Die ver­wirk­te Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­wirkt der Insol­venz­ver­wal­ter sei­nen Anspruch auf Ver­gü­tung ent­spre­chend dem der Rege­lung des § 654 BGB zugrun­de­lie­gen­den all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­ken, wenn er vor­sätz­lich oder grob leicht­fer­tig die ihm oblie­gen­de Treue­pflicht so schwer­wie­gend ver­letzt, dass er sich sei­nes Loh­nes als "unwür­dig" erweist.

Die ver­wirk­te Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Da der Insol­venz­ver­wal­ter einen gemäß Art. 12 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Anspruch auf Ver­gü­tung sei­ner Tätig­keit hat, kommt ein Aus­schluss der Ver­gü­tung bei Berück­sich­ti­gung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes aller­dings nur in eng begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len in Betracht. Es genügt nicht jede objek­tiv erheb­li­che Pflicht­ver­let­zung. Die Ver­sa­gung jeg­li­cher Ver­gü­tung kommt viel­mehr nur bei einer schwe­ren, sub­jek­tiv in hohem Maße vor­werf­ba­ren Ver­let­zung der Treue­pflicht in Betracht.

Ein sol­cher Fall liegt ins­be­son­de­re dann vor, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter beson­ders schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zun­gen in Form von Straf­ta­ten zum Nach­teil der Mas­se began­gen hat 1.

Den ent­schei­den­den Grund für die Beur­tei­lung, dass der Anspruch auf Ver­gü­tung ver­wirkt ist, bil­det der schwe­re Treue­bruch des Ver­wal­ters gegen­über dem Insol­venz­ge­richt, das ihn zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt hat. Das Insol­venz­ge­richt hat zum Insol­venz­ver­wal­ter nach § 56 Abs. 1 InsO eine geeig­ne­te Per­son zu bestel­len. Zu den per­sön­li­chen Anfor­de­run­gen an den Insol­venz­ver­wal­ter gehört neben der fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on auch sei­ne per­sön­li­che Inte­gri­tät, ins­be­son­de­re sei­ne Ehr­lich­keit 2. Des­halb kann die Ver­wir­kung des Ver­gü­tungs­an­spruchs grund­sätz­lich nur auf Pflicht­ver­let­zun­gen des Ver­wal­ters bei der Aus­übung des kon­kre­ten Amtes gestützt wer­den, für das er eine Ver­gü­tung bean­sprucht 3.

Dage­gen füh­ren Pflicht­ver­let­zun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters in ande­ren Ver­fah­ren nur unter beson­de­ren Umstän­den zum Ver­lust des Anspruchs auf die Ver­gü­tung 4. So kommt die Ver­sa­gung der Ver­gü­tung grund­sätz­lich nur bei gewich­ti­gen, vor­sätz­li­chen oder zumin­dest leicht­fer­ti­gen Pflicht­ver­stö­ßen in Betracht 5.

Aller­dings kann eine ein­ma­li­ge, in der Bege­hung einer Straf­tat zum Aus­druck kom­men­de Pflicht­ver­let­zung genü­gen, denn auch eine in einem ande­ren Ver­fah­ren ver­üb­te Straf­tat kann die cha­rak­ter­li­che Eig­nung des Ver­wal­ters, frem­des Ver­mö­gen zu ver­wal­ten, ent­fal­len las­sen 6.

Zudem sind Ver­gü­tungs­an­sprü­che auch dann aus­ge­schlos­sen, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter sei­ne Bestel­lung in straf­ba­rer Wei­se erschleicht und damit im eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­se eine Gefähr­dung der erfolg­rei­chen Abwick­lung des Insol­venz­ver­fah­rens in Kauf nimmt 7.

