Der Spruch der Eini­gungs­stel­le – oder: Arbeit­ge­ber mach mal…

Ein Spruch der Eini­gungs­stel­le muss die mit­be­stimm­te Ange­le­gen­heit selbst regeln und darf die­se Auf­ga­be nicht dem Arbeit­ge­ber über­tra­gen.

Der Spruch der Eini­gungs­stel­le – oder: Arbeit­ge­ber mach mal…

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es Auf­ga­be der Eini­gungs­stel­le, durch ihren Spruch die Belan­ge des Betriebs und der betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen und zu einem bil­li­gen Aus­gleich zu brin­gen. Dabei ist der Zweck des jewei­li­gen Mit­be­stim­mungs­rechts zu beach­ten. Die getrof­fe­ne Rege­lung muss in ihrem Ergeb­nis auch den­je­ni­gen Inter­es­sen Rech­nung tra­gen, um derent­wil­len dem Betriebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht zusteht.

Dem kann ein Spruch der Eini­gungs­stel­le, der nicht selbst eine Rege­lung der mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Ange­le­gen­heit trifft, son­dern die der Eini­gungs­stel­le zuste­hen­de Rege­lungs­be­fug­nis auf den Arbeit­ge­ber über­trägt, in kei­nem Fall gerecht wer­den. Dann gestal­tet nicht die unter ange­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Belan­ge getrof­fe­ne Ermes­sens­ent­schei­dung der Eini­gungs­stel­le die der Mit­be­stim­mung unter­lie­gen­de Ange­le­gen­heit, son­dern das Ermes­sen des Arbeit­ge­bers.

Ein sol­cher Spruch der Eini­gungs­stel­le ist rechts­feh­ler­haft. Eben­so wenig wie der Betriebs­rat selbst kann die Eini­gungs­stel­le das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 BetrVG dahin aus­üben, dass sie dem Arbeit­ge­ber das allei­ni­ge Gestal­tungs­recht über den mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Tat­be­stand eröff­net [1]. Zwar ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Eini­gungs­stel­le eine Rege­lung vor­sieht, die dem Arbeit­ge­ber inner­halb eines von ihr in Aus­übung ihres Ermes­sens gesteck­ten Rah­mens inhalt­li­cher Vor­ga­ben gewis­se Ent­schei­dungs­spiel­räu­me über­lässt. Doch muss die Eini­gungs­stel­le selbst den Rege­lungs­ge­gen­stand gestal­tet haben [2].

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig ‑Hol­stein, Beschluss vom 16. Janu­ar 2018 – 1 TaBV 14/​17

  1. BAG, a.a.O., Rn. 39[]
  2. BAG, a.a.O., Rn. 41[]