Die arbeits­ver­trag­li­che Pflicht zur Nut­zung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te

Ein Arbeit­ge­ber kann von sei­nem Arbeit­neh­mer die Bean­tra­gung einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur und die Nut­zung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te ver­lan­gen, wenn dies für die Erbrin­gung der ver­trag­lich geschul­de­ten Arbeits­leis­tung erfor­der­lich und dem Arbeit­neh­mer zumut­bar ist.

Die arbeits­ver­trag­li­che Pflicht zur Nut­zung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te

Die Klä­ge­rin in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit ist als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te im Was­ser- und Schiff­fahrts­amt Cux­ha­ven beschäf­tigt. Zu ihren Auf­ga­ben gehört die Ver­öf­fent­li­chung von Aus­schrei­bun­gen bei Ver­ga­be­ver­fah­ren. Seit dem 1. Janu­ar 2010 erfol­gen die­se Ver­öf­fent­li­chun­gen nur noch in elek­tro­ni­scher Form auf der Ver­ga­be­platt­form des Bun­des. Zur Nut­zung wird eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur benö­tigt, die nach den Bestim­mun­gen des Signa­tur­ge­set­zes (SigG) nur natür­li­chen Per­so­nen erteilt wird. Die Beklag­te wies dar­auf­hin die Klä­ge­rin an, eine sol­che qua­li­fi­zier­te Signa­tur bei einer vom SigG vor­ge­se­he­nen Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le, einem Toch­ter­un­ter­neh­men der Deut­schen Tele­kom AG, zu bean­tra­gen. Dazu müs­sen die im Per­so­nal­aus­weis ent­hal­te­nen Daten zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung an die Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le über­mit­telt wer­den. Die Kos­ten für die Bean­tra­gung trägt die Arbeit­ge­be­rin.

Die Klä­ge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Arbeit­ge­ber kön­ne sie nicht ver­pflich­ten, ihre per­sön­li­chen Daten an Drit­te zu über­mit­teln; dies ver­sto­ße gegen ihr Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Auch sei nicht sicher­ge­stellt, dass mit ihren Daten kein Miss­brauch getrie­ben wer­de. Arbeits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen haben ihre Kla­ge abge­wie­sen 1. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin blieb vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt eben­falls ohne Erfolg.

Die Beklag­te hat von ihrem arbeits­ver­trag­li­chen Wei­sungs­recht (§ 106 GewO) ange­mes­sen Gebrauch gemacht, ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt. Der mit der Ver­pflich­tung zur Nut­zung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te ver­bun­de­ne Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ist der Klä­ge­rin zumut­bar. Die Über­mitt­lung der Per­so­nal­aus­weis­da­ten betrifft nur den äuße­ren Bereich der Pri­vat­sphä­re; beson­ders sen­si­ble Daten sind nicht betrof­fen. Der Schutz die­ser Daten wird durch die Vor­schrif­ten des SigG sicher­ge­stellt; sie wer­den nur durch die Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le genutzt. Auch durch den Ein­satz der Signa­tur­kar­te ent­ste­hen für die Klä­ge­rin kei­ne beson­de­ren Risi­ken. So ent­hält die mit dem Per­so­nal­rat abge­schlos­se­ne Dienst­ver­ein­ba­rung aus­drück­lich eine Haf­tungs­frei­stel­lung; die gewon­ne­nen Daten dür­fen nicht zur Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le durch den Arbeit­ge­ber ver­wen­det wer­den.

Direk­ti­ons­recht des Arbeit­ge­bers und arbeits­ver­trag­li­cher Auf­ga­ben­be­reich

Nach § 106 Satz 1 GewO kann der Arbeit­ge­ber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeits­leis­tung nach bil­li­gem Ermes­sen näher bestim­men, soweit die­se Arbeits­be­din­gun­gen nicht durch den Arbeits­ver­trag, Bestim­mun­gen einer Betriebs­ver­ein­ba­rung, eines anwend­ba­ren Tarif­ver­trags oder gesetz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind.

Die Ver­öf­fent­li­chung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen unter Ein­satz einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te gehört zum ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Auf­ga­ben­be­reich der Klä­ge­rin.

Die Klä­ge­rin wird gemäß § 1 des Arbeits­ver­trags vom 13. Febru­ar 1980 als Ange­stell­te beschäf­tigt; auf­grund des 2. Nach­trags zum Arbeits­ver­trag vom 29. Mai 1981 wur­de sie in die Ver­gü­tungs­grup­pe VII BAT höher­grup­piert und spä­ter in die EG 5 TVöD über­ge­lei­tet. Das Direk­ti­ons­recht des Arbeit­ge­bers im öffent­li­chen Dienst erstreckt sich bei einer Ver­trags­ge­stal­tung, die den ver­trag­li­chen Auf­ga­ben­be­reich allein durch eine all­ge­mei­ne Tätig­keits­be­zeich­nung und die Nen­nung der Ver­gü­tungs­grup­pe beschreibt, auf sol­che Tätig­kei­ten des all­ge­mein umschrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reichs, wel­che die Merk­ma­le der Ver­gü­tungs­grup­pe erfül­len, in die der Arbeit­neh­mer ein­ge­stuft ist. Dem Arbeit­neh­mer kön­nen ande­re, dem all­ge­mein umschrie­be­nen Auf­ga­ben­be­reich zuzu­ord­nen­de Tätig­kei­ten nur zuge­wie­sen wer­den, soweit sie den Merk­ma­len die­ser Ver­gü­tungs­grup­pe ent­spre­chen (st. Rspr., zuletzt zB BAG 17. August 2011 – 10 AZR 322/​10 – Rn. 15).