Ein Insol­venz­ver­wal­ter ist aber nicht ver­pflich­tet, dem Insol­venz­ge­richt vor der Bestel­lung unge­fragt jeg­li­che Pflicht­wid­rig­keit aus ande­ren Ver­fah­ren mit­zu­tei­len. Daher führt eine unter­las­se­ne Offen­ba­rung von Pflicht­ver­let­zun­gen in ande­ren Insol­venz­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht zum Ver­lust des Ver­gü­tungs­an­spruchs 8. Viel­mehr muss die unter­las­se­ne Offen­ba­rung der Pflicht­ver­let­zun­gen in ande­ren Insol­venz­ver­fah­ren selbst eine schwe­re, sub­jek­tiv in hohem Maße vor­werf­ba­re Ver­let­zung der Treue­pflicht dar­stel­len 9. Dies kommt erst in Betracht, wenn es sich um Pflicht­wid­rig­kei­ten in einem Aus­maß han­delt, bei dem im Fal­le des Bekannt­wer­dens nach der Bestel­lung die sofor­ti­ge Ent­las­sung aus dem Amt des Ver­wal­ters nach § 59 InsO nicht nur gerecht­fer­tigt, son­dern die zwin­gen­de Fol­ge wäre. Denn der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz gebie­tet eine enge Begren­zung der Fäl­le, in denen ein Anspruch auf Ver­gü­tung aus­ge­schlos­sen ist 10.

Ver­hal­tens­wei­sen des frü­he­ren Treu­hän­ders, die als eine der­art schwe­re Ver­let­zung der ihm oblie­gen­den Treue­pflicht zu wer­ten wären, sind durch das Beschwer­de­ge­richt nicht fest­ge­stellt wor­den. Allein der Umstand, dass der frü­he­re Treu­hän­der bei sei­ner Bestel­lung im hie­si­gen Ver­fah­ren dem Insol­venz­ge­richt nicht mit­ge­teilt hat, es sei einem ande­ren Insol­venz­ver­fah­ren durch ihn als Insol­venz­ver­wal­ter zu einer dop­pel­ten Ent­nah­me der Ver­gü­tung in Höhe von 7.787, 44 € gekom­men, reicht hier­für nicht aus. Viel­mehr ist das kon­kre­te pflicht­wid­ri­ge Ver­hal­ten des frü­he­ren Treu­hän­ders nach Art, Inhalt und Umfang fest­zu­stel­len und sind stets die Umstän­de im Hin­blick auf die dem Insol­venz­ver­wal­ter gegen­über dem Insol­venz­ge­richt oblie­gen­de Treue­pflicht zu wür­di­gen 11.

Eine Ver­sa­gung der Ver­gü­tung kommt im Hin­blick auf den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz erst in Betracht, wenn gewich­ti­ge, vor­sätz­li­che oder zumin­dest leicht­fer­ti­ge Pflicht­ver­stö­ße des frü­he­ren Treu­hän­ders in ande­ren Insol­venz­ver­fah­ren fest­ge­stellt wor­den sind, deren unter­las­se­ne Offen­ba­rung selbst eine schwe­re, sub­jek­tiv in hohem Maße vor­werf­ba­re Ver­let­zung der Treue­pflicht dar­stellt. Ein ent­schei­den­des Gewicht liegt bei der Fra­ge der sub­jek­ti­ven Vor­werf­bar­keit der Treue­pflicht­ver­let­zung 12.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2019 – IX ZB 75/​18

  1. BGH, Beschluss vom 22.11.2018 – IX ZB 14/​18, ZIP 2019, 82 Rn. 16 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – IX ZB 52/​15, ZIP 2016, 1648 Rn. 8 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.09.2017 – IX ZB 28/​14, ZIP 2017, 2063 Rn. 11[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 21.09.2017, aaO[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – IX ZB 349/​02, BGHZ 159, 122, 132[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2011 – IX ZB 192/​10, WM 2011, 663 Rn.20[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2004, aaO[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – IX ZB 52/​15, ZIP 2016, 1648 Rn. 9[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.2016, aaO Rn. 6[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2011 – IX ZB 248/​09, ZIP 2011, 1526 Rn. 6[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 22.11.2018 – IX ZB 14/​18, ZIP 2017, 2063 Rn.19[]
  12. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – IX ZB 349/​02, BGHZ 159, 122, 131[]