Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Einer Par­tei kraft Amtes kann Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gewährt wer­den, wenn den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten auf­zu­brin­gen, § 116 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten sind sol­chen Betei­lig­ten zuzu­mu­ten, wel­che die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und für die der zu erwar­ten­de Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch das Eigen­in­ter­es­se sowie das Ver­fah­rens­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei dem Erfolg der Rechts­ver­fol­gung deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen als Vor­schuss auf­zu­brin­gen­den Kos­ten. Bei die­ser wer­ten­den Abwä­gung sind ins­be­son­de­re eine zu erwar­ten­de Quo­ten­ver­bes­se­rung im Fal­le des Obsie­gens, das Ver­fah­rens- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko und die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen [1].

Im kon­kre­ten Fall bedeu­te­te dies: Bei vol­lem Kla­ge­er­folg und vol­ler Rea­li­sier­bar­keit wür­de der Mas­se ein Betrag von ca. 1, 39 Mio. € zuzüg­lich Zin­sen dar­auf seit 1.07.2009 zuflie­ßen. Bei einer dann zu ver­tei­len­den Mas­se von unter­stellt nur 1 Mio. € ergä­be sich eine Insol­venz­quo­te von 32 %. Je nach Aus­fall des Gläu­bi­gers Nr. 12 und wei­te­rer Aus­fall­gläu­bi­ger könn­te sich die Quo­te noch erhö­hen. Die Gläu­bi­ge­rin Nr. 17/​18 (deren For­de­run­gen ca. 39 % aller fest­ge­stell­ten For­de­run­gen von ca. 3, 1 Mio. € ein­schließ­lich der Aus­fall­for­de­run­gen betra­gen) wür­de dann min­des­tens 384.000 € erhal­ten und damit, selbst wenn sie die Kos­ten eines durch­ge­führ­ten Revi­si­ons­ver­fah­rens von ca. 54.000 € allein tra­gen müss­te, das unge­fähr Sie­ben­fa­che ihres Ein­sat­zes.

Wenn man das Pro­zess- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko mit 50 % ansetzt, so ergä­be sich ein­schließ­lich Zin­sen ein Mas­se­zu­fluss von ca. 830.000 €. Dann ergä­be sich eine Quo­te von ca. 21 %; die Gläu­bi­ge­rin Nr. 17/​18 erhiel­te mehr als 250.000 € bei einem Ein­satz von 54.000 €. Auch ein sol­ches Kos­ten­ri­si­ko ist der Gläu­bi­ge­rin zumut­bar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2014 – IX ZA 12/​13

  1. BGH, Beschluss vom 13.09.2012 – IX ZA 1/​12, ZIn­sO 2012, 2198 Rn. 2; vom 04.12 2012 – II ZA 3/​12, NZI 2013, 82 Rn. 2; vom 26.09.2013 – IX ZB 247/​11, WM 2013, 2025 Rn. 12; vom 21.11.2013 – IX ZA 20/​13, ZIn­sO 2014, 79 Rn. 3; jeweils mwN[]