Die Ver­öf­fent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen gehört zum Auf­ga­ben­be­reich der Klä­ge­rin und ent­spricht den Merk­ma­len der Ver­gü­tungs­grup­pe VII BAT (nun­mehr EG 5 TVöD). Nach der Dienst­pos­ten­be­schrei­bung vom 12. Juni 1996, die zwi­schen den Par­tei­en eben­so wenig im Streit steht wie die Ein­grup­pie­rung selbst, gehört zu den Auf­ga­ben der Klä­ge­rin die Durch­füh­rung des inne­ren Diens­tes der Dienst­stel­le ein­schließ­lich der Zusam­men­stel­lung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen. Zu den admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben im Zusam­men­hang mit Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen gehört nach der Ver­kehrs­an­schau­ung (vgl. ErfK/​Preis 13. Aufl. § 106 GewO Rn. 5) auch deren Ver­öf­fent­li­chung. Dem­entspre­chend hat die Klä­ge­rin bereits in der Ver­gan­gen­heit regel­mä­ßig Ver­ga­be­un­ter­la­gen – unter ande­rem im Intra­net – ver­öf­fent­licht. Der gefor­der­te Ein­satz einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te ver­än­dert den Auf­ga­ben­be­reich der Klä­ge­rin nicht; ledig­lich die Art und Wei­se der Ver­öf­fent­li­chung und die dazu genutz­ten Arbeits­mit­tel wer­den tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen ange­passt.

Mit­be­stim­mung durch den Per­so­nal­rat /​Betriebs­rat

Die Wei­sung der Beklag­ten ist unter Wah­rung der Mit­be­stim­mungs­rech­te nach dem BPers­VG erfolgt (vgl. zur Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung im Anwen­dungs­be­reich des BPers­VG zuletzt: BAG 22. Mai 2012 – 1 AZR 94/​11 – Rn. 29). Der Haupt­per­so­nal­rat des BMVBS (§ 82 Abs. 1, § 53 Abs. 1 BPers­VG) hat sei­ne Rech­te nach dem BPers­VG im Zusam­men­hang mit der Ein­füh­rung qua­li­fi­zier­ter digi­ta­ler Signa­tu­ren (vgl. § 75 Abs. 3 Nr. 17 BPers­VG) durch den Abschluss der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren aus­ge­übt.

Die Wei­sung der Beklag­ten ver­stößt auch nicht gegen Vor­schrif­ten die­ser Dienst­ver­ein­ba­rung. Ins­be­son­de­re wur­den ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Klä­ge­rin die Vor­ga­ben für die Schu­lung der Beschäf­tig­ten ein­ge­hal­ten. Dabei kann dahin­ste­hen, ob deren Ver­let­zung über­haupt zu einer Unwirk­sam­keit der Wei­sung füh­ren oder nur einen nach­träg­li­chen Schu­lungs­an­spruch aus­lö­sen wür­de. Mit dem Schrei­ben der Amts­lei­tung des WSA vom 15. März 2010 wur­de der Klä­ge­rin eine Kopie der Dienst­ver­ein­ba­rung über­sandt. In dem Schrei­ben wird zudem auf eine „geplan­te Schu­lung in der IT-Anwen­dung“ Bezug genom­men. Eine wei­te­re Schu­lung fand im März 2011 statt. Dass die Klä­ge­rin an die­ser krank­heits­be­dingt nicht teil­neh­men konn­te, stellt die Erfül­lung der Pflich­ten aus der Dienst­ver­ein­ba­rung durch die Beklag­te nicht infra­ge. Es gibt kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Beklag­te die Schu­lung der Klä­ge­rin vor­ent­hal­ten woll­te oder sie nicht nach­schu­len wür­de, soweit die Klä­ge­rin hier­an mit­wirkt und teil­nimmt.

Signa­tur­kar­te und Daten­schutz

Die Wei­sung zur Bean­tra­gung und Nut­zung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te ver­stößt nicht gegen Bestim­mun­gen des BDSG.

Die Beklag­te selbst erhebt, ver­ar­bei­tet oder nutzt im Zusam­men­hang mit der Bean­tra­gung des qua­li­fi­zier­ten Zer­ti­fi­kats mit qua­li­fi­zier­ter elek­tro­ni­scher Signa­tur und der Erstel­lung der Signa­tur­kar­te kei­ne Daten iSd. Bestim­mun­gen des BDSG.

Zwar ist das WSA als Bun­des­be­hör­de (vgl. Art. 87 Abs. 1 Satz 1, Art. 89 Abs. 2 GG) eine öffent­li­che Stel­le iSd. § 1 Abs. 2 Nr. 1, § 2 Abs. 1 Satz 1 BDSG. Bei den Daten, wel­che die Klä­ge­rin im Rah­men der Bean­tra­gung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te mit­zu­tei­len hat, han­delt es sich auch um per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten iSd. § 3 Abs. 1 BDSG. In Bezug auf die­se Daten ist das WSA jedoch nicht ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. BDSG.

