Unfall­fol­ge oder Vor­er­kran­kung?

Auch wenn Men­schen für Erkran­kun­gen stets eine Ursa­che suchen und ger­ne mei­nen, bei fremd ver­schul­de­ten Unfäl­len fün­dig zu wer­den, so ist nicht jede Krank­heit nach einem Unfall auf die­sen zurück­zu­füh­ren. Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld gibt es frei­lich nur für Unfall­fol­gen, nicht für Gesund­heits­schä­den, die auf beim Unfall bereits bestehen­den Vor­er­kran­kung beru­hen.

Unfall­fol­ge oder Vor­er­kran­kung?

So wies jetzt das Land­ge­richt Coburg die Kla­ge eines bei einem Unfall mit einem Auto ver­letz­ten Fahr­rad­fah­rers gegen die Unfall­geg­ne­rin und deren Ver­si­che­rung auf Schmer­zens­geld und Scha­den­er­satz über­wie­gend ab. Die Behaup­tung des Klä­gers, umfang­rei­che Behand­lun­gen an sei­nem Knie sei­en wegen des Unfalls erfor­der­lich gewor­den, konn­te nicht nach­ge­wie­sen wer­den.

Im Jahr 2002 kam es zu einem Zusam­men­stoß zwi­schen dem kla­gen­den Rad­fah­rer und einer Pkw-Fah­re­rin. Die Auto­fah­re­rin woll­te in ein Tank­stel­len­ge­län­de ein­bie­gen und kreuz­te dabei den Rad­weg, auf dem der Klä­ger unter­wegs war. Dabei kam es zur Kol­li­si­on. Nach dem Unfall muss­te der Klä­ger sta­tio­när behan­delt wer­den. Dabei wur­de auch eine Knie­spie­ge­lung durch­ge­führt. Wegen Schmer­zen und Beschwer­den im Knie schlos­sen sich wei­te­re – auch sta­tio­nä­re – Behand­lun­gen des Knies an, die bis in das Jahr 2005 dau­er­ten.

Der Klä­ger behaup­te­te, dass die Auto­fah­re­rin den Rad­weg vor der Kol­li­si­on schon nahe­zu kom­plett blo­ckiert habe. Infol­ge des Unfalls habe er vier Ope­ra­tio­nen mit ent­spre­chen­den Geh­pro­ble­men über sich erge­hen las­sen müs­sen. Er habe auch sei­nen Haus­halt in die­ser Zeit nur ein­ge­schränkt füh­ren kön­nen. Wegen die­ses Haus­halts­füh­rungs­scha­dens und der Fahrt­kos­ten zu den Behand­lun­gen woll­te der Klä­ger Scha­den­er­satz in Höhe von 10.000,00 Euro. Da er einen Dau­er­scha­den im Knie erlit­ten habe, mein­te der Klä­ger, ihm stün­de Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 20.000,00 Euro zu.

Die Auto­fah­re­rin und ihre Ver­si­che­rung mei­nen, dass den Rad­fah­rer ein erheb­li­ches Mit­ver­schul­den am Ver­kehrs­un­fall trä­fe. Der Rad­fah­rer hät­te das Auto der Beklag­ten sehen und anhal­ten kön­nen. Dane­ben habe die Mög­lich­keit bestan­den, am Pkw der beklag­ten Auto­fah­re­rin vor­bei­zu­fah­ren. Auch habe sich der Klä­ger beim Unfall kei­ne Ver­let­zung sei­nes Knie­ge­lenks zuge­zo­gen. Im Rah­men der Kran­ken­haus­be­hand­lung habe sich gezeigt, dass eine unfall­un­ab­hän­gi­ge dege­ne­ra­ti­ve Vor­er­kran­kung des Knie­ge­lenks vor­ge­le­gen habe. Das vom Klä­ger gefor­der­te Schmer­zens­geld sei weit über­höht, da kein Dau­er­scha­den im Zusam­men­hang mit dem Unfall­ereig­nis vor­lä­ge .

Das Land­ge­richt Coburg hat der Kla­ge nur in Höhe von etwa 2.150,00 € statt­ge­ge­ben. Davon hat­te die Ver­si­che­rung bereits vor dem Pro­zess 500,00 € bezahlt. Aller­dings gelang­te das Gericht zu der Über­zeu­gung, dass die Pkw-Fah­re­rin die allei­ni­ge Ver­ant­wor­tung für den Unfall trug. Denn sie hät­te beim Ein­fah­ren auf das Tank­stel­len­ge­län­de sich so ver­hal­ten müs­sen, dass eine Gefähr­dung ande­rer Ver­kehrs­teil­neh­mer aus­ge­schlos­sen war. Dass der Rad­fah­rer hät­te anhal­ten oder aus­wei­chen kön­nen, konn­ten die Beklag­te nicht nach­wei­sen.

Das Land­ge­richt Coburg war jedoch nach der Ein­schal­tung von ins­ge­samt drei Sach­ver­stän­di­gen davon über­zeugt, dass die beim Klä­ger fest­ge­stell­te Erkran­kung sei­nes Knie­ge­lenks nicht mit dem Unfall im Jah­re 2002 im Zusam­men­hang steht. Eine Knie­ver­let­zung des Klä­gers bei des­sen Unter­su­chung im Kern­spin­to­mo­gra­phen und beim Rönt­gen unmit­tel­bar nach dem Ver­kehrs­un­fall im Kran­ken­haus wur­de nicht dia­gnos­ti­ziert. Ein medi­zi­ni­scher Sach­ver­stän­di­ger stell­te fest, dass eine Behand­lung von drei Tagen unmit­tel­bar nach dem Unfall zur Auf­klä­rung der Beschwer­den des Klä­gers not­wen­dig war. Dabei sei­en auch unfall­un­ab­hän­gi­ge Knie­be­schwer­den mit ope­riert wor­den. Auch eine wei­te­re drei­tä­gi­ge Kran­ken­haus­be­hand­lung führ­te der Sach­ver­stän­di­ge auf das Unfall­ereig­nis zurück. Nach die­sen Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen war der Klä­ger auch zu 15 % in sei­ner Fähig­keit sei­nen eige­nen Haus­halt zu füh­ren beein­träch­tigt. Alle wei­te­ren lang­wie­ri­gen Behand­lun­gen des Knies und die dar­auf zurück­zu­füh­ren­den Beschwer­den waren nach Auf­fas­sung des Sach­ver­stän­di­gen nicht auf den Unfall zurück­zu­füh­ren. Den aus­führ­li­chen und über­zeu­gen­den Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen schloss sich das Gericht an. Für die erlit­te­nen finan­zi­el­len Schä­den wur­den dem Klä­ger ca. 150,00 € Scha­den­er­satz zuge­spro­chen.

Schmer­zens­geld sprach das Gericht jedoch in Höhe von 2.000,00 € zu. Der Klä­ger hat­te beim Unfall vor allem Prel­lun­gen erlit­ten, die kei­ne län­ger andau­ern­den Beschwer­den ver­ur­sach­ten. Ande­rer­seits war zu berück­sich­ti­gen, dass zwei Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te infol­ge des Unfalls not­wen­dig wur­den. Daher erach­te­te das Gericht ein Schmer­zens­geld in Höhe von 2.000,00 € als ange­mes­sen und aus­rei­chend.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 30. April 2010 – 13 O 214/​07 (rechts­kräf­tig)