Flug­blät­ter vor dem Fir­men­tor

Kann einem Team­lei­ter wegen des Ver­tei­lens von Flug­blät­tern gekün­digt wer­den? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich aktu­ell das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf zu befas­sen:

Flug­blät­ter vor dem Fir­men­tor

Der Team­lei­ter ist Team­lei­ter bei dem beklag­ten Paket­zu­stel­lungs­un­ter­neh­men. Im Sep­tem­ber 2014 wur­den vor dem Betriebs­tor Flug­blät­ter an Betriebs­an­ge­hö­ri­ge in deut­scher und tür­ki­scher Spra­che ver­teilt, die Behaup­tun­gen beinhal­te­ten wie z.B. "die … (Arbeit­ge­be­rin) behan­delt uns wie Skla­ven", den "Aus­hil­fen wer­den ihre ele­men­ta­ren Rech­te genom­men, wie ihr gesetz­li­cher Anspruch auf Urlaub und Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall" und "… (Arbeit­ge­be­rin) kauft sich unter­neh­mer­freund­li­chen Betriebs­rat". Die Arbeit­ge­be­rin wirft dem Team­lei­ter vor, dass er die genann­ten Flug­blät­ter im Rah­men einer Mahn­wa­che im Okto­ber 2014 vor dem Duis­bur­ger Haupt­bahn­hof ver­teilt habe. Nach­dem eine zuvor des­we­gen aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung an einer feh­ler­haf­ten Betriebs­rats­an­hö­rung geschei­tert war, kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Team­lei­ter am 12.01.2015 erneut ordent­lich zum 30.04.2015. Gegen die­se Kün­di­gung wehrt sich der Team­lei­ter mit sei­ner Kla­ge. Er behaup­tet, er sei am Tag der Mahn­wa­che wie mit sei­ner Ehe­frau ver­ab­re­det zu Hau­se bei sei­nen Kin­dern geblie­ben und rügt erneut die Betriebs­rats­an­hö­rung.

Das Arbeits­ge­richt Duis­burg hat nach einer Ver­neh­mung von Zeu­gen der Kla­ge statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en durch die Kün­di­gung vom 12.01.2015 nicht auf­ge­löst wor­den ist 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Arbeit­ge­be­rin wur­de vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf nun eben­falls zurück­ge­wie­sen. Der Inhalt des Flug­blat­tes hat­te zwar belei­di­gen­den und ruf­schä­di­gen­den Cha­rak­ter. Nach der durch das Arbeits­ge­richt Duis­burg durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me konn­te dem Team­lei­ter aber allen­falls nach­ge­wie­sen wer­den, dass er ein ein­zi­ges Flug­blatt aus der Tasche gezo­gen und einem Betriebs­an­ge­hö­ri­gen gege­ben hat. Unter Berück­sich­ti­gung des Umstan­des, dass der Team­lei­ter bereits seit neun Jah­ren bei der Arbeit­ge­be­rin beschäf­tigt und bis­her nicht ein­schlä­gig abge­mahnt wor­den ist, konn­te die­ser Vor­gang – sei­ne Rich­tig­keit unter­stellt – die ordent­li­che Kün­di­gung nicht recht­fer­ti­gen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 16. Novem­ber 2015 – 9 Sa 832/​15

  1. ArbG Duis­burg, Urteil vom 15.06.2015 – 4 Ca 137/​15[]