Normadres­sat der im BDSG nie­der­ge­leg­ten Rech­te und Pflich­ten ist die jeweils ver­ant­wort­li­che Stel­le (ErfK/​Franzen § 1 BDSG Rn. 12; Simitis/​Dammann BDSG 7. Aufl. § 3 Rn. 224 f.; Gola/​Schomerus BDSG 11. Aufl. § 3 Rn. 48). Das ist gemäß § 3 Abs. 7 BDSG jede Per­son oder Stel­le, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten für sich selbst erhebt, ver­ar­bei­tet oder nutzt oder dies durch ande­re im Auf­trag vor­neh­men lässt.

Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, die für die Erstel­lung und Nut­zung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te erfor­der­lich sind, wer­den von dem betref­fen­den Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter unter Berück­sich­ti­gung der Vor­ga­ben des SigG erho­ben, ver­ar­bei­tet und genutzt (§ 5 ff. SigG). Hin­sicht­lich des Umgangs mit die­sen Daten unter­liegt der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter daher – neben den spe­zi­el­len Daten­schutz­be­stim­mun­gen des SigG – den Rege­lun­gen des BDSG (vgl. Roßnagel/​Roßnagel Hand­buch Daten­schutz­recht Abschnitt 7.7 Rn. 29). Er ist inso­weit die ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. § 3 Abs. 7 BDSG.

Das WSA ist dem­ge­gen­über weder in die Beschaf­fung noch in die Ver­ar­bei­tung der Daten ein­ge­schal­tet. Viel­mehr wur­de die Klä­ge­rin auf­ge­for­dert, die elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te direkt beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter zu bean­tra­gen (vgl. Schrei­ben vom 15. März 2010; DV Digi­ta­le Signa­tu­ren „Antrag­stel­lung durch den Beschäf­tig­ten“). Die­se Vor­ge­hens­wei­se ent­spricht dem Modell des BDSG, wonach per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten grund­sätz­lich beim Betrof­fe­nen zu erhe­ben sind (§ 4 Abs. 2 Satz 1 BDSG), und den Vor­ga­ben des Signa­tur­ge­set­zes (§ 14 Abs. 1 SigG). Das WSA nutzt auch nicht die zur Aus­stel­lung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te durch die T GmbH erho­be­nen Daten. Ein Nut­zen von Daten iSv. § 3 Abs. 5 BDSG liegt vor, wenn die Daten mit einer bestimm­ten Zweck­be­stim­mung aus­ge­wer­tet, zusam­men­ge­stellt, abge­ru­fen oder ansons­ten ziel­ge­rich­tet zur Kennt­nis genom­men wer­den sol­len (Gola/​Schomerus BDSG § 3 Rn. 42; Gola/​Wronka Hand­buch zum Arbeit­neh­mer­da­ten­schutz 5. Aufl. Rn. 911). Bei einem Ein­satz der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te durch die Klä­ge­rin wer­den deren per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten durch das WSA nicht ziel­ge­rich­tet zur Kennt­nis genom­men. Das WSA hat kei­nen Zugriff auf die­se Daten.

Zwi­schen dem WSA und dem Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter besteht kein Auf­trags­ver­hält­nis iSd. § 3 Abs. 7, § 11 BDSG. Die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten im Auf­trag ist dadurch gekenn­zeich­net, dass sich eine ver­ant­wort­li­che Stel­le eines Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­mens bedient, das ledig­lich wei­sungs­ge­bun­den mit den Daten umgeht (Gola/​Schomerus BDSG § 11 Rn. 3; Simitis/​Petri BDSG § 11 Rn. 20). Die ver­ant­wort­li­che Stel­le bestimmt wei­ter­hin allein über die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung der Daten und behält die unein­ge­schränk­te Ver­fü­gungs­ge­walt (Gola/​Wronka Hand­buch zum Arbeit­neh­mer­da­ten­schutz Rn. 983; Wed­de in Däubler/​Klebe/​Wedde/​Weichert BDSG 3. Aufl. § 11 Rn. 5). Der Bereich der Auf­trags­da­ten­ver­ga­be wird ver­las­sen, sobald dem Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men eine eigen­stän­di­ge recht­li­che Zustän­dig­keit für die Auf­ga­be, deren Erfül­lung die Daten­ver­ar­bei­tung oder ‑nut­zung dient, zuge­wie­sen wird (Gola/​Schomerus BDSG § 11 Rn. 9). Nach den Vor­ga­ben des SigG ist der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter allein für die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten des Antrag­stel­lers ver­ant­wort­lich. Er ent­schei­det selbst über den Umgang mit den von ihm erho­be­nen Daten und hat dabei die zwin­gen­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben ins­be­son­de­re des SigG zu beach­ten. Das WSA hat kei­nen Zugriff auf und damit kei­ne Ver­fü­gungs­ge­walt über die Daten. Ihm ste­hen auch kei­ner­lei Kon­troll- oder Wei­sungs­rech­te im Hin­blick auf den Umgang mit den Daten zu.

Ein Ver­stoß gegen Bestim­mun­gen des BDSG im Zusam­men­hang mit der Daten­er­he­bung durch die T GmbH als Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ist nicht erkenn­bar.

Das Unter­neh­men ist ver­ant­wort­li­che Stel­le iSd. BDSG, es erhebt, ver­ar­bei­tet und nutzt im Zusam­men­hang mit der Aus­stel­lung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te als nicht-öffent­li­che Stel­le Daten der Klä­ge­rin (§ 1 Abs. 2 Nr. 3, § 2 Abs. 4 Satz 1, § 3 Abs. 7 BDSG).

