Stel­lung­nah­me­frist – und die vor ihrem Ablauf ergan­ge­ne gericht­li­che Entscheidung

Ein zivil­pro­zes­sua­le Ent­schei­dung, die vor Ablauf einer Stel­lung­nah­me­frist ergan­gen ist, stellt einen Gehörsver­stoß, der im Rah­men des Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­rens geheilt wer­den kann.

Stel­lung­nah­me­frist – und die vor ihrem Ablauf ergan­ge­ne gericht­li­che Entscheidung

Zwar ver­letzt das Urteil die Pro­zess­par­tei in ihrem Anspruch auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG), wenn es zu einer Zeit erlas­sen wur­de, zu der die gesetz­te Frist noch nicht nach­weis­bar abge­lau­fen war [1].

Die­se Gehörsver­let­zung wird aber im Rah­men des Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­rens geheilt [2], wenn das Gericht dabei den zunächst über­gan­ge­nen, frist­ge­recht ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz im Rah­men einer Hilfs­be­grün­dung berücksichtigt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Mai 2020 – 1 BvR 890/​20

  1. vgl. BVerfGE 49, 212, 215; 70, 215, 218; BVerfG, Beschluss vom 19.12.2013 – 1 BvR 859/​13, Rn. 9, 11; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfGE 73, 322, 326 f.; BVerfG, Beschluss vom 18.07.2019 – 2 BvR 1082/​18, Rn. 17; jeweils m.w.N.[]

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