Zwei­fel an der Rich­tig­keit der erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen

Hegt das Beru­fungs­ge­richt Zwei­fel an der Rich­tig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen, die sich auch aus der Mög­lich­keit unter­schied­li­cher Wer­tun­gen erge­ben kön­nen, so sind nach § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO erneu­te Fest­stel­lun­gen gebo­ten.

Zwei­fel an der Rich­tig­keit der erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen

Im Zuge die­ser erneu­ten Tat­sa­chen­fest­stel­lung muss das Beru­fungs­ge­richt einen in ers­ter Instanz ver­nom­me­nen Zeu­gen gemäß § 398 Abs. 1 ZPO grund­sätz­lich noch­mals ver­neh­men, wenn es sei­ner Aus­sa­ge eine ande­re Trag­wei­te oder ein ande­res Gewicht als das erst­in­stanz­li­che Gericht bei­mes­sen möch­te [1].

In der Beru­fungs­in­stanz kann zwar ein ange­tre­te­ner Zeu­gen­be­weis durch die Ver­wer­tung der Nie­der­schrift der erst­in­stanz­li­chen Zeu­gen­ver­neh­mung ersetzt wer­den, wenn der per­sön­li­che Ein­druck, den der Zeu­ge bei sei­ner Ver­neh­mung hin­ter­ließ oder bei einer erneu­ten Ver­neh­mung hin­ter­las­sen wür­de, für die Wür­di­gung sei­ner Aus­sa­ge nicht ent­schei­dend ist [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – I ZR 51/​16

  1. BGH, Beschluss vom 05.04.2005 – IV ZR 253/​05, VersR 2006, 949; Beschluss vom 14.07.2009 – VIII ZR 3/​09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 4[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2005 – VI ZR 68/​04, VersR 2006, 369 Rn. 28[]