Die Erhe­bung der Daten erfolgt unmit­tel­bar bei der Klä­ge­rin auf Grund­la­ge der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren (§ 4 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 BDSG); ihre Ein­wil­li­gung (§ 4a BDSG) ist des­halb nicht erfor­der­lich.

Nach § 4 Abs. 1 BDSG ist die Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten nur zuläs­sig, soweit das BDSG oder eine ande­re Rechts­vor­schrift dies erlaubt oder anord­net oder der Betrof­fe­ne ein­wil­ligt. Rechts­vor­schrif­ten in die­sem Sin­ne sind auch Tarif­ver­trä­ge (BAG 25. Juni 2002 – 9 AZR 405/​00 – zu A II 4 d der Grün­de, BAGE 101, 357) und Betriebs- oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen (BAG 27. Mai 1986 – 1 ABR 48/​84 – zu B II 3 b aa der Grün­de, BAGE 52, 88; 20. Dezem­ber 1995 – 7 ABR 8/​95 – zu B III 2 der Grün­de, BAGE 82, 36 [jeweils zu Betriebs­ver­ein­ba­run­gen]; ErfK/​Franzen § 4 BDSG Rn. 2).

Eine sol­che Erlaub­nis ent­hal­ten die Bestim­mun­gen der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren. Danach wird jeder IT-Arbeits­platz im Bereich der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be mit einem Kar­ten­le­se­ge­rät und Chip­kar­ten nach den Rege­lun­gen des SigG aus­ge­stat­tet. Durch den jewei­li­gen Beschäf­tig­ten per­sön­lich erfolgt eine ent­spre­chen­de Antrag­stel­lung beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter, die sei­ne zuver­läs­si­ge Iden­ti­fi­zie­rung anhand der Per­so­nal­aus­weis­da­ten erfor­dert. Unter die­se Dienst­ver­ein­ba­rung fällt auch die Klä­ge­rin; sie gilt unmit­tel­bar und zwin­gend (§§ 73, 75 Abs. 3 Nr. 17 BPers­VG; Weber in Richardi/​Dörner/​Weber Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht 4. Aufl. § 73 BPers­VG Rn. 21). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Dienst­ver­ein­ba­rung eine Her­ga­be der Daten an Drit­te ver­langt. Durch § 2 Nr. 7 SigG ist vor­ge­ge­ben, dass eine elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te nur von einer natür­li­chen Per­son bean­tragt wer­den kann und ihre Aus­stel­lung durch Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter erfolgt (§ 4 f. SigG).

Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren hat die Klä­ge­rin nicht gel­tend gemacht, sie sind auch nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re begrenzt die Dienst­ver­ein­ba­rung den Kreis der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter auf sol­che, die gemäß § 15 SigG akkre­di­tiert sind und damit einer wei­ter gehen­den auf­sichts­be­hörd­li­chen Kon­trol­le unter­lie­gen. Auch beinhal­tet die DV Digi­ta­le Signa­tu­ren wei­te­re Bestim­mun­gen zum Schutz der Beschäf­tig­ten, wie bei­spiels­wei­se eine Haf­tungs­aus­schluss­re­ge­lung. Die Dienst­ver­ein­ba­rung beschränkt ins­ge­samt den Ein­griff in das Recht der Beschäf­tig­ten auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung auf das zur Erfül­lung der Arbeits­auf­ga­ben zwin­gend not­wen­di­ge Maß; ein über­mä­ßi­ger Ein­griff wird durch sie nicht erlaubt (vgl. im Ein­zel­nen zu 5 b dd).

Die Klä­ge­rin hat nicht behaup­tet, das WSA erhe­be, ver­ar­bei­te oder nut­ze Daten der Klä­ge­rin im Zusam­men­hang mit dem Ein­satz der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te, Fest­stel­lun­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt hier­zu nicht getrof­fen. Aller­dings liegt nahe, dass die bei der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be not­wen­di­gen Außen­ver­bin­dun­gen zum Zwe­cke der Daten­schutz­kon­trol­le, der Daten­si­che­rung oder zur Sicher­stel­lung eines ord­nungs­ge­mä­ßen Betriebs der Daten­ver­ar­bei­tung in streng zweck­ge­bun­de­nen Pro­to­koll­da­tei­en regis­triert wer­den (§ 14 Abs. 4 BDSG; vgl. zum Inhalt der Zweck­bin­dung zB Simitis/​Dammann BDSG § 14 Rn. 114). Dabei erge­ben sich durch den Ein­satz der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te kei­ne Beson­der­hei­ten. Viel­mehr erhöht die­se die Sicher­heit, dass der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­halt unver­än­dert über­mit­telt wird und Drit­te von des­sen Kennt­nis­nah­me aus­ge­schlos­sen wer­den (Roßnagel/​Roßnagel Hand­buch Daten­schutz­recht Abschnitt 7.7 Rn. 16). Zur Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le dür­fen even­tu­ell anfal­len­de Daten nach den Bestim­mun­gen der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren nicht genutzt wer­den.

Arbeit­ge­ber­wei­sung nach bil­li­gem Ermes­sen

Die Wei­sung der Beklag­ten ent­spricht bil­li­gem Ermes­sen.

