Insol­venz­an­fech­tung – und die Kennt­nis von der Zah­lungs­ein­stel­lung

Die sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der Vor­satz­an­fech­tung hat der Tatrich­ter gemäß § 286 ZPO unter Wür­di­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de des Ein­zel­falls auf der Grund­la­ge des Gesamt­ergeb­nis­ses der Ver­hand­lung und einer etwai­gen Beweis­auf­nah­me zu prü­fen1.

Insol­venz­an­fech­tung – und die Kennt­nis von der Zah­lungs­ein­stel­lung

Ob ein bestimm­ter Gläu­bi­ger Kennt­nis von der Zah­lungs­ein­stel­lung oder der (dro­hen­den) Zah­lungs­un­fä­hig­keit hat, hängt davon ab, wel­che kon­kre­ten Tat­sa­chen die­ser Gläu­bi­ger spä­tes­tens unmit­tel­bar vor der jeweils ange­foch­te­nen Zah­lung kann­te.

Der Insol­venz­ver­wal­ter hat im jewei­li­gen Ein­zel­fall dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, wel­che Tat­sa­chen der Gläu­bi­ger kann­te. Ist aus den dem Gläu­bi­ger bekann­ten Tat­sa­chen zwin­gend auf eine Kennt­nis der Zah­lungs­ein­stel­lung oder der (dro­hen­den) Zah­lungs­un­fä­hig­keit zu schlie­ßen, ist die ange­foch­te­ne Zah­lung selbst regel­mä­ßig nicht geeig­net, eine bereits vor der Zah­lung bestehen­de Kennt­nis des Gläu­bi­gers vom Benach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners wie­der ent­fal­len zu las­sen2.

In die­sem Rah­men ver­ant­wor­tet der Tatrich­ter die Wür­di­gung der für und gegen eine Kennt­nis der Zah­lungs­ein­stel­lung oder der (dro­hen­den) Zah­lungs­un­fä­hig­keit spre­chen­den Indi­zi­en.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2016 – IX ZR 152/​15

  1. BGH, Urteil vom 13.08.2009 – IX ZR 159/​06, WM 2009, 1943 Rn. 8; vom 08.01.2015 – IX ZR 203/​12, WM 2015, 381 Rn. 25 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.02.2016 – IX ZR 109/​15, WM 2016, 560 Rn. 28 f mwN []