Außer­or­dent­li­che Kün­di­gung im öffent­li­chen Dienst – und ihre Umdeu­tung in eine ordent­li­che Kün­di­gung

Die Vor­aus­set­zun­gen gem. § 140 BGB für eine Umdeu­tung der erklär­ten außer­or­dent­lich frist­lo­sen in eine ordent­li­che Kün­di­gung lie­gen nicht vor, wenn eine ordent­li­che Kün­di­gung man­gels Betei­li­gung des Per­so­nal­rats unwirk­sam wäre.

Außer­or­dent­li­che Kün­di­gung im öffent­li­chen Dienst – und ihre Umdeu­tung in eine ordent­li­che Kün­di­gung

Die Unwirk­sam­keit der ordent­li­chen Kün­di­gung folgt aller­dings nicht aus § 78 Abs. 4 Thür­PersVG, son­dern aus § 108 Abs. 2 BPersVG. Nach die­ser Bestim­mung ist eine durch den Arbeit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines Beschäf­tig­ten unwirk­sam, wenn die Per­so­nal­ver­tre­tung nicht betei­ligt wor­den ist. Es han­delt sich um eine unmit­tel­bar für die Län­der gel­ten­de Vor­schrift. Die Über­nah­me der Rege­lung in § 78 Abs. 4 Thür­PersVG hat rein dekla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter, da ein Lan­des­ge­setz­ge­ber von der auf der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des gem. Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 GG beru­hen­den Bestim­mung in § 108 Abs. 2 BPersVG auch nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006 nicht abwei­chen dürf­te [1].

Der Per­so­nal­rat hat bei einer ordent­li­chen Kün­di­gung durch den Arbeit­ge­ber gem. § 78 Abs. 1 Thür­PersVG mit­zu­be­stim­men. Im vor­lie­gen­den Fall ist der ört­lich zustän­di­ge Per­so­nal­rat des LKA vor der Kün­di­gung vom 06.03.2017 aber aus­schließ­lich zu einer beab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung ange­hört wor­den.

Die Betei­li­gung nach § 78 Abs. 1 Thür­PersVG war nicht des­halb ent­behr­lich, weil der Per­so­nal­rat der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung aus­drück­lich und vor­be­halt­los zuge­stimmt hät­te [2].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts stellt in einem sol­chen Fall das Erfor­der­nis einer geson­der­ten Betei­li­gung bezo­gen auf die ordent­li­che Kün­di­gung regel­mä­ßig eine unnö­ti­ge För­me­lei dar [3]. Es sei nicht anzu­neh­men, dass der Per­so­nal­rat der viel inten­si­ve­ren per­so­nel­len Maß­nah­me ohne Wei­te­res und vor­be­halt­los zustim­me, der "mil­de­ren" per­so­nel­len Maß­nah­me aber die Zustim­mung ver­wei­ge­re [4].

Es bedarf kei­ner Ent­schei­dung, ob an die­ser Recht­spre­chung unein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten ist. Denn der Per­so­nal­rat hat im hier ent­schie­de­nen Streit­fall mit sei­ner Stel­lung­nah­me der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung nicht aus­drück­lich und vor­be­halt­los zuge­stimmt, son­dern nur "im Rah­men der Anhö­rung kei­ne Ein­wän­de gel­tend gemacht". ies las­se offen, ob er kei­ne Ein­wen­dun­gen gehabt oder nur beschlos­sen habe, die­se nicht gel­tend zu machen. Dabei hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auch berück­sich­tigt, dass der Arbeit­ge­ber den Per­so­nal­rat nur um eine Stel­lung­nah­me zur außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung gebe­ten hat­te. Gegen­über die­ser kann der Per­so­nal­rat nach § 78 Abs. 3 Thür­PersVG ledig­lich Beden­ken äußern, wäh­rend er bei einer ordent­li­chen Kün­di­gung nach § 78 Abs. 1 Thür­PersVG ein Mit­be­stim­mungs­recht hat.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Juni 2019 – 2 AZR 28/​19

  1. Kers­ten in Richardi/​Dörner/​Weber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 4. Aufl. Vor­bem. zu §§ 107 – 109 und § 108 Rn. 4[]
  2. vgl. dazu BAG 23.10.2008 – 2 AZR 388/​07, Rn. 41[]
  3. BAG 23.10.2008 – 2 AZR 388/​07, Rn. 41[]
  4. BAG 23.10.2008 – 2 AZR 388/​07 – aaO; vgl. für den Betriebs­rat: BAG 16.03.1978 – 2 AZR 424/​76, zu B II 3 a der Grün­de, BAGE 30, 176[]