Eine Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Ermes­sen, wenn die wesent­li­chen Umstän­de des Falls abge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind (st. Rspr., zuletzt zB BAG 29. August 2012 – 10 AZR 385/​11 – Rn. 45; 12. Okto­ber 2011 – 10 AZR 746/​10 – Rn. 26, BAGE 139, 283). Das bei der Aus­übung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts zu wah­ren­de bil­li­ge Ermes­sen wird inhalt­lich durch die Grund­rech­te des Arbeit­neh­mers mit­be­stimmt. Kol­li­die­ren die­se mit dem Recht des Arbeit­ge­bers, dem Arbeit­neh­mer eine von der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung gedeck­te Tätig­keit zuzu­wei­sen, sind die gegen­sätz­li­chen Rechts­po­si­tio­nen grund­rechts­kon­form aus­zu­glei­chen (vgl. BAG 24. Febru­ar 2011 – 2 AZR 636/​09 – Rn. 23 mwN, BAGE 137, 164; 13. August 2010 – 1 AZR 173/​09 – Rn. 10, BAGE 135, 203). Dabei sind die betrof­fe­nen Inter­es­sen des Arbeit­neh­mers und des Arbeit­ge­bers im Sin­ne einer prak­ti­schen Kon­kor­danz so abzu­wä­gen, dass die geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen für alle Betei­lig­ten mög­lichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den (BAG 23. August 2012 – 8 AZR 804/​11 – Rn. 36; 24. Febru­ar 2011 – 2 AZR 636/​09 – aaO). Ob die Ent­schei­dung der Bil­lig­keit ent­spricht, unter­liegt der vol­len gericht­li­chen Kon­trol­le (BAG 26. Sep­tem­ber 2012 – 10 AZR 311/​11 – Rn. 28; 12. Okto­ber 2011 – 10 AZR 746/​10 – Rn. 46 mwN, aaO).

Die­se Sach­ent­schei­dung ist wegen der zu berück­sich­ti­gen­den Umstän­de des Ein­zel­falls vor­ran­gig den Tat­sa­chen­ge­rich­ten vor­be­hal­ten (BAG 12. Okto­ber 2011 – 10 AZR 746/​10 – Rn. 46, aaO; 10. Mai 2005 – 9 AZR 294/​04 – zu B II 3 b und B IV 1 der Grün­de; vgl. zur Kon­tro­ver­se über den Umfang der revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung: GMP/­Mül­ler-Glö­ge 8. Aufl. § 73 Rn. 10). Unab­hän­gig hier­von hält die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch einer unein­ge­schränk­ten Über­prü­fung stand.

Die Beklag­te hat ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, die Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­trä­ge mit­hil­fe eines elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems durch­zu­füh­ren. Wie sich dem Beschluss der Bun­des­re­gie­rung vom 10. Dezem­ber 2003 ent­neh­men lässt, dient die Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems der Stei­ge­rung von Effi­zi­enz und Kom­pe­tenz bei der Beschaf­fung von Gütern und Dienst­leis­tun­gen durch die öffent­li­che Hand. Durch die elek­tro­ni­sche Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­trä­ge sol­len erheb­li­che Ein­spa­run­gen sowohl bei den Kos­ten der Ver­ga­be als auch bei den Prei­sen für die beschaff­ten Leis­tun­gen erzielt wer­den. Die Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­sys­tems dient damit legi­ti­men Zwe­cken.

Die Amts­lei­tung des WSA hat kei­ne Mög­lich­keit, die Ver­öf­fent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen anders zu gestal­ten. Das WSA ist eine dem BMVBS nach­ge­ord­ne­te Behör­de. Der Erlass des BMVBS vom 11. Dezem­ber 2009, nach dem ab dem 1. Janu­ar 2010 alle Ver­ga­be­be­kannt­ma­chun­gen über die elek­tro­ni­sche Ver­ga­be­platt­form des Bun­des zu ver­öf­fent­li­chen sind, ist daher für das WSA bin­dend (vgl. Ehlers in Erichsen/​Ehlers All­ge­mei­nes Ver­wal­tungs­recht 13. Aufl. § 2 Rn. 62 ff.). Eine Ver­öf­fent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen auf ande­rem Wege schei­det aus. Das betrifft alle Bediens­te­ten der nach­ge­ord­ne­ten Behör­den glei­cher­ma­ßen.

Der Ein­wand der Klä­ge­rin, eine Ver­öf­fent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen durch sie selbst sei nicht erfor­der­lich, weil die Unter­la­gen auch durch Diplom-Inge­nieu­re oder Beschäf­tig­te, die bereits über ein Signa­tur­kar­te ver­fü­gen, ver­öf­fent­licht wer­den könn­ten, steht der Wei­sung der Beklag­ten nicht ent­ge­gen.

Dem Gericht obliegt nicht die Prü­fung, ob die Wei­sung der Beklag­ten die bes­te, effi­zi­en­tes­te oder wirt­schaft­lich ver­nünf­tigs­te Lösung dar­stellt. Im Rah­men der Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts steht dem Arbeit­ge­ber ein nach bil­li­gem Ermes­sen aus­zu­fül­len­der Ent­schei­dungs­spiel­raum zu. Inner­halb die­ses Spiel­raums kön­nen ihm meh­re­re Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen. Dem Gericht obliegt (ledig­lich) die Prü­fung, ob der Arbeit­ge­ber als Gläu­bi­ger die Gren­zen sei­nes Bestim­mungs­rechts beach­tet hat (vgl. BAG 26. Sep­tem­ber 2012 – 10 AZR 311/​11 – Rn. 28; 13. Juni 2012 – 10 AZR 296/​11 – Rn. 28; BGH 18. Okto­ber 2007 – III ZR 277/​06 – Rn. 20, BGHZ 174, 48).

