Tur­nier­aus­schrei­bung als AGB

"All­ge­mei­ner Bestim­mun­gen" der Tur­nier­aus­schrei­bung unter­lie­gen, soweit sie die Haf­tung des Tur­nier­ver­an­stal­ters regeln, der Inhalts­kon­trol­le für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen nach Maß­ga­be der § 305 ff BGB.

Tur­nier­aus­schrei­bung als AGB

Aller­dings stel­len all­ge­mei­ne Bestim­mun­gen, die der Ver­wen­der bei eige­nen ein­sei­ti­gen Rechts­ge­schäf­ten – wie hier bei einem als Preis­aus­schrei­ben (Aus­lo­bung) zu bewer­ten­dem Tur­nier – trifft, grund­sätz­lich kei­ne nach §§ 305 ff BGB kon­troll­fä­hi­gen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne von § 305 Abs. 1 BGB dar, weil der Ver­wen­der hier regel­mä­ßig nicht frem­de, son­dern aus­schließ­lich eige­ne rechts­ge­schäft­li­che Gestal­tungs­macht in Anspruch nimmt 1. Dies gilt bei der Ver­an­stal­tung eines Reit- und Spring­tur­niers etwa für die in der Aus­schrei­bung auf­ge­stell­ten Regeln für den äuße­ren Ablauf des Tur­niers, ins­be­son­de­re also auch für das "sport­li­che Regel­werk", das indes einer Kon­trol­le nach § 242 BGB und damit mit­tel­bar auch einer Über­prü­fung nach den Wer­tungs­maß­stä­ben der §§ 305 ff BGB zugäng­lich ist 2.

Anders ver­hält es sich jedoch, soweit es um vor­for­mu­lier­te und vom Ver­an­stal­ter vor­ge­ge­be­ne Aus­schlüs­se oder sons­ti­ge Beschrän­kun­gen der Haf­tung für Ver­let­zun­gen von Rechts­gü­tern der Teil­neh­mer oder in den Schutz­be­reich ein­be­zo­ge­ner sons­ti­ger Drit­ter geht. Die ver­wen­de­ten all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen betref­fen hier­bei näm­lich nicht ledig­lich die Rege­lung der "eige­nen Ver­hält­nis­se" des Ver­wen­ders (Ver­an­stal­ters), son­dern grei­fen auf die geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen Drit­ter über und sind des­halb auch der Kon­trol­le nach §§ 305 ff BGB unter­wor­fen 3.

Mit der Teil­nah­me an einem Preis­aus­schrei­ben ist bereits im Vor­feld der eigent­li­chen Sach­ent­schei­dung durch das Preis­ge­richt ein Rechts­ver­hält­nis ver­bun­den, aus dem Pflich­ten hin­sicht­lich der sorg­fäl­ti­gen und ord­nungs­ge­mä­ßen Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung des Wett­be­werbs und hin­sicht­lich des Schut­zes der Teil­neh­mer vor Gefah­ren, mit denen sie nicht zu rech­nen brau­chen, erwach­sen (§ 241 Abs. 2 BGB). Hier­in liegt – neben dem ein­sei­ti­gen Rechts­ge­schäft des Preis­aus­schrei­bens als sol­chem – eine schuld­recht­li­che Son­der­ver­bin­dung, die sich als ein ver­trags­ähn­li­ches Ver­hält­nis ein­ord­nen lässt und es zumal mit Blick auf den gebo­te­nen Schutz der Rechts­gü­ter der Betei­lig­ten recht­fer­tigt, vom Ver­an­stal­ter vor­ge­ge­be­ne Haf­tungs­aus­schlüs­se und ‑beschrän­kun­gen der Kon­trol­le nach §§ 305 ff BGB (in unmit­tel­ba­rer oder ent­spre­chen­der Anwen­dung) zu unter­zie­hen. Aus näm­li­chen Grün­den ist die Anwen­dung der §§ 305 ff BGB auf Klau­seln für vor­ver­trag­li­che Bezie­hun­gen zwi­schen Ver­wen­der und Kun­den aner­kannt, wo es eben­falls (noch) an einem "ech­ten Ver­trags­ver­hält­nis" fehlt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – III ZR 246/​09

  1. Palandt/​Grüneberg aaO § 305 Rn. 7; MünchKommBGB/​Basedow, 5. Aufl., § 305 Rn. 11; Staudinger/​Schlosser, BGB [2006], § 305 Rn. 10; Ulmer in Ulmer/​Brandner/​Hensen, AGB-Recht, 10. Aufl., § 305 BGB Rn. 18[]
  2. sie­he dazu BGH, Urteil vom 28.11.1994 – II ZR 11/​94, BGHZ 128, 93, 101 ff[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.02.1999 – IV ZR 324/​97, NJW 1999, 1633, 1635 für Voll­machts­be­schrän­kun­gen[]
  4. sie­he dazu etwa BGH, Urteil vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, BGHZ 133, 184, 187 ff; Base­dow aaO § 305 Rn. 12; Palandt/​Grüneberg aaO § 305 Rn. 4; Schlos­ser aaO § 305 Rn. 11; Ulmer aaO § 305 Rn. 13[]