amtes wirt­schaft­lich Betei­lig­te ste­hen, wel­che die zur Pro­zess­füh­rung erfor­der­li­chen Mit­tel auf­brin­gen kön­nen und denen dies auch zumut­bar ist 5. Wenn die­se zur Mit­wir­kung nicht bereit sind, hat der Rechts­streit zu unter­blei­ben 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2012 – IX ZA 1/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 27.09.2007 – IX ZB 172/​06, ZIn­sO 2007, 1225 Rn. 6 ff[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.09.1990 – IX ZR 250/​89, ZIP 1990, 1490; vom 08.10.1992 – VII ZB 3/​92, BGHZ 119, 372, 376 f; vom 06.03.2006 – II ZB 11/​05, ZIP 2006, 682 Rn. 9; vom 07.06.2011 – II ZA 1/​11, ZIn­sO 2011, 1552 Rn. 2[]
  3. BGH, Beschluss vom 25.11.2010 – VII ZB 71/​08, ZIP 2011, 98 Rn. 9[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.07.1997 – II ZB 7/​97, NJW 1997, 3318, 3319; vom 24.03.1998 – XI ZR 4/​98, BGHZ 138, 188, 193; BVerwG, ZIP 2006, 1542, 1544; OLG Stutt­gart, Jus­tiz 2011, 156, 157; OLG Ham­burg, ZIn­sO 2010, 1701 f; OLG Köln, InVo 2006, 346, 357; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 116 Rn. 16; Münch­Komm-ZPO/Wax, 3. Aufl., § 116 Rn. 15; Prütting/​Gehrlein/​Völker/​Zempel, ZPO, § 116 Rn. 9; FKInsO/​Schmerbach, 6. Aufl., § 80 Rn. 53; Hmb­Komm-InsO/Ku­lei­sa, 4. Aufl., § 80 Rn. 55c; Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl., § 80 Rn. 124; Pape, ZIP 1988, 1293, 1300 f; Ste­en­buck, MDR 2004, 1155, 1159; aA Mit­leh­ner, NZI 2001, 617, 621; Gelpcke/​Hellstab/​Wache/​Weigelt, Der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­spruch des Insol­venz­ver­wal­ters, Rn.01.236 ff[]
  5. BT-Drucks. 8/​3068, S. 26[]
  6. BGH, Beschluss vom 24.03.1998, aaO S.194[]