Das ist hier der Fall. Die Diplom-Inge­nieu­re sind für die Erstel­lung und den Inhalt der Ver­ga­be­un­ter­la­gen ver­ant­wort­lich. Ange­sichts ihrer beson­de­ren Aus­bil­dung und Qua­li­fi­ka­ti­on ist es nach­voll­zieh­bar und nicht zu bean­stan­den, wenn sich die Beklag­te dazu ent­schließt, sie nicht mit rein admi­nis­tra­ti­ven Tätig­kei­ten wie der Ver­öf­fent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen zu betrau­en, son­dern die­se Auf­ga­be von ande­ren Beschäf­tig­ten erle­di­gen zu las­sen. Dass ande­re Beschäf­tig­te des WSA bereits über eine elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te ver­fü­gen, lässt das Bedürf­nis für die Bean­tra­gung und Nut­zung einer elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te durch die Klä­ge­rin eben­falls nicht ent­fal­len. Abwe­sen­heits­zei­ten ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter (zB auf­grund von Krank­heit oder Urlaub) kön­nen es erfor­der­lich machen, dass meh­re­re Mit­ar­bei­ter über eine elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te ver­fü­gen. Nur so kann sicher­ge­stellt wer­den, dass die Ver­ga­be­un­ter­la­gen unab­hän­gig von den jeweils in der Dienst­stel­le anwe­sen­den Beschäf­tig­ten zeit­nah ver­öf­fent­licht wer­den kön­nen. Es lag nahe, auch die Klä­ge­rin für die­se Tätig­keit her­an­zu­zie­hen, weil die Ver­öf­fent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen bereits vor dem 1. Janu­ar 2010 zu ihrem Auf­ga­ben­ge­biet gehör­te.

Der mit der Wei­sung ver­bun­de­ne Ein­griff in das Recht der Klä­ge­rin auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ist die­ser zumut­bar.

Das in Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG ver­an­ker­te Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gewähr­leis­tet dem Ein­zel­nen die Befug­nis, grund­sätz­lich selbst über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung per­sön­li­cher Daten zu bestim­men und dar­über zu ent­schei­den, wann und inner­halb wel­cher Gren­zen per­sön­li­che Lebens­sach­ver­hal­te offen­bart wer­den (BVerfG 15. Dezem­ber 1983 – 1 BvR 209/​83, 1 BVR 269/​83 ua – zu C II 1 a der Grün­de, BVerfGE 65, 1; 27. Febru­ar 2008 – 1 BvR 370/​07, 1 BvR 595/​07 – Rn. 180, BVerfGE 120, 274). Wer nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit über­schau­en kann, wel­che ihn betref­fen­den Infor­ma­tio­nen in bestimm­ten Berei­chen sei­ner sozia­len Umwelt bekannt sind, und wer das Wis­sen mög­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner nicht eini­ger­ma­ßen abzu­schät­zen ver­mag, kann in sei­ner Frei­heit wesent­lich gehemmt wer­den, aus eige­ner Selbst­be­stim­mung zu pla­nen oder zu ent­schei­den (BVerfG 4. April 2006 – 1 BvR 518/​02 – Rn. 69, BVerfGE 115, 320). Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob es sich um Daten der Pri­vat- oder gar der Intim­sphä­re han­delt. Ein „belang­lo­ses“ Datum gibt es aus Sicht der Ver­fas­sung nicht (vgl. BVerfG 15. Dezem­ber 1983 – 1 BvR 209/​83, 1 BvR 269/​83 ua. – zu C II 2 der Grün­de, aaO). Das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung fin­det eine Ent­spre­chung im Uni­ons­recht. Gemäß Art. 8 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on hat jede Per­son das Recht auf Schutz der sie betref­fen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten.

In das Recht der Klä­ge­rin auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung wird durch die streit­ge­gen­ständ­li­che Wei­sung ein­ge­grif­fen, weil die Klä­ge­rin nicht mehr frei ent­schei­den kann, wann sie wem wel­che Daten zur Ver­fü­gung stellt. Durch die Wei­sung wird sie ver­pflich­tet, einem von der Beklag­ten aus­ge­wähl­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter die aus dem Per­so­nal­aus­weis ersicht­li­chen Daten zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Die­ser Ein­griff ist der Klä­ge­rin zumut­bar (eben­so für die an einen Beam­ten gerich­te­te Anord­nung, eine elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te zu bean­tra­gen und zu nut­zen: Bay­er. VGH 2. Novem­ber 2011 – 6 CE 11.1342 -).

