Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten im Hotel­ein­gang

Wel­che Wir­kung hat das Auf­stel­len von Warn­schil­dern, die auf Rutsch­ge­fahr hin­wei­sen? Die­se Fra­ge stell­te sich aktu­ell dem Bun­des­ge­richts­hof:

Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten im Hotel­ein­gang

Anlass hier­für bot dem Bun­des­ge­richts­hof ein Ver­fah­ren, in dem der Rei­sen­de gegen das beklag­te Rei­se­un­ter­neh­men Ansprü­che auf­grund eines Unfalls gel­tend mach­te, der sich im Rah­men einer bei der Rei­se­ver­an­stal­te­rin gebuch­ten Pau­schal­rei­se nach Lan­za­ro­te ereig­net hat. Der Rei­sen­de ist links­sei­tig ober­schen­kel­am­pu­tiert, trägt eine Pro­the­se und ist auf eine Unter­arm­stüt­ze ange­wie­sen. Am Tag nach der Ankunft geriet er beim Ver­las­sen des Hotels zu Fall, als er die regen­nas­se Roll­stuhl­ram­pe vor dem Hotel­ein­gang zu Fuß pas­sie­ren woll­te. Infol­ge des Stur­zes erlitt er eine Hand­ge­lenks­frak­tur.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Han­no­ver hat die unter ande­rem auf Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses, Ersatz mate­ri­el­ler Schä­den, Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit und Schmer­zens­geld gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen 1; sei­ne hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung ist vor dem Ober­lan­des­ge­richt Cel­le eben­falls ohne Erfolg geblie­ben 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird im wei­te­ren Pro­zess­ver­lauf klä­ren müs­sen, ob der Boden­be­lag der Roll­stuhl­ram­pe den für die Hotel­an­la­ge maß­geb­li­chen ört­li­chen Bau­vor­schrif­ten ent­sprach.

Das OLG Cel­le hat die­se Fra­ge als nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ange­se­hen, weil es als aus­rei­chend betrach­tet hat, einen Hotel­gast vor einer Rutsch­ge­fahr bei Näs­se mit einem Warn­schild zu war­nen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Beur­tei­lung jedoch nur für den Fall als zutref­fend ange­se­hen, dass die Roll­stuhl­ram­pe den maß­geb­li­chen ört­li­chen Bau­vor­schrif­ten ent­spro­chen und damit den Sicher­heits­stan­dard gebo­ten hat, den ein Hotel­gast erwar­ten durf­te. Soll­te die Roll­stuhl­ram­pe die­sem Stan­dard nicht ent­spro­chen haben, hat hin­ge­gen eine beson­de­re Gefähr­dungs­la­ge bestan­den, in der ein Warn­schild im Bereich der Ram­pe nicht aus­ge­reicht hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2020 – X ZR 110/​18

  1. LG Han­no­ver, Urteil vom 07.09.2017 – 8 O 19/​17[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 11.04.2018 – 11 U 147/​17[]
  3. ent­ge­gen BAG vom 21.09.2011 – 7 AZR 35/​11[]