Steu­er­be­ra­ter­haf­tung – und das bera­tungs­ge­rech­te Ver­hal­ten des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Geht es dar­um, wel­che hypo­the­ti­sche Ent­schei­dung der Geschäfts­füh­rer einer GmbH bei ver­trags­ge­rech­tem Ver­hal­ten des recht­li­chen Bera­ters getrof­fen hät­te, liegt es nahe, ihn dazu in einem von der Gesell­schaft geführ­ten Rechts­streit gemäß § 287 Abs. 1 Satz 3 ZPO als Par­tei zu ver­neh­men, weil es um eine inne­re, in sei­ner Per­son lie­gen­de Tat­sa­che geht.

Steu­er­be­ra­ter­haf­tung – und das bera­tungs­ge­rech­te Ver­hal­ten des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Da die Fest­stel­lung, ob ein Scha­den ent­stan­den ist, nach den Beweis­re­geln des § 287 ZPO getrof­fen wird, gehört die Fra­ge, wie sich der Geschäfts­füh­rer bei ord­nungs­ge­mä­ßer Bera­tung ver­hal­ten hät­te, zu dem von § 287 Abs. 1 Satz 3 ZPO erfass­ten Bereich 1.

Das unter Beweis gestell­te Vor­brin­gen konn­te nicht des­halb unbe­rück­sich­tigt blei­ben, weil die GmbH in einem Schrei­ben an die Steu­er­be­ra­te­rin die Fort­set­zung ihrer Tätig­keit in den Raum stell­te und ihre Liqui­da­ti­on steu­er­li­che Nach­tei­le für die Gesell­schaf­ter bedeu­tet hät­te. Die­se Erwä­gun­gen kön­nen im Rah­men einer Beweis­wür­di­gung Bedeu­tung gewin­nen, recht­fer­ti­gen aber als unzu­läs­si­ge vor­weg­ge­nom­me­ne Beweis­wür­di­gung nicht die Ableh­nung des Beweis­an­ge­bots.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. April 2015 – IX ZR 195/​14

  1. BGH, Urteil vom 16.10.2003 – IX ZR 167/​02, WM 2004, 472, 474; vom 06.06.2013 – IX ZR 204/​12, WM 2013, 1323 Rn. 17[]