Die Ver­öf­fent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen durch die Klä­ge­rin ist ohne Ein­griff in ihr Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht mög­lich. Nach den für den Senat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) ist für die Ver­öf­fent­li­chung von Ver­ga­be­un­ter­la­gen auf der elek­tro­ni­schen Ver­ga­be­platt­form des Bun­des der Ein­satz einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te unver­zicht­bar. Die­ser Ein­satz setzt wie­der­um zwin­gend vor­aus, dass die Klä­ge­rin selbst die Kar­te unter Mit­tei­lung ihrer per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten beim Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter bean­tragt hat. Gemäß § 2 Nr. 7 SigG kann eine elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te nur von einer natür­li­chen Per­son bean­tragt wer­den (vgl. Spindler/​Schuster/​Gramlich Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en 2. Aufl. § 2 SigG Rn. 16). Die Bean­tra­gung einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te für die gesam­te Dienst­stel­le oder auch nur für meh­re­re Beschäf­tig­te ist nicht mög­lich. Auch die Nut­zung einer für einen ande­ren Beschäf­tig­ten aus­ge­stell­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te durch die Klä­ge­rin kommt nicht in Betracht, weil die mit der Signa­tur­kar­te ver­bun­de­nen Rech­te nur von den jewei­li­gen Antrag­stel­lern aus­ge­übt wer­den dür­fen; dies legt die DV Digi­ta­le Signa­tu­ren („Rech­te und Pflich­ten“) aus­drück­lich fest. Im Übri­gen wür­de eine sol­che Hand­ha­bung dem Zweck der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te als siche­rem Iden­ti­fi­zie­rungs­mit­tel des jewei­li­gen Absen­ders zuwi­der­lau­fen.

Die Wei­sung stellt kei­nen beson­ders schwer­wie­gen­den Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung dar. Die aus dem Per­so­nal­aus­weis ersicht­li­chen Daten betref­fen den äuße­ren Bereich der Pri­vat­sphä­re. Ins­be­son­de­re Name, Alter und Adres­se gehö­ren zu den „Stamm­da­ten“ des Arbeit­neh­mers, deren Erhe­bung für die Durch­füh­rung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses regel­mä­ßig erfor­der­lich ist (BAG 23. August 2012 – 8 AZR 804/​11 – Rn. 38 mwN). Die­se Daten wer­den auch im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr häu­fig ein­ge­setzt. Bei den Anga­ben im Per­so­nal­aus­weis han­delt es sich nicht um beson­ders sen­si­ble Daten iSv. § 3 Abs. 9 BDSG, für die nach § 4a Abs. 3, § 28 Abs. 6 bis Abs. 9 BDSG erhöh­te Anfor­de­run­gen an die Erhe­bung und Spei­che­rung zu stel­len sind (vgl. zum Umgang mit sol­chen Daten im Rah­men der Per­so­nal­ak­ten­füh­rung: BAG 12. Sep­tem­ber 2006 – 9 AZR 271/​06BAGE 119, 238). Dass die Anga­ben – ins­be­son­de­re das Pass­fo­to und die aus­ge­wie­se­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit – mit­tel­bar Rück­schlüs­se auf die eth­ni­sche Her­kunft zulas­sen, reicht für eine Anwen­dung der genann­ten Vor­schrif­ten nicht aus, weil eine ent­spre­chen­de Aus­wer­tungs­ab­sicht nicht besteht; die Daten­er­he­bung dient allein der Iden­ti­fi­zie­rung (vgl. Gola/​Schomerus BDSG § 3 Rn. 56a; zur Abgren­zung von Staats­an­ge­hö­rig­keit und eth­ni­scher Her­kunft: BAG 21. Juni 2012 – 8 AZR 364/​11 – Rn. 31).

Dar­über hin­aus wer­den die Daten nicht der all­ge­mei­nen Öffent­lich­keit oder einer unbe­stimm­ten Anzahl von Per­so­nen bekannt gege­ben, son­dern nur einem ein­zi­gen Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter über­mit­telt. Die­ser darf die Daten zudem nur inso­weit erhe­ben und nut­zen, als dies für Zwe­cke einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te erfor­der­lich ist (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SigG). Zu ande­ren Zwe­cken dür­fen die Daten nur ver­wen­det wer­den, wenn das SigG es erlaubt oder der Betrof­fe­ne ein­ge­wil­ligt hat (§ 14 Abs. 1 Satz 3 SigG).

Der Schutz der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten der Klä­ge­rin wird durch Vor­schrif­ten des Signa­tur­ge­set­zes und der Signa­tur­ver­ord­nung sicher­ge­stellt. Einen Zer­ti­fi­zie­rungs­dienst darf danach nur anbie­ten, wer die für den Betrieb erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit und Fach­kun­de nach­weist (§ 4 Abs. 2 Satz 1 SigG) und der zustän­di­gen Behör­de ein Sicher­heits­kon­zept vor­ge­legt hat, in dem die Maß­nah­men zur Erfül­lung der Sicher­heits­an­for­de­run­gen nach dem SigG und der SigV im Ein­zel­nen auf­ge­zeigt wer­den (§ 4 Abs. 2 Satz 4 SigG, § 2 SigV). Der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter hat für die Aus­übung der Zer­ti­fi­zie­rungs­tä­tig­keit zuver­läs­si­ges Per­so­nal und zuver­läs­si­ge Pro­duk­te für elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren ein­zu­set­zen (§ 5 Abs. 5 SigG, § 5 Abs. 3 SigV). Die Daten eines Antrag­stel­lers dür­fen nur unmit­tel­bar bei die­sem selbst und grund­sätz­lich nur für Zwe­cke einer elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te erho­ben wer­den (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SigG). Der Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter hat das Sicher­heits­kon­zept ein­schließ­lich etwai­ger Ände­run­gen, die Unter­la­gen zur Fach­kun­de der im Betrieb täti­gen Per­so­nen und die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit den Antrag­stel­lern zu doku­men­tie­ren (§ 10 Abs. 1 SigG, § 8 SigV). Dem Antrag­stel­ler ist auf Ver­lan­gen jeder­zeit Ein­blick in die ihn betref­fen­den Daten zu gewäh­ren (§ 10 Abs. 2 SigG).

