Gegen­wert­for­de­rung der VBL

§ 23 Abs. 2 der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS), der die Zah­lung eines Gegen­werts für die bei der VBL ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­las­ten bei Been­di­gung einer Betei­li­gung regelt, ist wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unwirk­sam.

Gegen­wert­for­de­rung der VBL

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in zwei bei ihm anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren:

In dem ers­ten Fall 1 ist der Klä­ger Trä­ger­ver­ein einer Kli­nik und gehör­te dem Abrech­nungs­ver­band Ost der VBL seit 1996 an. Er kün­dig­te das Betei­li­gungs­ver­hält­nis zum 31. Dezem­ber 2003. Auf Grund­la­ge des § 23 Abs. 2 VBLS for­der­te die VBL einen Gegen­wert in Höhe von 957.125,77 € für neun Rent­ner und 135 Leis­tungs­an­wär­ter, der vom Klä­ger bezahlt wur­de. Nun­mehr ver­langt der Klä­ger die Rück­zah­lung eines Teil­be­tra­ges von 400.000 €. Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Zah­lungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Mann­heim wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he haben einen Rück­zah­lungs­an­spruch wegen Unwirk­sam­keit der Sat­zungs­be­stim­mung über den Gegen­wert bejaht 2. Mit ihrer Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof hat die VBL ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter­ver­folgt.

In dem zwei­ten Fall 3 war der Beklag­te schon an der Vor­gän­ger­an­stalt der VBL seit 1940 betei­ligt. Er kün­dig­te sei­ne Betei­li­gung zum 31. Dezem­ber 2002. Die VBL berech­ne­te einen Gegen­wert von 18.357.553,15 € und ver­langt mit der Kla­ge den nach Anrech­nung von zwei Abschlags­zah­lun­gen ver­blei­ben­den Rest­be­trag von 8.126.996,65 €. HIer haben in den Vor­in­stan­zen das Land­ge­richt Mann­heim und das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die Kla­ge der VBL abge­wie­sen 4, die mit ihrer Revi­si­on den Zah­lungs­an­spruch wei­ter­ver­folgt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in bei­den Fäl­len die Revi­sio­nen der VBL zurück­ge­wie­sen und die Urtei­le des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he bestä­tigt:

§ 23 Abs. 2 VBLS unter­liegt der vol­len AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le. Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, die eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit des Sat­zungs­ge­bers bei deren Umset­zung und inhalt­li­cher Aus­ge­stal­tung zur Fol­ge hat, setzt eine wirk­sa­me tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­aus. Die­se liegt hier nicht vor. Der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 zum Tarif­ver­trag über die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV) vom 24. Novem­ber 2011 stellt hin­sicht­lich sei­ner rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2001 in Kraft gesetz­ten Rege­lun­gen zum Gegen­wert für Betei­li­gun­gen, die vor Abschluss die­ses Tarif­ver­tra­ges been­det wur­den, eine unzu­läs­si­ge ech­te Rück­wir­kung dar.

Die in § 23 Abs. 2 VBLS vor­ge­se­he­ne vol­le Berück­sich­ti­gung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts benach­tei­ligt den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Wei­ter­hin liegt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten in der Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts. Fer­ner ist § 23 Abs. 2 VBLS intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.

Aller­dings kann die durch die Unwirk­sam­keit der Gegen­wert­re­ge­lung in § 23 Abs. 2 VBLS ein­ge­tre­te­ne Sat­zungs­lü­cke nach den Grund­sät­zen der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung auch durch eine neue Sat­zungs­re­ge­lung, die den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten nicht unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt, mit Wir­kung für eine bereits been­de­te Betei­li­gung geschlos­sen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 10. Okto­ber 2012 – IV ZR 10/​11 und IV ZR 12/​11

  1. BGH – IV ZR 10/​11[]
  2. LG Mann­heim, Urteil vom 19.06.2009 – 7 O 124/​08 (Kart.); OLG Karls­ru­he, Urteil vom 23.12.2010 – 12 U 224/​09[]
  3. BGH – IV ZR 12/​11[]
  4. LG Mann­heim, Urteil vom 18.12.2009 – 7 O 290/​08 (Kart.); OLG Karls­ru­he, Urteil vom 23.12.2010 – 12 U 1/​10[]