Über die­se zwin­gen­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben hin­aus bestimmt die DV Digi­ta­le Signa­tu­ren, dass als Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter nur sol­che in Betracht kom­men, die sich gemäß § 15 ff. SigG bei der zustän­di­gen Behör­de frei­wil­lig akkre­di­tiert haben. Die frei­wil­li­ge Akkre­di­tie­rung beinhal­tet eine regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung des Sicher­heits­kon­zepts des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters durch öffent­lich aner­kann­te fach­kun­di­ge Drit­te (§ 15 Abs. 2, § 18 SigG) und gewähr­leis­tet damit ein Sicher­heits­kon­zept von beson­ders hoher Qua­li­tät (vgl. Spindler/​Schuster/​Gramlich Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en § 15 SigG Rn. 6; Roßnagel/​Roßnagel Hand­buch Daten­schutz­recht Abschnitt 7.7 Rn. 26). Der von der Beklag­ten aus­ge­wähl­te Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ent­spricht die­sen Vor­ga­ben.

Ange­sichts der Sicher­heits­vor­keh­run­gen bestehen kei­ne Anhalts­punk­te für die Befürch­tung der Klä­ge­rin, mit ihren Daten könn­te Miss­brauch getrie­ben wer­den. Kon­kre­te Tat­sa­chen, die auf die Mög­lich­keit eines Miss­brauchs hin­deu­ten, hat die Klä­ge­rin nicht vor­ge­tra­gen. Die Beklag­te hat die Beden­ken der Klä­ge­rin den­noch auf­ge­grif­fen und sich bei der gemäß § 3 SigG zustän­di­gen Bun­des­netz­agen­tur nach der Repu­ta­ti­on der T GmbH erkun­digt. Auch nach Aus­kunft der Bun­des­netz­agen­tur besteht kein Anlass, an der Daten­si­cher­heit und der Inte­gri­tät der Sys­te­me zu zwei­feln.

Die Wei­sung der Beklag­ten stellt zwar einen Ein­griff in die durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­te Ver­trags­frei­heit (vgl. BVerfG 16. Juli 2012 – 1 BvR 2983/​10 – Rn. 21 mwN) der Klä­ge­rin dar, weil sie ver­pflich­tet wird, gegen ihren Wil­len ein Ver­trags­ver­hält­nis mit dem Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ter ein­zu­ge­hen. Die­ser Ein­griff ist der Klä­ge­rin aber eben­falls zumut­bar. Zur Begrün­dung kann auf die obi­gen Aus­füh­run­gen ver­wie­sen wer­den. Ergän­zend ist zu berück­sich­ti­gen, dass der vom Arbeit­ge­ber gefor­der­te Ver­trags­schluss einen unmit­tel­ba­ren Bezug zur geschul­de­ten Arbeits­leis­tung auf­weist und der Klä­ge­rin durch ihn kei­ne Zah­lungs­pflich­ten auf­er­legt wer­den. Sämt­li­che Kos­ten für die Leis­tun­gen des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters trägt nach der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren die Beklag­te.

Soweit die Wei­sung die Ver­pflich­tung der Klä­ge­rin beinhal­tet, die elek­tro­ni­sche Signa­tur­kar­te bei der Ver­öf­fent­li­chung der Ver­ga­be­un­ter­la­gen zu nut­zen, begeg­net sie eben­falls kei­nen Beden­ken. Beson­de­re, spe­zi­ell mit der dienst­li­chen Nut­zung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te für sie ver­bun­de­ne Gefah­ren benennt die Klä­ge­rin nicht. Die Klä­ge­rin hat nach den Bestim­mun­gen der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren einen Schu­lungs­an­spruch gegen­über der Beklag­ten; die Dienst­ver­ein­ba­rung legt bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen zur siche­ren Nut­zung durch die Beschäf­tig­ten fest. Den Inter­es­sen der Klä­ge­rin wird zudem durch eine Haf­tungs­frei­stel­lung Rech­nung getra­gen: Nach der DV Digi­ta­le Signa­tu­ren stellt das BMVBS die Beschäf­tig­ten von etwai­gen Haf­tungs­an­sprü­chen des Zer­ti­fi­zie­rungs­diens­te­an­bie­ters oder ande­rer Drit­ter frei, die im Zusam­men­hang mit einer feh­ler­haf­ten Nut­zung der Signa­tur­kar­te zu dienst­li­chen Zwe­cken erho­ben wer­den kön­nen. Die DV Digi­ta­le Signa­tu­ren („Anwen­dung“) stellt schließ­lich klar, dass auf­grund des Ein­sat­zes der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te beim Arbeit­ge­ber gewon­ne­ne Daten nicht zur Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le ver­wen­det wer­den dür­fen. Eine Nut­zung der elek­tro­ni­schen Signa­tur­kar­te über den dienst­li­chen Ein­satz hin­aus, ins­be­son­de­re zu pri­va­ten Zwe­cken, wird von der Klä­ge­rin nicht ver­langt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – 10 AZR 270/​12

  1. LAG Nie­der­sach­sen, Urteil vom 12.09.2011 – 8 Sa 355/​11[]

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